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Neue Führungsstile für eine neue Arbeitswelt

Unsere Arbeitswelt steht nicht nur vor einer umfassenden Digitalisierung, sondern auch vor einem umfänglichen Wertewandel. Leadership-Personen werden dabei vor ganz neue Herausforderungen gestellt: Sie müssen lernen, neue Arbeitsmodelle zu meistern, nicht anwesende und nicht angestellte Mitarbeitende wie auch Digital Natives und Analog Seniors gemeinsam zu führen und so schnell wie möglich produktiv zu machen. Macht- und Kontrollverlust ist eine unausbleibliche Folge.

Bei all dem geben die Digital Natives, die nun mehr und mehr ans Ruder kommen, die Marschrichtung vor. Sie prägen eine humanisierte Führungskultur. Sie bringen die Menschlichkeit in die Unternehmen zurück. Und sie schaffen die Rahmenbedingungen für einen kollaborativen Managementstil. Der Chef als Ansager und Aufpasser? Für sie ein Auslaufmodell.

Sie stehen für Autonomie und Gestaltungsraum, für Gleichrangigkeit und Selbstorganisation – und für das Teilen. Der Aufbau von Herrschaftswissen ist ihnen fremd. Machtgelüste haben sie kaum. Die klassischen Statussymbole reizen sie wenig. Bevormundungsmodelle sind gar nicht ihr Ding. Sie fordern vehement ein, was sich die älteren Kollegen zwar ebenfalls wünschen, aber bisher kaum auszusprechen wagen.

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Die neue Generation folgt der Theorie Y

Diese Generation Y folgt – welch interessanter Zusammenhang – der Theorie Y von Douglas McGregor, seinerzeit Managementprofessor am MIT. Sein Y steht für die Hypothese vom grundsätzlich engagierten, selbstständig agierenden Mitarbeitenden, der durch befruchtendes, einfühlsames Führen noch engagierter wird.

„Schmusekurs“ wird dieser Weg von den harten Brocken der alten Schule genannt. Und die, die ihm folgen, werden als Beta-Buben, Warmduscher und Beckenrandschwimmer verlacht. Denn da, wo mit der Brechstange gearbeitet wird, wo es keine Kennzahlen für Achtsamkeit und Wertschätzung gibt, wo nur Maximalergebnisse zählen und „Taschenrechner“ das Sagen haben, ist für „weiche Faktoren“ kein Platz.

Mitarbeiter sind keine Spielfiguren des Managements

Vielerorts wird immer noch derjenige (heimlich) bewundert, der bereit ist, Unternehmenswerte zu zerstören und Mitarbeiter zu opfern, um kurzfristige Gewinnziele erreichen zu können. „Wer das nicht verträgt, der kann sich ja von unserem tollen betrieblichen Gesundheitswesen wieder aufpäppeln lassen“, hat mir kürzlich so einer gesagt.

Doch die Zeiten, in denen Mitarbeiter nichts als Spielfiguren des Managements waren, sind endgültig vorbei. Die Generation Y wie auch die neuen Arbeitsmodelle verlangen ein neues Führungsverständnis. So wird sich die Wirtschaft zügig vom patriarchalischen Prinzip lösen (müssen). Ganz andere Führungsstile rücken dabei nach vorn. Und „Mixed Leadership“ wird zum Muss.

Für Führungskarrieren kommen nun nur noch Menschenversteher infrage. Denn da, wo man auf unterschiedlichste Weise mit einer Vielfalt von Kollaborateuren zusammenarbeitet, zählen soziale Kompetenzen zu den wichtigsten Management-Skills. Und bei einem wirklich guten Manager stimmen die Zahlen, ohne dass dabei seine Leute auf der Strecke bleiben.

Längst zeigt sich, wo die Reise hingeht

So hat die socialmedia-affine Smartphone-Elite längst begonnen, eine neue, ethischere Tätigkeitskultur zu entwickeln: werteorientiert, selbstbewusst, verspielt, autonom. Der versierte Umgang mit Online-Medien ist ihr wichtigstes Kapital. Das Meistern von Bits und Bytes, den Grundbausteinen der digitalen Welt, nennt sie Arbyte (Peter Glaser).

Die Aussicht, bei einem Arbeitgeber wieder in die analoge Steinzeit zurückzufallen, ist entsetzlich für sie. Wer kein passendes Arbeitsumfeld bieten kann, kommt für sie nicht in Betracht. Millennials erwarten ein lebenswertes Arbeitsumfeld und ein lockeres Miteinander, so, wie sie es aus ihrer vernetzten, digital transformierten Freizeit kennen.

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Schilder_Pfeile_shutterstock_102144685Und wenn sie mehrere Job-Angebote haben, entscheiden sich die neuen Top-Talente für das mit dem Sinn-Plus. Diese Grundeinstellung befruchtet inzwischen den kompletten Arbeitsmarkt. Die Menschen wollen nicht einfach nur noch mehr Geld verdienen. Sie wollen bei ihrer Arbeit auch glücklich sein.

Ein Dasein, bei dem Leben und Arbeit, wenn überhaupt, so einigermaßen in Balance ist, reicht ihnen nicht. Sie wollen, dass alles Berufliche zu einem befruchtenden und in hohem Maße befriedigenden Teil ihres Lebens wird. Das wird das „New Normal“ sein. Ich nenne dies Work-Life-Integrität. Denn Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Die Funktionen einer Führungskraft von heute

Ganz klar: Das Gemisch möglicher Arbeitsmodelle wird immer bunter. Zu führen sind:

  • Menschen, die in festen Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind,
  • Menschen, die über Zeitverträge mit einer Firma kollaborieren,
  • Menschen, die in Vollzeit beschäftigt sind,
  • Menschen, die in Teilzeit beschäftigt sind,
  • Menschen, die jeden Tag an ihren Arbeitsplatz kommen,
  • Menschen, die nur zeitweise persönlich anwesend sind,
  • Menschen, die in festen Teams zusammenarbeiten,
  • Menschen, die in ständig wechselnden Projekten tätig sind,
  • Menschen, die an zunehmend anspruchsvollen Aufgaben arbeiten,
  • Menschen, die zu Dumping-Preisen Routinejobs machen.
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Auf dieser Basis lassen sich folgende Führungsfunktionen entwickeln:

  • Führungskraft
  • Manager
  • Mensch
  • kundenfokussierter Leader
  • Möglichmacher
  • Katalysator

Dazu in den kommenden Beiträgen mehr.

 

Bildquelle: Anne M. Schüller, Shutterstock