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e-Politics 1: Big Brother Obama?

Haben Sie gebloggt oder getwittert? Unter welchen Pseudonymen eigentlich? Diese Fragen müssen sich alle Jobaspiranten in den USA gefallen lassen, die in der neuen Obama-Administration arbeiten wollen. Jeder muss sich als Bewerber einem umfangreichen Gewissenstest unterziehen. In den 63 Fragen sollen sie angeben, ob sie bloggen, twittern oder auf andere Weise online kommunizieren. Den siebenseitigen Fragebogen hat die „New York Times“ am Donnerstag auf ihrer Website veröffentlicht. Er hat es in sich, weil die Jobaspiranten sehr viel Privates preisgeben sollen:
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„Wenn Sie jemals ein Tagebuch geführt haben, das etwas enthält, das einen Interessenskonflikt darstellen könnten oder Sie, Ihre Familie oder den gewählten Präsidenten in Verlegenheit bringen könnte, beschreiben Sie es.
(…)
Bitte beschreiben Sie und, wenn möglich, schicken Sie uns alle Bücher, Artikel, Kolumnen oder Publikationen (auch, aber nicht nur Schreiben und Kommentare auf Blogs und Websites), die von Ihnen stammen, allein verfasst oder mit jemand anderem. Bitte listen Sie alle Alias-Namen, die Sie je benutzt haben, um im Internet zu kommunizieren.“ (übersetzt im Spiegel)

Damit gehört die Überprüfung der Bewerber wohl zur schärfsten in der bisherigen US-Geschichte. Dem Obama-Team geht es hierbei um die größtmögliche Kontrolle. So will die Obama-Regierung es vermeiden, dass nach der Regierungsübernahme Interessenkonflikte bei Mitarbeitern auftreten oder peinliche Fehltritte bekannt werden.

Das ist natürlich eine geschickte Krisen-PR im Vorfeld, zeigt aber gleichzeitig auch die Schattenseiten der Online-Kommunikation auf: Wer seit vielen Jahren online aktiv ist und sehr viel publiziert hat, hinterlässt umfangreiche digitale Spuren, die nun Auswirkungen auf Bewerbungen haben können. Die Generation Internet ist für jeden transparent. Dadurch verbessern sich für den einen oder anderen Bewerber die Chancen, weil er seine Kompetenzen online deutlich machen kann. Andere fliegen aus dem Bewerbungsprozess nach einer kurzer Google-Recherche heraus und landen in der Karrierefalle Internet. Wie groß ist eigentlich Ihr digitaler Schatten? Durch das Lifestreaming der Online-Inhalte erfahren wir Menschen immer mehr übereinander, sodass nur noch wenig Privatsphäre und wenig Geheimnisse bleiben.

>> Spiegel Online: Obama unterzieht künftige Mitarbeiter hartem Gewissenstest
>> FTD: Obama will’s wissen. Big Brother

Klaus Eck