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Facebook vs. Google – ein ungleicher Kampf

Die zwei wohl größten Rivalen im Web haben in den vergangenen Tagen und Wochen wieder vermehrt von sich hören lassen: Google hat mit der Einführung von "Buzz" einen weiteren Schritt in das Territorium von Facebook gemacht. Facebook hingegen hat mit dem eigenen Redesign abermals versucht den Fokus der User stärker auf die hauseigene Suche zu lenken. Aber dies sind nur kleine Teilaspekte der großen Dynamiken, die sich beim genaueren Hinsehen ergeben. Was folgt, ist ein Blick auf den Kampf zwischen ungleichen Gegnern.

Mensch gegen Maschine.
Vor Kurzem hätte man die Rivalität zwischen dem ursprünglichen Studentennetzwerk und dem Suchprimus ganz einfach herunterbrechen können: Es handelt sich um eine Feindschaft, die auch Stoff für viele Science-Fiction-Romane hätte sein können. Facebook, der Hort der sozialen Interaktion, der Identität und der persönlichen Daten versucht den seit nunmehr 12 Jahren unangetasteten Suchriesen Google ins Wanken zu bringen. Dieser hat mit Hilfe seiner Algorithmen Milliarden von Websites maschinell ausgelesen und gerankt, um sie für den User per Suche auffindbar zu machen.
Doch seitdem Google im Spiel um die soziale Interaktion ein Wörtchen mitreden will, verschieben sich die Grenzen zwischen den Welten: Die recht hastige Einführung von Google Buzz ist ein weiterer Versuch Relevanz in der sozialen Sphäre zu erlangen. Der Erfolg von Twitter und Facebook zeigt, dass dort zumindest ein Teil der Zukunft der Monetarisierung des Social Webs liegt – auch die die eher sozial ausgerichtete Suche innerhalb Facebooks wird immer stärker frequentiert. Google lässt sich nicht lumpen und stellt ein Tool vor, welches durch die Zentralisierung der Aktionen im Social Web, die gute Nachverfolgbarkeit der Konversationen und der weiten Verbreitung von Google Mail bessere Chancen hat, zumindest von einer breiteren und heterogeneren Masse adaptiert zu werden, als sie Entwicklungen wie Orkut oder Friend Connect gehabt haben. Denn erst mit der Masse kommt der Mehrwert für die Zukunft. Und darum geht es den beiden Big Playern in erster Linie: Wie kann der Social Graph, Interaktion und Identität dazu genutzt werden, schwarze Zahlen zu schreiben? 

Facebook-connect-lg Hoffnungsträger Facebook Connect.
Das Konzept hinter Facebook Connect könnte hierauf schon erste Antworten geben. Seit Mitte 2008 wurde dieser Service auf rund 80.000 Webseiten integriert – er erlaubt den einfachen Login auf Webseiten oder in Kommentarformularen, ohne einen neuen Nutzernamen oder ein neues Passwort anlegen zu müssen – die Authentifizierung geschieht über den eigenen Facebook-Account. Simplizität, die wirkt: 60 Millionen User nutzen den Service monatlich, 50 Prozent der 100 weltweit am meisten besuchten Websites haben Facebook Connect bereits implementiert – Tendenz steigend. Facebook wird somit zu einem Identity Hub, ohne den es nicht mehr geht. Ein guter Weg, die Relevanz für lange Zeit zu wahren. 

Facebook wird den Online-Werbemarkt aufwirbeln. Was für den User eine Erleichterung darstellt, wird für Facebook eines der wichtigsten Standbeine für die eigene Zukunft:
Der Werbesektor, der derzeit von Googles Adsense und Adwords dominiert wird, ist meiner Meinung nach das nächste Angriffsziel des Zuckerbergschen Netzwerkes. Man wird es dem Suchmonopolisten aber nicht nachmachen, sondern vertraut auf das Paradigma des Social Targeting. Sebastian Küpers hat im Blog "Future of Web Strategy" schon im November 2009 einen sehr guten Artikel über die Möglichkeiten dieser neuen Form der Auslieferung von werblichen Inhalten geschrieben. So werden die Inhalte von Werbungen nicht mehr aufgrund der Inhalte der Webseite bestimmt – die Keywörter verlieren an Relevanz, gegen das was da kommt: Facebook hat über die mit Connect verbundenen Seiten exakte Sozialprofile der Besucher zur Verfügung, die es an Werbetreibende weitergeben kann. So kann das Alter, Interessen, Hobbies oder sogar Gruppenmitgliedschaften von Besuchern in das Targeting einfließen und somit ganz neue Formen kontextorientierter Werbung ermöglichen. Innerhalb des Netzwerkes funktioniert das Schalten von Bannern schon lange mit dieser Zielgenauigkeit – und es ist nur logisch, diese Funktionalität für die mit Connect vernetzten Webseiten auch anzubieten. Die Frage ist nur wann Facebook die Tücken auf dem Weg dahin ausgemerzt hat – es müssen Verträge mit den Seiteneignern oder anderen Werbetreibenden geschlossen werden, der Datenschutz bedarf nach den fast schon regelmäßigen Eklats ein besonders genaues Augenmerk, die Plattform muss nach aussen hin geöffnet werden. 

