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Blogkritik 1: Immonet und die Authentizität beim Corporate Blogging

Wie authentisch ist ein Corporate Blog, dem das menschliche Antlitz und jeglicher persönlicher Anstrich fehlt? Ein neues Corporate Blog aus der Immobilienbranche scheint damit keine Probleme zu haben. Immonets hat am 30. Dezember 2008 ein Blog gestartet und verzichtet dabei auf viele Blogzutaten. Es macht in der Online-Kommunikation vieles falsch und ist anscheinend dennoch – zumindest auf den ersten Blick – erfolgreich. Obwohl das Immobiliensuche-Blog nichts beherzigt, was ein gutes Corporate Blog ausmacht, verlinken zahlreiche Blogger auf das frisch gestartete Webangebot, weil ihnen dafür ein attraktives Angebot gemacht wird.  

So heißt es im ersten Blogartikel

"Mit Hilfe dieses Blogs wollen wir von nun an versuchen, Ihnen Einblicke in unsere Arbeit an der Immobiliensuche zu geben und auch mal das eine oder andere Thema am Rande zu behandeln."

Dennoch verzichtet es auf vieles, was ein gutes Corporate Blog beherzigen sollte:
  1. Es werden bisher überhaupt keine Autoren vorgestellt. Jegliche Authentizität fehlt daher dem Corporate Blog.
  2. Die einzelnen Blogartikel werden nicht namentlich gekennzeichnet, sondern von einer "Redaktion" veröffentlicht.
  3. Selbst die Kommentare werden nur von der "Redaktion" abgegeben. 
  4. Der bisherige Content ist eher werblich gehalten und wirkt nicht besonders überzeugend. 
  5. Links auf Dritte werden unzureichend gesetzt oder enthalten keinen erkennbaren Mehrwert.
  6. Es fehlen Bezüge zum eigentlichen Thema des Immobilienportals. Bislang gibt das Blog noch keinen Einblick ins Unternehmen, sondern ist eher Selbstzweck.   
  7. Es fehlen bislang ernsthafte Dialogansätze. 
  8. Von Storytelling bisher keine Spur. 
  9. Ein Kommunikationskonzept ist ebenfalls nicht wirklich erkennbar. 
Stattdessen versuchen die Unternehmensblogger den einfachsten Weg zu gehen und bieten den ersten 100 Bloggern als "Gewinn" einen Apple iPod Shuffle an, wenn diese direkt auf das Blog verlinken. Damit ist das Immobilienportal kurzfristig sogar einigermaßen erfolgreich gewesen. Doch das dürfte sich eher als digitales Strohfeuer entpuppen, das nicht unbedingt in die Marke des Unternehmens einzahlt.
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Manchmal genügt eben schon ein guter Köder, um (zweifelhafte) Links zu erhalten. In gewisser Weise kauft sich das Immobilienportal dadurch den Traffic und die Aufmerksamkeit für sein Blog. Doch eine solche Aktion ersetzt keine nachhaltige Kommunikation und beschädigt vielleicht sogar auf mittlere Sicht die Online-Reputation Immonets. Als vertrauensbildende Maßnahme sehe ich das jedenfalls eher nicht. Zumal die Betreiber des Blogs zwar erfolgreich SEO-Links generiert hat, aber anscheinend noch nicht einmal in der Lage ist auf die Gewinner der iPod-Aktion zu verweisen. Jedenfalls scheint Immonet mit dem bisherigen Blogmarketing sehr zufrieden zu sein und kündigt bereits weitere Gewinnspiele an.

Update: Nun heißt es in einer Antwort des Immobiliensuche-Blogs: 

"Obwohl wir auf unserer “Über”-Seite deutlich geschrieben haben, welchen eng begrenzten Zweck dieses Blog hier hat, hat Klaus Eck es für das offizielle Immonet-Blog gehalten.
Dies ist natürlich nicht der Fall. Es handelt sich hierbei um einen Service der IP Internet Pioneer GmbH aus Berlin, die als technischer Dienstleister auf immonet.finden-sie-hier.de eine Immobiliensuche für immonet betreibt und mit diesem Blog ausschließlich über diesen eigenen Service berichtet.
Dies ist also, um es noch mal klar zu sagen, kein Unternehmensblog der Immonet GmbH."

Aufgrund des fehlenden Blog-Impressums und nicht erkennbarer Blogautoren werden sicherlich viele Leser ebenfalls nicht sofort erkennen können, wer der Urheber des Blogs ist. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Google Blogsuche:

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Am besten schauen Sie es sich selbst an, um sich ein Bild davon zu machen. Ob es sich um ein Corporate Blog handelt oder nicht, darüber lässt sich nach wie vor streiten. Jedenfalls gibt es viele Unternehmensblogs, die von Agenturen für ihre Auftraggeber betrieben werden. An der eigentlichen Blogkritik ändert dieses nichts, wie mir auch via Twitter von Daniel Görs, Leitung Corporate Communications Immonet.de durchaus bestätigt worden ist:

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Beim nächsten Blogversuch sollte die Agentur oder das Unternehmen doch etwas mehr Wert auf Transparenz legen. Dann führt das auch zu keinen gewollten oder ungewollten Verwechselungen. Leider erhielt ich in einer E-Mail auch nur wieder wieder von der "Redaktion" einen Hinweis, nicht aber von einer ansprechbaren Person.

Update 2 vom 08.01.09:

Inszwischen haben die Betreiber des Corporate Blogs reagiert und zumindest die Headergrafik geändert. Leider gibt es im Blog selbst auf diesen Rebrush keinerlei Hinweis und so heißt es stattdessen in einem Blogartikel weiterhin:  "Auch Bloggerprofis können irren", was natürlich der Fall sein kann, aber dennoch fände ich es ehrenwerter, dann auch die Sachlage als solches entsprechend zu erläutern. Denn als ich diese Blogkritik geschrieben hatte, sah das Blog noch etwas anders aus:

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Nachher und somit aktuell:

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Damit ist zumindest endlich für die nötige Klarheit gesorgt und die Verwechselung mit einem Immonet-Blog weniger gegeben. Aber transparent wurde die Veränderung bislang niemanden gemacht.

Wie gefällt Ihnen das "Agentur-Blog"? Und was halten Sie von den Blogger-Reaktionen darauf, die bislang überwiegend positiv waren?

Klaus Eck