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Sollen Unternehmen das Twittern offiziell verbieten?

Falls Sie während Ihrer Arbeitszeit nicht auf Twitter.com, Facebook, MySpace und so manchen weiteren Social Media Service zugreifen können, sind Sie zumindest in einem größeren Unternehmen nicht in der Minderheit. Viele Konzerne beschränken den Zugang zu Social Networking Sites. Das hat durchaus seinen Sinn und dient oftmals gar nicht einmal dem Zweck, die Mitarbeiter von unproduktiven Beschäftigungen fernzuhalten. Die IT sichert hierdurch oftmals das Unternehmen ab, um den Datenklau und Hackerattacken zu vermeiden.

1400 CIOs sind vor kurzem in einer telefonischen Umfrage von Robert Half Technology zu den Internet-Sperren in ihren Unternehmen befragt worden. Dabei kam heraus, dass 54 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern den Zugang auf Social Networks beschränken. Davon sind sogar Business-Netzwerke wie LinkedIn betroffen. Nur 20 Prozent der befragten Unternehmen erlauben dezidiert die Nutzung von Social Networks. Persönliche Twitterartikel werden in 16 Prozent der befragten Unternehmen erlaubt. Robert Halfs Analysten erklären sich die Ergebnisse ihrer Studie damit, dass die Firmen auf diese Weise ihre Mitarbeiter von Ablenkungen abhalten wollen. Ganz entscheidend bei den Sicherheitsvorkehrungen sei es, die Reputation einer Unternehmensmarke zu schützen.

Dabei wird jedoch völlig verkannt, dass sich Unternehmen viel besser über die Einsicht ihrer Mitarbeiter vor Reputationsschäden schützen können. Denn online gehen kann fast jeder spätestens nach der Arbeit. Besser geeignet für den Reputationsschutz sind Social Media Policies. Diese sind vergleichbar mit E-Mail-Policies oder einem Code of Conduct. Entscheidend hierbei ist, dass sie den Angestellten genauso wie dem Unternehmen eine gewisse Sicherheit im Umgang mit Social Media geben und zur Aufklärung beitragen. Schließlich kann dadurch jeder Mitarbeiter (idealerweise) im Intranet nachlesen, worauf er in Social Networks achten sollte. Es geht in der Regel nicht darum, die Arbeitnehmer von Social Media fernzuhalten. Das wäre völlig illusionär und vermutlich nicht einmal arbeitsrechtlich durchsetzbar. Aber es geht zumindest um eine klare Trennung von Arbeits- und Privatsphäre. 

Noch immer bedarf es sehr viel Aufklärung. Wann bin ich privat und wann beruflich im Internet unterwegs? Wie nehmen das Dritte wahr? Wie wirken sich meine vermeintlich privaten Aktivitäten auf mein Unternehmen aus? Es muss dem Einzelnen bewusst sein, dass er mit nur einem Tweet die Reputation seines Arbeitgebers beeinträchtigen kann. 140 Zeichen können völlig ausreichen, um dem Unternehmen eine Abmahnung oder eine andere rechtliche Ahndung einzuhandeln. Eine Social Media Policy schafft Klarheit und zeigt die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern in Social Media auf.

Obwohl die Sicherungsmaßnahmen aus IT-Sicht durchaus sinnvoll erscheinen, wundert es mich immer wieder, wenn ich in Workshops bei meinen Kunden feststelle, dass zwar Twitter.com gesperrt ist, aber manchmal der Zugang zu Twitzap oder Brizzly – Twittertools – durchaus möglich ist. Somit können in Social Media versierte Angestellte durchaus twittern. Ganz absehen von den Internet-Sperren auf PC-Ebene, haben nicht wenige Mitarbeiter ein G1, iPhone oder anderes Smartphone, mit dem sie ganz selbstverständlich ins Netz gehen und während der Arbeit facebooken oder twittern können.

Es stellt sich zudem die Frage, wie die Kommunikationsveranwortlichen bei diesen Beschränkungen noch zeitnah auf Social Media indizierte Krisen reagieren sollen. Wenn jemand bösartig über eine Marke twittert, sind die Issues Manager absolut auf die Ergebnisse ihrer Dienstleister (Social Media Monitoring Anbieter) angewiesen und müssen diesen quasi (digital) blind vertrauen; denn selbst sind sie aufgrund der technischen Sperren nicht in der Lage, auf Tweets zu reagieren. Aus diesem Grunde sollten Unternehmen zumindest einem auserwählten Kreis von Social Media Verantwortlichen den Zugang zu Social Media Services ermöglichen. Nur so können Sie wirklich einen gewissen Schutz der Online-Reputation gewährleisten und in Krisen zeitnah agieren.

>> Mashable: More Than Half of Employers Now Block Twitter, Facebook, MySpace
>> Social Media Policy Beispiele – Klaus Eck Posterous
>> The Strategyweb: Studie: Arbeitgeber wollen Arbeitnehmer nicht auf Facebook und Twitter sehen

Klaus Eck