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ARD/ZDF-Onlinestudie: Kommunikation das A und O

Blog_Onlinestudie_Kommunikation Letzte Woche veröffentlichten ARD und ZDF ihre neue Onlinestudie. Ein Ergebnis, das viele gleich aufgriffen: "Die Jugend" sei des "Web 2.0" überdrüssig. Und überhaupt, die Experimentierphase sei vorbei, die Euphorie für das "Mitmachweb" sinke immer weiter. Katrin Busemann und Christoph Gscheidle bemerken dazu in den aktuellen "Media Perspektiven", dass der Mitmachgedanke also keine Breitenwirkung mehr entfache. Er bleibe "beschränkt auf eine Gruppe von Onlinern, die beisteuern, was von der Masse abgerufen wird". Was ja nichts Schlechtes heißen muss.

Geht man an diesen Punkt anders heran, könnte auch behauptet werden: Der Markt hat sich selbst reguliert. Probierten am Anfang viele damit herum, stellten Content zur Verfügung, sind wir jetzt bei einem Angebot angekommen, das auch nachgefragt wird, das Qualität liefert. Auch im Netz scheint also Qualität vor Quantität zu gehen. Und, sind wir mal ehrlich: Wenn jemand im Netz etwas schreibt, ohne gelesen zu werden, verliert er/sie (meist) das Interesse daran. Aufmerksamkeit ist inzwischen zur Währung des Social Web geworden. Die tägliche Jagd nach Likes, Links oder Tweets ist kaum zu übersehen. Gibt es keine Aufmerksamkeit, sinkt auch das Interesse. Überspitzt könnte das mit dem Schreien eines Kleinkinds verglichen werden, wird es nicht beachtet, wird es auch wieder aufhören zu schreien (außer natürlich, es ist wirklich etwas Akutes).

Interessant ist zu sehen, dass die regelmäßige und gelegentliche Nutzung bei privaten Communities sich mehr als verdoppelt hat, das Interesse an beruflichen Netzwerken allerdings zurückgeht. Das muss aber kein Zeichen dafür sein, dass berufliche Aspekte im Netz vernachlässigt werden, sondern viel mehr dafür, dass im Social Web Privates und Berufliches immer mehr verschmilzt und eigentlich "private" Netzwerke – so wie zum Beispiel Facebook einmal startete – inzwischen auch beruflich genutzt werden. Eine klare Trennungslinie lässt sich nicht so einfach ziehen.

Blog_Onlinestudie_Communication Wenn es um die genutzten Online-Anwendungen geht, liegt "E-Mails senden und empfangen" (zusammen mit Suchmaschinen) ganz klar vorne. Über 80 Prozent nutzen das Web dafür, bereits ein Drittel besucht Online-Communities. Überhaupt steht das Netz ganz klar für Kommunikation: Fast die Hälfte der Zeit, die der Surfer im Internet verbringt, wird kommuniziert. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Sozialen Netzwerken
wurde in der aktuellen Studie das erste Mal versucht, die Kommunikation
außer- und innerhalb von Communities noch einmal extra aufzusplitten. 37
Prozent aller Kommunikationszeit fällt auf das E-Mailen, 34 Prozent nimmt inzwischen das Kommunizieren innerhalb von
Communities ein. Hier lässt sich erkennen, wie sehr Soziale Netzwerke inzwischen auf dem Vormarsch sind. Chatforen verlieren (vor allem bei der Jugend) immer mehr an Bedeutung, wahrscheinlich auch, weil Netzwerke wie Facebook und Co. interne Chats ermöglichen. Wozu da noch eine externe Seite aufrufen?

Gerade die gelegentliche Nutzung von Twitter ist im letzten Jahr von null auf drei Prozent gewachsen, hochgerechnet hieße das also, 2,5 Millionen Deutsche nutzen den Microblogging-Dienst zumindest selten. Kein schlechter Wert, über den sich so manch eine Zeitung oder Zeitschrift sicher freuen würde. Mindestens wöchentlich besucht ein Prozent der Befragten Twitter .

Als Schlussfolgerung der aktuellen Studie sollte sich weniger darauf gestürzt werden, dass das Interesse an der aktiven Teilnahme im "Web 2.0" zurückgegangen ist. Sondern: Wer in Zukunft erfolgreich kommunizieren will, kommt am Internet – genauer gesagt am "Social Web" – nicht mehr vorbei. Fast 40 Prozent der Onliner haben inzwischen ein eigenes Profil in mindestens einem Netzwerk – eine Steigerung von 34 Prozent zum letzten Jahr. Die überwiegende Mehrheit (fast 90 Prozent) davon besucht die Community mindestens einmal pro Woche, die Hälfte sogar täglich. Wer seine Zielgruppe sucht, wird sie höchstwahrscheinlich in einem der sozialen Netzwerke finden.

Auch wenn jetzt manche sicher sagen, dass somit ja 60 Prozent kein eigenes Profil haben und somit in der Mehrheit sind – die Frage ist doch, wie lange noch?

Jochen Hencke (@schneeengel)

Bildquellen: Shutterstock