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Warum Twitter-Star Charlie Sheen kein TV mehr braucht

Charlie gegen den Rest der Welt – so könnte das neue Format heißen, in dem sich der US-Star selbst demontiert: Alkohol, Drogen, Affären, Sorgerechtsstreitereien, zuletzt der Rauswurf bei der Erfolgsserie „Two and a Half Men“.

Trotz aller Skandalschlagzeilen läuft es für US-Schauspieler Charlie Sheen derzeit online bestens. Vor gerade einmal sieben Tagen eröffnete er einen Account bei Twitter – und hatte innerhalb von 25 Stunden eine Million Follower. Damit stellte er zugleich einen neuen Weltrekord auf. Aktuell sind es rund 2.300.000 Menschen, die Sheen auf Twitter folgen.

Jüngst erklärte das Filmstudio Warner Bros., dass sie den Vertrag mit Sheen für „Two and a Half Men“ endgültig gekündigt haben. Damit ist das öffentliche Interesse für den Star auf den Höhepunkt angekommen. Sheen scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Dennoch nutzt er das Interesse um seine Person und seine Eskapaden geschickt, um sich selbst zu vermarkten.

Sechs Tage nach seiner Anmeldung beim Microblogging-Dienst postete er seinen ersten Tweet mit Werbung. In Kooperation mit der Webseite interships.com sucht Sheen einen Praktikanten, der ihn im Sommer bei Social-Media-Aktivitäten unterstützt. Der jüngstgepostete Tweet führt über einen integrierten Link auf die entsprechende Landingpage von interships.com, auf der sich Interessierte direkt bewerben können. Eingefädelt hat den so genannten promoted Tweet die Agentur Ad.ly aus Los Angeles, die werbeträchtige Tweets an Prominente vermittelt. Nach Angaben von Ad.ly haben bereits rund 127.000 Nutzer Sheens gesponserte Mitteilung angeklickt.

Der bezahlte Eintrag ist mit den Hashtags „#winning“, „#teamsheen“ und #tigerblood verbunden. Vor allem letzteren Begriff verwendete der Skandalschauspieler häufig in vorangegangenen Tweets. Hashtags tragen dazu bei, bei Suchanfragen schneller  gefunden zu werden.

Sheen ist nicht der erste Prominente, der mit maximal 14o Zeichen Geld verdient: Auch die Rapper Snoop Dogg und 50 Cent, Fußballspieler Christiano Ronaldo sowie US-Sternchen Kim Kardashian kassieren für ihre Kurznachrichten mit Werbebotschaft ab. Was sie und Sheen dafür erhalten, ist nicht bekannt.

Damit zeigt der Schauspieler, wie Personal Brands den Medienrummel um ihre Person nutzen können. Mit relativ wenig Aufwand inszeniert sich der 45-Jährige als Twitter-Promi und liefert die Schlagzeilen und den Gossip jeden Tag gleich mit. Solange es ihm gelingt, die Aufmerksamkeit weiterhin auf sich zu lenken, verdient er daran.

Inzwischen hat er sogar eine eigene Sheen-Reality Show auf Ustream aufgesetzt, in der er ständig neuen Stoff anbietet: Gossip pur, Charlie Sheen total. 100.000 Zuschauer hat er darüber mit seiner ersten Folge online erreicht.

Nach seinem Rausschmiss aus seiner Serie gibt es schon wieder erste Spekulationen über neue Engagements, die ihm angeboten sein sollen. Ob es sinnvoll ist, ein Social Media Praktikum bei Sheen zu absolvieren und quasi als Ghostwriter ein Millionenpublikum zu erheitern? Vermutlich schreibt er auch jetzt schon nicht selbst, sondern diktiert seine Tweets per Telefon. Wer weiß, jedenfalls hat es auch bei Britney Spears geklappt. Sie erreicht zurzeit rund 7 Millionen Leser auf Twitter, ohne selbst zu twittern. Wenn es Sheen gelingt, seine Leser- und Zuschauerschaft langfristig an sich zu binden, könnte er laut US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“ allein via Twitter im Jahr 1 Million Dollar verdienen und gleichzeitig seine Unabhängigkeit von klassischen TV-Formaten vollziehen. Denn wer braucht noch ein Programm, wenn es die tägliche Dosis via Twitter und Video-Stream gibt. Was meinen Sie, sehen wir hierbei die (schreckliche) Zukunft des Fernsehens?

>> Stern: Der coole Wüstling
>> Meedia: “Sheen’s Korner”: Charlie spielt sich selbst
>> 20min.ch: Eine Million für die Charlie-Sheen-Show