Die großen Portale wie Yahoo, MSN oder AOL dürften sehr stark an einer solchen Zusammenarbeit interessiert sein – es wird ihnen dann möglich höhere Dividenden durch besseres Targeting und die damit gesteigerten Clickraten einzufahren. Facebook ist ja sowieso schon für den Großteil ihres Traffics zuständig, womit es Google nebenbei erwähnt von der Spitze der "Refferer" verdrängt hat. Da sind die Synergien, die sich durch eine Zusammenarbeit im Werbesektor ergeben, leicht ersichtlich. Der Traum eines jeden Werbetreibenden scheint in greifbare Nähe zu rücken.

Goldene Zeiten für Facebook, Mobile und Social News.
Doch nicht nur große Portale werden am stärksten von Nutzern der Social Networks frequentiert – auch Nachrichten werden mittlerweile öfter in Social Networks geklickt, als bei der Google News Suche. Hier zeigt sich der Wandel der Informationsbeschaffung: User informieren sich nicht mehr wahllos auf Portalen, sondern werden durch Social Filtering, also die Selektion die im eigenen sozialen Umfeld passiert, auf News aufmerksam. 

Auch im mobilen Sektor kommt Bewegung auf – die beim Mobile World Congress in Barcelona vorgestellte mobile Version von Facebook namens "Zero" senkt abermals die Schwelle zur Interaktion mit dem Social Network. 

 
 

Dies zeigt sich auch in der Verweildauer in Social Networks, die laut Nielsen immer noch steigt: Facebook konnte im Januar nochmals fast 10 Prozent zulegen und bindet seine User jetzt im Monat schon durchschnittliche 7 Stunden an sich. Davon mal abgesehen, dass es keine andere Website gibt, die diese Werte auch nur periphär erreichen könnte, bekommt der Erzrivale Google auch hier Schelte: So kann man zwar noch knapp 45 Millionen mehr Besucher auf den eigenen Webseiten verbuchen, die Verweildauer fiel aber auf knappe zwei Stunden – ein Minus von 14,3 Prozent. 

Fazit.
Die eher starre Maschine Google, deren Vorteile und Geldquellen immernoch die eher "unsozialen" Dienste darstellen, verliert gegen die im Aufstieg befindlichen Interpreten der sozialen Sphäre zusehends an Boden. Dies passiert schmerzhafterweise im eigenen Kerngebiet Suche und Werbung. Ich bin mir nicht sicher, ob Google Buzz diesen Trend noch umkehren kann – und nicht wie Friendfeed oder in bestimmten Maße auch Twitter nur als weitere infrastrukturelle Basis ohne große eigene Relevanz verkümmern wird. Facebook geht es derweil blendend – die Zuwächse sind phänomenal, der immer stärker werdende Aspekt des in einem Artikel von Jo Wedenigg erwähnten "hub-centric approach" zeigt das eindeutige Ziel für die Zukunft: Die erste Anlaufstelle für jeglichen Content zu werden, seien es persönliche Informationen, Nachrichten oder Entertainment. 

>> PR-Blogger: Morgenwelt 62: Google Buzz und das Social Web
>> Siliconvalley.com: Google's new Buzz targets Facebook 
>> Business Insider: How Google Went Into "Code Red" And Saved Google Buzz 
>> Future of Web Strategy: Social Targeting und Advertising
>> Meedia: Facebook überholt Google News als Traffic-Bringer 
>> All Facebook: Facebook Posts Phenomenal Growth In Search 
>> All Facebook: Facebook Now Responsible For Majority Of Web Portal Traffic 
>> Techcrunch: Facebook's Mobile Strategy Condensed into 16 Minutes
>> Facebook: Statistiken 
>> Alphaeus: The hub-centric approach
>> Logolook: Facebook mit neuem Design


>> Bildnachweis: "Anonymity; and the Internet." Flickr / Stian Eikeland

Christoph Bauer