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Keine Facebook-Privatsphäre für Markenbotschafter?

Würden Sie als Markenbotschafter Ihre Familie, Ihr Mittagessen und Ihre Freizeitaktivitäten auf Facebook mit der Öffentlichkeit teilen? Wir haben Kerstin Hoffmann (Dr. Kerstin Hoffmann Unternehmenskommunikation), Uwe Knaus (Daimler AG), Charles Schmidt (Krones AG), Jochen Mai (YelloStrom), Svenja Hofert (Karriere-Expertin) und Michael Reuter (AppAdvisors) gefragt: Wie halten Sie es mit der Privatsphäre auf Facebook?

Kerstin Hoffmann, Kommunikationsberaterin, 1.045 Facebook-Freunde

„Was an Informationen über mich auf Facebook steht, finden Sie auch auf meiner Website. Ich halte den Schutz persönlicher Daten für sehr wichtig, aber ich gebe mich keinen Illusionen hin, was die Realität angeht. Ich zeige im Netz sehr viel Persönliches, aber nahezu nichts Privates.“

„Meine öffentlichen Updates kann man abonnieren, und die spiegeln weitgehend meine professionelle Identität, wie sie sich durch alle meine Profile im Netz zieht. Der lockere Austausch mit meinen direkten Kontakten ist zwar nicht geheim, aber der gehört einfach nicht auf eine öffentliche Pinnwand. Wer nur Fachliches will und zielgerichtet Informationen aus der PR sucht, der ist auf meiner Facebook-Seite besser aufgehoben.“

“Als Beraterin komme ich zu Bekanntheit und Kunden, weil ich im Netz gut sichtbar bin und mich auch zeige. Facebook sorgt ganz wesentlich mit für diese Sichtbarkeit. Es ist klar: Wenn es kein Geld kostet, wird der Gewinn anderweitig generiert. Das ist eben der Preis. Da alle Informationen auch auf meiner Website stehen, ist das für mich kein wirkliches Problem.”

Uwe Knaus, Manager Corporate Blogging & Social Media Strategy, Daimler AG, 355 Facebook-Freunde

„Eine Trennung zwischen beruflich und privat im Social Web ist nur schwer möglich – ich versuche mein Facebook-Profil mehr privat zu nutzen. Insofern können meine Updates auch nicht von jedermann abonniert werden, sondern sind den „Facebook-Freunden“ vorbehalten.“

„Bei der Sichtbarkeit meiner Posts mache ich nur eine Ausnahme: Menschen, denen ich beim Essen etwas nicht erzählen würde,
erzähle ich es auch nicht auf Facebook. Die kommen in eine Liste, mit den entsprechenden Einstellungen. So muss ich nicht bei jedem Update überlegen, wem ich das jetzt preisgeben möchte.“

„Je höher die Anzahl der Freunde, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Info das Netzwerk verlässt. Insofern gibt nicht viel Privates über mich zu lesen; beispielsweise auch nichts zum Wohnort, keine Geo-Daten und keine Infos zur Familie. Es gibt schließlich nicht nur Gutmenschen auf der Welt.“

Jochen Mai, Social Media Manager, Yello Strom, 379 Facebook-Freunde 

„Die Fanseite ist öffentlich und offen für jedermann, die private Seite gehört allein Menschen, die ich persönlich kenne und mag. Anfragen von Fremden nehme ich dort nicht an. Das ist meine Privatsphäre auf Facebook.“

„Ich wähle Kanäle schon bewusst und gezielt aus. Was privat ist, bleibt auch privat. Und selbst da betreibe ich keinen Seelenstriptease, sondern zeige nur einen vertretbaren Teil meines Lebens, der über Umwege auch in die Öffentlichkeit gelangen könnte, ohne dass es mich in eine Krise stürzt.“

„Ich geben nur so viele Daten preis, wie ich will und von denen ich glaube, dass sie einem Zweck dienen und von denen ich mir sicher bin, mich auch in 10 Jahren nicht dafür zu schämen.“

Charles D. Schmidt, Corporate Social Media Officer, Krones AG, 497 Facebook-Freunde

„Im Prinzip gehe ich mit Facebook sehr offen um, denn wirklich persönliche Sachen schreibe ich dort nicht. Nur ab und an kleinere Geschichten – das hilft Beziehungen aufzubauen.“

„Ich bin kein Fan von Listen, denn ich möchte in Facebook nicht so viel Arbeit investieren. Deshalb veröffentliche ich nur Informationen, bei denen es mich nicht schmerzt, wenn andere mitlesen.“

„Jeder hat seine Privatsphäre, aber schlussendlich geht es ja auch darum, gesehen zu werden. Mein Facebook-Profil ist auch eine persönlichere Anlaufstelle, wenn Menschen nicht auf der offiziellen Unternehmensseite posten wollen.“

„Schlussendlich weiß keiner, was mit den Daten wirklich passiert – eine private Krise und private Fotos gehen Facebook einfach nichts an.“

Svenja Hofert, www.karriereblog.svenja-hofert.de, 819 gefällt das

„Ich muss zugeben, ich nutze Facebook privat nur sehr eingeschränkt. Ich habe auch eine Fanseite für offizielle Kommunikation und ein privates Profil. Aber Beruf und privat vermischt sich auch bei meinen Geschäftskontakten manchmal.“

„Früher hatte ich meine Handynummer online – die habe ich gelöscht. Durch die ausgewählten Daten, die ich veröffentliche, werde ich nur sehr selten von ungewollten Kontaktanfragen genervt.“

„Meine echten Freunde kriegen online nicht wirklich etwas von mir ab. Für mich ist das ein anderes Leben, von dem viele Freunde nichts verstehen. Manche haben auch schon meine privaten Kanäle verlassen.“

Michael Reuter, AppAdvisors, 763 Facebook-Freunde

„Ich bin kein Typ, der stark unterschiedliche Rollen im Leben einnimmt (z.B. Familienvater, Unternehmer, Freund), sondern ich sehe mich (und andere Menschen) als nicht teilbar – und daher auch immer in einer Hauptrolle bzw. als EIN Charakter auftretend.  Daher differenziere ich auch Online-Profile nicht stark.“

„Facebook nutze ich tendentiell „privater“, Twitter dagegen eher beruflich. Aber: der Unterscheid ist minimal.“

„Zu beruflichen Aspekten bin ich zu 100% offen: ich kommuniziere gern und merke, dass auf aktive Kommunikation auch entsprechendes Feedback erfolgt. Im Privatbereich lasse ich Familiäres völlig weg – das teile ich nicht über Social Media, sondern ausschliesslich im familiären und Freundesumfeld.“

Verraten Sie uns: Trennen Sie zwischen privaten und beruflichen Status-Updates?

Zum Thema Datenschutz zeigt Das Erste am Montag, 13.02. 2012 um 22.45 Uhr die Dokumentation „Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft“.