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Blog-Nation Iran

In keinem anderen Land des Nahen Ostens wird so viel gebloggt wie im Iran. Hoder Hossein Derakhshan führt seit 2001 sein Blog i.hoder . Er gilt damit als einer der ersten Blogger, der mit Hilfe des Internets eine soziale Revolution gegen die Mullahs propagiert und damit ein soziales und politisches Tabu seiner Heimat gebrochen hat. So ist es nicht verwunderlich, dass der 31-Jährige in den Kreisen der iranischen Blogger mittlerweile als Held gefeiert wird.

Die Message seines Blogs trifft bei vielen jungen Iranern auf Unterstützung, die sich durch Menschen wie Derakhshan ermutigen ließen, ein eigenes Blog zu errichten. Das Resultat ist überwältigend. Derzeit gibt es über 700.000 iranische Weblogs, in denen fern ab von der Kontrolle der Mullahs alle Themen von Politik bis Unterhaltung kritisch diskutiert werden. Laut Derakhshan können iranische Weblogs jedoch noch nicht als neue politische Opposition gegen das herrschende System gesehen werden, da sich die meisten der Blogs mit privaten Themen beschäftigen. Allerdings ist die Enthüllung von privaten Geheimnissen bereits ein Verstoß gegen die Staatsideologie des Iran und somit ein Aufstand gegen die traditionelle Kultur, die Gesellschaft und gleichzeitig die Regierung.

Derakhshan geht sogar so weit, dass er Blogs im Iran als Individualitätstraining bezeichnet, in
denen junge Menschen aus seiner Heimat lernen sich auszudrücken. Laut
seiner Einschätzung werden 35 Prozent der iranischen Blogs von Frauen
geschrieben, die es erst kürzlich geschafft haben, über Blogs eine Protestkundgebung
gegen die Diskriminierung der Frauen zu organisieren. Weblogs als die Chance zur freien Meinungsäußerung? Negative Reaktionen von seiten der
Regierung bleiben nicht aus. Wie im Falle des iranischen Journalisten,
der im Jahre 2004 wegen kritische Äußerungen in seinem Weblog omemarian.blogspot.com
verhaftet wurde.   

Seit einigen Wochen geht die "Zentralstelle für Filtering" aktiv gegen unzüchtige
und politisch unerwünschte Internetseiten vor. Die Meldung "Lieber
User, der Zugang zu dieser Seite ist unmöglich" lesen die iranischen Onliner inzwischen immer öfter. Das Blog von Derakhshan
wurde für den Iran schon längst gesperrt. Weblogs, die nicht in das
konservative Muster der iranischen Regierung passen, bleiben bislang
eben eine echte Herausforderung.

>> Spiegel: Aufstand per Mausclick

Verena Schmunk