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Morgenwelt 57: Wir brauchen keine Zwangsverschickung des Geistes mehr

Es reicht. Keine E-Mail mehr, kein RSS mehr in meinen Feedreader und schon gar nicht mehr Twitter oder Facebook. Manchmal wäre ich froh, so etwas sagen zu können, doch dann ist meine Neugierde doch wieder größer. Ich will einfach wissen, wie sich die neuesten Trends in Social Media entwickeln und kann auch nicht auf die Interaktionen in Twitter, Facebook, Xing und Blogs verzichten. Dazu ist es zu spät. Die Aufmerksamkeitsökomie hält mich gefangen. Dadurch sind wir Newsjunkies gezwungen mitzuerleben, wie die Informationsrevolution ihre Kinder frisst. Ein Feedback der dritten Art sozusagen. – Und dennoch einige Infoschnipsel für Sie – den Feed-Lesern dieser Morgenwelt.

Mensch vs. Maschine: Was tun, wenn der Kopf mit den vielen Informationen nicht mehr mitkommt. Wir werden alle "aufgefressen" vom Internet. Frank Schirrmacher macht sich in seinem neuen Buch „Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen.“ Gedanken darüber, wie uns das Online-Leben als Newsjunkies kulturell verändert. Einen ersten Eindruck von seinen lesenswerten Gedanken erhalten Sie im Vorabdruck von Spiegel Online

"Die Befreiung von Aufgaben, die Computer besser können als wir, ist in den meisten Schulen oder Universitäten noch nicht angekommen. Stattdessen hat ein darwinistischer Wettlauf zwischen Mensch und Maschine begonnen. Nur wenige haben erkannt, dass es wichtiger ist, Hypothesen, Faustregeln und Denkweisen zu lehren und zu lernen, als statistisch abfragbare Fakten. Höheres Lernen in Deutschland, gekennzeichnet durch Fehlentwicklungen wie den "Bologna-Prozess", gibt sich gern den Anschein des Bildungsbürgerlichen, ist aber in Wahrheit nichts anderes als die Zwangsverschickung des Geistes in die Vergangenheit. Wir gehen mit der Erfahrung, mit dem Wissen von heute um und muten uns und der nachwachsenden Generation zu, das Telefonbuch zu lesen, auswendig zu lernen und gleichzeitig zu benutzen – und das in Zeiten, wo es nicht einmal mehr Telefonbücher gibt."


E-Mail
: Je populärer Social Networks werden, desto mehr geraten die Anbieter von E-Mail-Programmen unter Druck. Vor allem die Digital Natives nutzen lieber Facebook und Co. Kein Wunder also, dass jetzt Microsoft eine Kooperation mit dem Social Network LinkedIn verkündet. Demnach will der Redmonder Konzern die E-Mail sozialer machen. Ab der Version 2010 wird Outlook einen sogenannten Social Connector enthalten, der es ermöglichen soll, aktuelle Aktivitäten der eigenen Kontakte zu verfolgen. Das erinnert ein wenig an Facebook und Friendfeed.

Esquire-aug-real-sm

Medientrends: Falls Sie bisher geglaubt haben sollten, dass die Online-Interaktivität schon alles ist, was zu erreichen war, dann sollten Sie einen Blick auf Esquire‘s Augmented Reality Ausgabe werfen. Das Magazin zeigt in seiner experimentiellen Dezember-Ausgabe, dass neue Innovationen durchaus auch den Blick auf „alte“ Medien verändern kann. Wer eine AR-Software von Esquire’s Website runterlädt und über eine Webcam verfügt, erhält davon einen guten Eindruck, wie Augmented Reality (Definition) unseren Alltag künftig verändern könnte. 

Ar-fashion

Social  Media ROI: Wie verdient man wirklich Geld mit Social Media? Geht das überhaupt direkt? In dieser Woche habe ich auf der FTD-Konferenz eine Diskussionsrunde mit Jochen Schmalholz, BMW Group, Felix Ahlers, Frosta, sowie Dr. Christian Hahn, Deutsche Telekom, moderieren dürfen. Direkte Gewinne erwartete niemand aus Social Media. Aber es wird als spannender Kanal gesehen, das Empfehlungsmarketing und die Kundenbindung zu verbessern. Letztlich wirkt sich das natürlich auch auf den ROI aus. Deshalb teile ich auch nicht unbedingt die Ansicht, dass es keinen Social Media ROI gibt, aber vielleicht sollte man realistische Erwartungen haben. Zunächst einmal sind Facebook, Twitter und Co. nur weitere KommunikationsiInstrumente. Nach dem ROI des Telefons fragt schließlich auch niemand mehr. Auf wunderbare Art und Weise nähert sich Socialnomics-Autor Erik Qualman dem Thema in seinem Video:

Personal Branding: In der Berliner Zeitung gibt es ein lesenswertes Porträt eines digitalen Ureinwohners namens Markus Beckedahl. Darin wird erläutert, welche Bedeutung der Netzpolitik.org-Blogger innerhalb der Blogosphäre und der Politik einnimmt. Markus ist nicht nur an der Spitze der Deutschen Blogcharts zu finden, sondern spielt hierzulande in Sachen Datenschutz und Netzpolitik bereits seit längerem eine bedeutende Rolle. 

Targeting: Facebook bietet Unternehmen bekanntlich einige gute Möglichkeiten des Targetings verschiedener Inhalte, die nun ergänzt wurden um eine weitere sinnvolle Option: Seit wenigen Tagen ist möglich, Statusupdates seiner Fanpage (Beispiel: Eck Kommunikation) nach lokalen Kriterien zu targeten. So kann z.B. die Information über ein Event in München selektiv nur an die Nutzer versendet werden, die in Bayern wohnen.

Statusupdatetargeting 

Persönlichkeit: Eine Studie der Uni Mainz untersucht den Zusammenhang zwischen Social Network Profilen und der Persönlichkeit. Die Ergebnisse werden vorerst allerdings nur in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht. Laut der Analyse vermitteln Online-Profile tatsächlich ein sehr genaues Bild der jeweiligen Profilinhaber.

Google Wave: Obwohl Google Wave sich noch in der Beta-Phase befindet, gibt es bereits erste Konferenz-Veranstalter, die das Tool ihren Besuchern zur Live-Berichterstattung zur Verfügung stellen. Warum es durchaus Vorteile gegenüber einer Twitterwall hat, kann im Referentenblog nachgelesen werden.

Markenführung: Andrew McAfee schreibt in seinem Harvard Business Review-Blog über Markenführung in Zeiten des Social Web und über den damit verbundenen Kontrollverlust.

>> Morgenwelt 56: Kai Dieckmann ist der wahre Bild-Blogger

Klaus Eck

  • Das Thema Google Wave hätte eigentlich bestens zu den Entwicklungen beim Punkt eMail gepasst: Denn genau das ist es, was Google Wave ist: Die social-medialisierte der Mail.

  • Zum Thema Mensch vs Maschine: Ich bin ja fast sicher, dass das Wort Aussteiger in Bälde nicht mehr die Downshifter und Stadtflüchtlinge meint, sondern diejenigen, die dem Web-Sog eine Absage erteilen und sich ganzundauschließlich dem real life zuwenden…
    Zum Thema Social Media und Geld verdienen: Lieber Herr Eck, für Ihren Blog würde ich auch zahlen. Vielen Dank für Ihre Hinweise und die tolle Aufbereitung der wichtigsten Social Web News. Beste Grüße!