Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 80 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten. Follow on LinkedIn

Blogkritik 1: Immonet und die Authentizität beim Corporate Blogging

2 Minuten Lesedauer

Wie authentisch ist ein Corporate Blog, dem das menschliche Antlitz und jeglicher persönlicher Anstrich fehlt? Ein neues Corporate Blog aus der Immobilienbranche scheint damit keine Probleme zu haben. Immonets hat am 30. Dezember 2008 ein Blog gestartet und verzichtet dabei auf viele Blogzutaten. Es macht in der Online-Kommunikation vieles falsch und ist anscheinend dennoch – zumindest auf den ersten Blick – erfolgreich. Obwohl das Immobiliensuche-Blog nichts beherzigt, was ein gutes Corporate Blog ausmacht, verlinken zahlreiche Blogger auf das frisch gestartete Webangebot, weil ihnen dafür ein attraktives Angebot gemacht wird.  

So heißt es im ersten Blogartikel

"Mit Hilfe dieses Blogs wollen wir von nun an versuchen, Ihnen Einblicke in unsere Arbeit an der Immobiliensuche zu geben und auch mal das eine oder andere Thema am Rande zu behandeln."

Dennoch verzichtet es auf vieles, was ein gutes Corporate Blog beherzigen sollte:
  1. Es werden bisher überhaupt keine Autoren vorgestellt. Jegliche Authentizität fehlt daher dem Corporate Blog.
  2. Die einzelnen Blogartikel werden nicht namentlich gekennzeichnet, sondern von einer "Redaktion" veröffentlicht.
  3. Selbst die Kommentare werden nur von der "Redaktion" abgegeben. 
  4. Der bisherige Content ist eher werblich gehalten und wirkt nicht besonders überzeugend. 
  5. Links auf Dritte werden unzureichend gesetzt oder enthalten keinen erkennbaren Mehrwert.
  6. Es fehlen Bezüge zum eigentlichen Thema des Immobilienportals. Bislang gibt das Blog noch keinen Einblick ins Unternehmen, sondern ist eher Selbstzweck.   
  7. Es fehlen bislang ernsthafte Dialogansätze. 
  8. Von Storytelling bisher keine Spur. 
  9. Ein Kommunikationskonzept ist ebenfalls nicht wirklich erkennbar. 
Stattdessen versuchen die Unternehmensblogger den einfachsten Weg zu gehen und bieten den ersten 100 Bloggern als "Gewinn" einen Apple iPod Shuffle an, wenn diese direkt auf das Blog verlinken. Damit ist das Immobilienportal kurzfristig sogar einigermaßen erfolgreich gewesen. Doch das dürfte sich eher als digitales Strohfeuer entpuppen, das nicht unbedingt in die Marke des Unternehmens einzahlt.
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Manchmal genügt eben schon ein guter Köder, um (zweifelhafte) Links zu erhalten. In gewisser Weise kauft sich das Immobilienportal dadurch den Traffic und die Aufmerksamkeit für sein Blog. Doch eine solche Aktion ersetzt keine nachhaltige Kommunikation und beschädigt vielleicht sogar auf mittlere Sicht die Online-Reputation Immonets. Als vertrauensbildende Maßnahme sehe ich das jedenfalls eher nicht. Zumal die Betreiber des Blogs zwar erfolgreich SEO-Links generiert hat, aber anscheinend noch nicht einmal in der Lage ist auf die Gewinner der iPod-Aktion zu verweisen. Jedenfalls scheint Immonet mit dem bisherigen Blogmarketing sehr zufrieden zu sein und kündigt bereits weitere Gewinnspiele an.

Update: Nun heißt es in einer Antwort des Immobiliensuche-Blogs: 

"Obwohl wir auf unserer “Über”-Seite deutlich geschrieben haben, welchen eng begrenzten Zweck dieses Blog hier hat, hat Klaus Eck es für das offizielle Immonet-Blog gehalten.
Dies ist natürlich nicht der Fall. Es handelt sich hierbei um einen Service der IP Internet Pioneer GmbH aus Berlin, die als technischer Dienstleister auf immonet.finden-sie-hier.de eine Immobiliensuche für immonet betreibt und mit diesem Blog ausschließlich über diesen eigenen Service berichtet.
Dies ist also, um es noch mal klar zu sagen, kein Unternehmensblog der Immonet GmbH."

