buble arrow37

Die falsche Angst vor dem Enterprise 2.0

Die Öffentlichkeit nimmt Projekte und Initiativen rund um Enterprise 2.0 immer mehr als positive Innovation wahr. Jedoch sind die Stimmen der Öffentlichkeit ebenso kritisch. Angst, Unwissenheit und fehlende Strategien scheinen die Innovation interner Netzwerke und entsprechendes Umdenken im Keim zu ersticken. Die Einführung solcher Systeme umfasst weit mehr als die Software. Planvoller Einsatz, strategische Ausrichtung und fortwährende Analyse sind wichtige Grundlagen.

Dies ist der Auftakt zu einer Beitragsserie rund um die Planung und den Einsatz von Enterprise 2.0 im Unternehmen. In den kommenden Wochen werde ich in den unterschiedlichen Beiträgen die Pionierphase, Strategie, Entwicklung, Beobachtung, Beteiligung, Engagement, Steuerung und Optimierung betrachten. Damit möchte ich einen Grundstein für Verständnis, Akzeptanz und Anwendung legen, der Anstoß für eine kleine Revolution sein kann.

Die Zeitung

Vor kurzem saß ich vor meinem Rechner und konnte den Tag mit einem Lächeln beginnen. DIE WELT hatte einen Artikel veröffentlicht, der Musik für meine Ohren ist: „Neue Kommunikation: Deutsche Firmen entdecken Alternative zur E-Mail“. Im Groben wird darin die „no more Email“-Strategie des Unternehmens ATOS, beschrieben und die Möglichkeiten zur Bewältigung der Informationsüberlastung dargestellt. ATOS nutzt ein unternehmensinternes soziales Netzwerk. Ein sehr angenehmer und einleuchtender Beitrag zum Thema Enterprise 2.0.

Doch dann überraschten mich die Kommentare zum Artikel. Grundhaltung sämtlicher Anmerkungen war eine rigide Ablehnung der ATOS-Strategie. Wieso? Angst, Unwissenheit oder schlechte Erfahrung? Vielfach wird in den Kommentaren die Kommunikation in Netzwerken mit der per E-Mail gleichgesetzt. Außerdem wird angenommen, dass der zeitliche Aufwand höher oder zumindest gleich ist mit der angesprochenen E-Mail. Letztendlich wird klar, dass ein umfassendes gesellschaftliches Verständnis für die eigentliche Bedeutung solcher Initiativen, wie die „no more Email“-Strategie von ATOS, fehlen.

Fehlinterpretation

Grundsätzlich ist es vielleicht nicht gut, Facebook im Vergleich zu E-Mail aufzuführen. Ein Großteil der Kommentatoren sieht darin eher eine Zeitverschwendung und die Anderen machen sich Sorgen um Datensicherheit und ihre eigene Übertransparenz.

Unternehmensinterne Netzwerke sind jedoch weit mehr als die bloße Anwendung von Facebook im internen Kontext. Sie ermöglichen eine weiterführende Zusammenarbeit, gezieltes Wissensmanagement und Verbesserungen in Kommunikation und Innovation.

Geschlossene Netzwerke und Mitarbeiterdaten

Enterprise Social Networks sind nüchtern betrachtet private und vor allem geschlossene Systeme nur für die Netzwerkmitglieder. Sie haben keinen Zugang zu den öffentlichen Social Networks. Daten über Mitarbeiter sind nur für die Unternehmensmitarbeiter selbst sichtbar. So können versteckte Expertisen gefunden werden und bei bestimmten Fragen die richtigen Personen angesprochen werden. Jedoch hat Niemand von außerhalb Zugriff auf diese Daten.

Übergeordnete Ziele

Was in der Diskussion der Kommentare untergeht und was der Welt-Artikel nur anreißt, ist der Umfang eines solchen Projekts und die Auswirkungen. Die Verbesserung von Kommunikation, Zusammenarbeit, Innovation und Wissensmanagement passieren nicht über Nacht und nicht in einem Zug. Dafür sind genaue Planung, gezielte Analysen und immer wieder Testverfahren nötig. Pilotprojekte und Anwendungsszenarien bilden oftmals die Grundlagen. Geeignete Gruppen und Anwender versuchen sich in einzelnen Projekten an den Umsetzungen der Social Software und Netzwerktools. Diese Projekte werden dann evaluiert und bilden die Basis für ein übergeordnetes Konzept. Und das ist der Beginn des Wandels. Der erste Schritt auf einer fortwährenden Reise zum Enterprise 2.0. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Akzeptanz des Enterprise 2.0 Ansatzes unter den Mitarbeitern im Unternehmen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Enterprise 2.0 Projekten gemacht?

>> PR-Blogger: Social Media im Unternehmen: 5 strategische Punkte in der Pionierphase

Bildquelle: BIGSTOCK, social-network-structure und Crowds