Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Nur wenige Networker sind aktive Kommunikatoren

1 Minuten Lesedauer

Der Begriff "Networker" täuscht ganz gewaltig. Nur weil Sie Mitglied in einem sozialen Netzwerk sind, müssen Sie noch kein aktiver Networker mit vielen Kontakten sein. Wie intensiv werden Social Networks überhaupt genutzt? Ist das nicht alles ein einziger Hype? Auf diese Fragen sollte eine kürzlich erschienene Studie von Fitkau & Maass erste Antworten liefern. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört: 

"…Die Bedeutung von sozialen Netzwerken im deutschsprachigen Internet (ist) in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – und dass nun offensichtlich ein Sättigungspunkt erreicht ist. Im Vergleich zum Herbst 2009 konnten sich die Nutzeranteile nicht steigern. Insgesamt besuchen heute 62% der Nutzer Social Networks; der Anteil der regelmäßigen Besucher (Nutzung mindestens einmal pro Woche) stagniert bei 35%."

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Weiterhin heißt es in der W3B-Analyse, unter den regelmäßigen Network-Besuchern gehe über zwei Drittel nicht davon aus, die eigene Social-Network-Nutzung in der Zukunft zu intensivieren. Zudem sei ein regelmäßiger Nutzer von sozialen Netzwerken nicht automatisch auch ein Prosument, der eigene Inhalte veröffentlicht oder andere kommentiert und weiterempfiehlt. 40 Prozent der regelmäßigen Besucher von Social Networks seien aktiv involviert, während sich 55 Prozent passiv und beobachtend verhielten.

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Im Fazit heißt es: "Hochgerechnet auf die Gesamtnutzerschaft bedeuten diese Daten: Nur 14% aller Internet-Nutzer sind aktiv kommunizierende, gestaltende Social Networker." Die Social Networks, die am stärksten von aktiven Networkern besucht werden, sind (überraschenderweise) MySpace, gefolgt von StudiVZ, MeinVZ sowie Facebook. 

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Auf dem ersten Blick erstaunen diese Erkenntnisse, weil viele annehmen, dass in einer funktionierenden Social Media Welt alle tatsächlich mitmachen. Doch die Wirklichkeit sieht eben anders aus. Dazu genügt schon ein Blick auf die Blogosphäre. In der Regel hinterlassen nur sehr wenige Besucher und Leser eines Blogs einen Kommentar. Noch weniger Onliner betreiben selbst ein Blog. Generell gilt, dass 90 Prozent der Onliner ein Community-Angebot besuchen, ohne inhaltlich irgendetwas hinzuzufügen. 

Der Usabiltiy-Papst Jakob Nielsen ging schon 2006 in einer Studie davon aus, dass nur 9 Prozent in Blogs abundzu einen Kommentar hinterlassen, während die meisten Community-Aktivitäten von gerade einmal einem Prozent der Besucher stammen. Warum sollte sich das in Social Networks anders verhalten? 14 Prozent Aktive entsprechen den bisherigen Erfahrungswerten. Letztlich bestätigt die Fittkau & Maass-Analyse somit die alten Nielsen-Erkenntnisse erneut. 

Es sind immer nur wenige Meinungsmacher (Influencer), die aktiv in Social Networks unterwegs sind und mit ihren Veröffentlichungen die digitale Öffentlichkeit prägen. Bei den anderen Nutzern stellt sich zudem die Frage, ob sich durch das Nutzen von Social Networking-Tools das Informations- und Kommunikationsverhalten verändert. Nutzen Sie noch E-Mail oder setzen Sie bereits auf Social Network Mail (SNM)? Viele Digital Natives gehen völlig anderes mit Social Networks um und teilen darüber viele ihrer Informationen. Das könnte erklären, warum Myspace-Mitglieder besonders aktiv miteinander interagieren.

Wie hat sich Ihr Kommunikationsverhalten durch Social Networks verändert? Drängen Xing, Twitter, Blogs und Facebook Ihre E-Mail-Nutzung zurück? Oder ist alles beim alten geblieben, sodass ich mich fragen muss, woher nehmen Sie dafür die Zeit…

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

4 Replies to “Nur wenige Networker sind aktive Kommunikatoren”

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Für mich folgen daraus zwei Dinge:
    Zum Einen, dass sich einfach mit (nicht trotz!) den Partizipationsmöglichkeiten des Web2.0 die klassischen Rollen der Gruppendynamik ins Netz übertragen (pro-aktive Leitfiguren vs. eher passive Konsumenten).
    Und zum Anderen, dass sich die Tools schneller ändern als das Verhalten der User. Die digitale Persönlichkeit wird mit jedem Tool neu definiert. Es erfordert eine krasse Lernbereitschaft beim User.
    Letztendlich denke ich, wird jeder – auf lange Sicht – lernen, welcher Mix der Netzwerk-Tools für ihn der richtige ist.

  2. Danke für den lesenswerten Artikel.
    Ich gehe fest davon aus, dass das E-Mailaufkommen durch die Nutzung von Social Media deutlich zurück geht bzw. bereits zurückgegangen ist. Hierbei sollte man jedoch zwischen geschäftlichen und privaten Nachrichten unterschreiden. Geschäftliche E-Mail-Kommunikation wird sich nur schwer durch Social Media ablösen lassen. (Interne Unternehmensblogs stellen hier vielleicht die Ausnahme)
    Aus Muellero möchte ich zustimmen: Hinsichtlich der Partizipation spiegelt die Online-Gesellschaft sicherlich die Offline-Gesellschaft.

    http://twitter.com/stelten

  3. Na herzlichen Dank an Fitkau/Maass. Auch wenn es wirklich nicht neu ist.
    Ich sehe schon meinen Marketing-Bereichsleiter angerannt kommen und mit der Studie wedeln. „Sehn se? Wozu solln wir denn dieses Social Media Zeuch machen, wenn eh nur 14% aktiv sind?“
    Naja, irgendwie muss man seinen Tag ja auch rumkriegen… *seufz*
    Ich hör schon die Schritte auf dem Flur.

  4. Mein Kommunikationsverhalten hat sich durch Web 2.0 am nachhaltigsten dadurch verändert, dass ich mit dem Bloggen angefangen habe. Früher habe ich mir halt so meine Gedanken gemacht, mir auch hin und wieder einmal etwas schriftlich ausgearbeitet. Aber immer eher für den privaten Gebrauch.
    Jetzt ist es so, dass ich das, was ich mir denke, sehr schnell und ungefiltert ins Weblog notiere. Dadurch sind erstens meine Gedanken schriftlich fixiert und zweitens der Öffentlichkeit anvertraut. Das ist schon eine starke Änderung in meinem Kommunikationsverhalten.
    Was solche Netzwerke wie XING betrifft, so hat sich hier für mich nichts Wesentliches verändert. XING ist für mich ein Werkzeug, das mir das Netzwerken erleichtert. Aber hier hat sich für mich nichts Fundamentales geändert.

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