Aufgrund des fehlenden Blog-Impressums und nicht erkennbarer Blogautoren werden sicherlich viele Leser ebenfalls nicht sofort erkennen können, wer der Urheber des Blogs ist. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Google Blogsuche:

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Am besten schauen Sie es sich selbst an, um sich ein Bild davon zu machen. Ob es sich um ein Corporate Blog handelt oder nicht, darüber lässt sich nach wie vor streiten. Jedenfalls gibt es viele Unternehmensblogs, die von Agenturen für ihre Auftraggeber betrieben werden. An der eigentlichen Blogkritik ändert dieses nichts, wie mir auch via Twitter von Daniel Görs, Leitung Corporate Communications Immonet.de durchaus bestätigt worden ist:

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Beim nächsten Blogversuch sollte die Agentur oder das Unternehmen doch etwas mehr Wert auf Transparenz legen. Dann führt das auch zu keinen gewollten oder ungewollten Verwechselungen. Leider erhielt ich in einer E-Mail auch nur wieder wieder von der "Redaktion" einen Hinweis, nicht aber von einer ansprechbaren Person.

Update 2 vom 08.01.09:

Inszwischen haben die Betreiber des Corporate Blogs reagiert und zumindest die Headergrafik geändert. Leider gibt es im Blog selbst auf diesen Rebrush keinerlei Hinweis und so heißt es stattdessen in einem Blogartikel weiterhin:  "Auch Bloggerprofis können irren", was natürlich der Fall sein kann, aber dennoch fände ich es ehrenwerter, dann auch die Sachlage als solches entsprechend zu erläutern. Denn als ich diese Blogkritik geschrieben hatte, sah das Blog noch etwas anders aus:

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Nachher und somit aktuell:

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Damit ist zumindest endlich für die nötige Klarheit gesorgt und die Verwechselung mit einem Immonet-Blog weniger gegeben. Aber transparent wurde die Veränderung bislang niemanden gemacht.

Wie gefällt Ihnen das "Agentur-Blog"? Und was halten Sie von den Blogger-Reaktionen darauf, die bislang überwiegend positiv waren?

Klaus Eck
Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 80 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten. Follow on LinkedIn

15 Replies to “Blogkritik 1: Immonet und die Authentizität beim Corporate Blogging”

  1. Das vermeintliche Immonet-Corporate-Blog

    Soviel vorab: das Immonet Corporate Blog, von dem wir alle dachten, dass es das wäre, gehört gar nicht zu Immonet. Zumindest laut den Angaben bei der denic.

  2. Immobilienscout hat einen interessanten Weg gefunden, sein Blog in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
    Man hat sich bewusst gegen den anstrengenden Weg eines solide aufgebauten und interessant geschriebenen Corporate Blogs entschieden. Stattdessen werden 100 iPods innerhalb der Szene gegen Links eingetauscht.
    Manchen Bloggern, die jahrelang auf gute Artikel und die daraus resultierende Verlinkung setzen, mag dies wie eine plumpe Holzhammermethode vorkommen. Doch es ist eine Erfolgegeschichte: Binnen weniger Stunden hatte man die entsprechenden Links den gewünschten Traffic generiert.
    Wir von Sheng Fui (Erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere) haben jedenfalls daraus gelernt und starten wahrscheinlich noch im Januar unser folgendes Linkangebot:
    Die ersten 100 Blogger, die uns verlinken, erhalten ein MacBook. Für die ersten 10 Blogger gibt es sogar ein MacBook Pro mit der Unterschrift von Steve Jobs!

  3. Der erste Eindruck ist gruselig, zur Qualität der Inhalte kann man mmn. bis jetzt noch nix sagen, weil ja noch so gut wie keine da sind. Prinzipiell gut finde ich, dass mein (eher kritisches) Posting http://tinyurl.com/8842ga in der Trackbackliste des Blogs auftaucht. Dialog hat aber noch keiner stattgefunden.

  4. Das ist wirklich unterirdisch – aber solange genug Leute bei so einem lustigen SEO-Spiel mitmachen, kann es sich lohnen. Schade für alle ernstzunehmenden Corporate Blogs, und Berater wie Sie und mich, die andere Wege gehen. Ach, irgendwie ist es auch nicht schade 😉

  5. Viel mehr Verwirrung kann man ja mit einem Blogstart kaum stiften. Welches Interesse hat denn die Internet Pioneer GmbH daran, ein Blog zu betreiben, das zwar offiziell vom Kunden Immonet.de getrennt ist, aber trotzdem suggeriert, etwas damit zu tun zu haben? Kommunikativ in der Tat katastrophal.
    Das Linkbaiting per Verlosung zum Start ist plump, aber wer drauf reinfällt ist halt selbst schuld. Langfristig nutzt es eh nix, wenn die Inhalte des Blogs nicht stimmen.
    Jetzt dementiert der sechste Post überhaupt schon die Verbindung zu Immonet.de und Herr Görs hat mit seinen Tweets auch nicht wirklich zur Aufklärung beigetragen. Ich fürchte, das Projekt ist tot, bevor es richtig angefangen hat.

