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Causa Özil – was heißt das für Unternehmens-Influencer?

Fußballer sind die Mitarbeiter und somit die Werbeschilder für ihre Mannschaft. Genauso wie die einzelnen Mitarbeiter im Unternehmen einen hohen Einfluss auf den Ruf eines Unternehmens haben. Diverse, wohlgeplante und strukturierte Marketingaktivitäten haben in den letzten Jahren den Hype um die Nationalmannschaft beflügelt. Allerdings wird sie nun eingeholt von etwas, dass auch in der Wirtschaftswelt immer mehr Bedeutung erfährt: Mitarbeiter als Influencer. Positiv wie negativ.

Die fußballerische Seite des Corporate Influencer

Marketingglücksfall Sommermärchen und Titelgewinn

Nach dem Sommermärchen 2006 und letztendlich dem Weltmeisterschaftsgewinn 2014 erfasste eine enorme Euphorie Deutschland. Der Umsatz des DFB steigerte sich vom Jahr 2015 auf 2016 um ca. 50 Millionen € auf insgesamt 290 Millionen €. Davon wurden 2016 alleine 88,7 Millionen € durch den „Spielbetrieb und Vermarktung der Nationalmannschaften“ umgesetzt. Die Marketingstrategie ging voll auf.

Endspurt vor der Titelverteidigung

Pünktlich zur Weltmeisterschaft 2018 wurden dann noch eine Kampagne gelauncht und alles war bereit für die Titelverteidigung. Oder zumindest für das Anwerfen der Gelddruckmaschine. Bei einer Befragung im April und Mai 2018 gaben lediglich 16 % zwischen 16 und 64 Jahren an, sich nicht für Fußball zu interessieren. Pure Vorfreude.

Der Lauf gegen die Mauer

Dann der Schock. Anfang Juni 2018 lassen sich Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten fotografieren. Die Maschinerie gerät ins Straucheln, eine Welle der Empörung geht durch Deutschland. Und bis jetzt konnte niemand benennen, warum eigentlich? Warum ist das Thema immer noch akut? Der Skandal um Beckenbauer, den DFB und die WM Vergabe hat eine solche Berichterstattung nicht erhalten. Warum also jetzt? Warum personenbezogen? Das Entscheidende: Mesut Özil und Ilkay Gündogan sind Influencer.

Die nackten Zahlen: Özil & Gündogan

Das Profil von Mesut Özil hat bei Instagram 16,7 Millionen Abonnenten. In den Tagen vor der WM haben seine Beiträge immer um die 500.000 Likes erhalten. Der Post zum Spieltag der Nationalmannschaft: 1,1 Millionen Likes. Auf dem Bild zu sehen: Sein Trikot, mit Nummer und Name, sein Paar Schuhe, bereit zum Anziehen in der Kabine.

Für Ilkay Gündogan sehen die Zahlen schon leicht anders aus. 2,1 Millionen Abonnenten bei Instagram, Postings vor der WM im Schnitt mit ca. 50.000 Likes, Beitrag zum Matchday: 82.000 Likes. Auf dem Bild zu sehen: Sein Trikot, mit Nummer und Name, sein Paar Schuhe, bereit zum Anziehen in der Kabine. Allein anhand der Zahlen, neben vielen anderen Rahmenbedingungen, lässt sich schon erkennen, wieso die Causa Özil mehr Wellen schlägt als die Causa Gündogan: die Reichweiten unterscheiden sich extrem.

Die Unternehmerperspektive zu Mitarbeitende als Influencer

Reichweite ist das Stichwort

Reichweiten sind ebenfalls entscheidend für das Marketing im Unternehmen. Nicht nur der Kunde, sondern auch potenzielle neue Mitarbeitende müssen vom Unternehmen erreicht werden. Und zwar so erreicht werden, dass sie Interesse am Unternehmen entwickeln. Positives Interesse. Ein oft unterschätzter Faktor in Unternehmen- und wie wir gesehen haben auch bei der deutschen Nationalmannschaft – die eigenen Mitarbeiter.

Denn ihre Reichweite ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Und was würde passieren, wenn sich einer ihrer Mitarbeiter mit dem Geschäftsführer einer anderen Firma fotografieren lässt? Dieses Bild verbreitet wird und der Eindruck entsteht, dass der Mensch, der bei ihnen arbeitet, sich bei der anderen Firma sehr wohl fühlt? Wo werden die Freunde dieses Mitarbeiters wohl eher ihre Bewerbung hinschicken?

Authentizität

Ihr größtes Problem: wenn es wirklich einer Tatsache entspricht, dass sich jemand aus ihrem Unternehmen bei der Konkurrenz wohler fühlt. Bedeutet nämlich, dass sie viel Zeit und Arbeit investieren müssen, um entweder ein neues Umfeld zu schaffen oder den Mitarbeiter gehen zu lassen. Ein wenig kleiner, aber ebenso schwierig in der Außendarstellung: Eigentlich fühlt sich der Mitarbeiter sehr wohl in ihrem Unternehmen. Aber er zeigt es nicht. Vielleicht weil er es nicht darf? Vielleicht weil er nicht weiß, dass er dem Unternehmen als Corporate Influencer weiterhilft?

Dann ist es an ihnen, dieses Bewusstsein zu schaffen und Rahmenbedingungen zu ermöglichen, die ihre Mitarbeiter zu ihren Influencern machen. Das entscheidende dabei: lassen sie den Corporate Influencern ihre Authentizität. Denn von der Marketingabteilung vorgegebene Skripte und Slogans haben nur solange Bestand, wie sie nicht durch einen authentischen Beitrag konterkariert werden. Denken sie immer an #ZSMMN und Erdogan. Finden Sie heraus, wer für ihr Unternehmen die richtigen Corporate Influencer sind.

 

 

Bildquellen: unsplash.com