  6. @Lorenz Meyer: Da das Thema Blogs bei ImmobilienScout24 in meinen Aufgabenbereich fällt, bitte ich freundlich darum, uns nicht mit Immonet zu verwechseln. Aber es freut mich natürlich, dass Sie unseren Namen so präsent haben.

  7. Hallo Herr Borchert,
    wir bitten die energetisch bedingte Namensverwechslung zu entschuldigen. Als Vertreter von Sheng Fui weiß ich nur allzu gut wie ärgerlich es ist, wenn man verwechselt wird. So werden wir ständig mit der Irrlehre des Feng Shui verwechselt.…
    Wenn wir die technischen Möglichkeiten dazu hätten, würden wir unseren Schreibfehler sofort selbst korrigieren. Deshalb an dieser Stelle die Bitte an den geschätzten Blogbetreiber Klaus Eck, sich der Sache anzunehmen und in unserem obigen Kommentar im ersten Satz die korrekte Firma „Immonet“ anzugeben. Vielen Dank!
    Mit energetischen Grüßen und einem herzlichen Chi heil
    Lorenz Meyer

  8. Etwas perfide finde ich es schon von den Betreibern des Blogs auf „immonet.finden-sie-hier.de“ still und heimlich die Headergrafik von „Immonet“ zu „Immobiliensuche“ auszutauschen und dann Klaus Eck vorzuwerfen, er hätte nicht genau hingeschaut:
    „Auch Bloggerprofis können irren: Obwohl wir auf unserer “Über”-Seite deutlich geschrieben haben, welchen eng begrenzten Zweck dieses Blog hier hat, hat Klaus Eck es für das offizielle Immonet-Blog gehalten.“
    Das sind keine guten energetischen Schwingungen, die da beim interessierten Beobachter aufkommen…

  9. @Lorenz Meyer: Vielen Dank für den Hinweis. Anhand meines Screenshots im Blog kann man zum Glück noch erkennen, worauf meine Kritik abzielte.

  10. relevanz II

    das gewinnspiel ist vorbei und ich bin einer der gewinner. schn. das macht dann wohl zwei ipod shuffle innerhalb einer woche.1 die blogger haben ihre 100+x links erhalten und sind in den link-ranglisten einige pltze nach oben gestiegen. zu …

  11. 122 Kommentare – darunter viele, die glaubten, sie schaffen es noch es noch gerade unter die ersten 100 und mindestens 20 Kommentatoren, die sich beschwerten, ihr Trackback habe nicht funktioniert. Eine überaus zweifelhafte Aktion, die wohl ganz schnell verpufft. Offenbar glauben die Betreiber aber selbst nicht daran, dass irgendwer auch ohne Bestechung den Blog verlinken könnte, denn sie kündigen für ”schon bald“ die nächste Verlinkungsprämie an. Ich blogge erst seit 6 Wochen und habe in den ersten Tagen in meiner Naivität selbst mal an einer solchen Aktion teilgenommen (es gab aber nur ein T-Shirt..) Hätte ich da schon gewusst, wieviel Blödsinns-Kommentare und -Trackbacks man sich mit so etwas einhandelt, hätte ich nicht mitgemacht.

  12. Es wundert mich immer wieder, wie schnell bei solchen und ähnlichen Aktionen wie diesem „Immonet-Gewinnspiel“ und dem dazugehörigen Blog kein gesunder Menschenverstand waltet und jeder alles für Bare Münze genommen wird.
    Vielleicht bin ich ja einfach ein wenig kritischer, aber aufgrund der Ungereimtheiten in dieser Sache, über die ich schon während der Gewinnspiel-Aktion gebloggt habe, war die Sache für mich schon von Anfang an klar.
    Und ich glaube keinesfalls, dass es nicht die Absicht der Finden-Sie-Hier-Betreiber war, sich auf diese Weise eine monetären Vorteil oder ein besseres Google-Ranking zu verschaffen, was ja annähernd das Gleiche ist.

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