Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 80 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten. Follow on LinkedIn

e-Politics 1: Big Brother Obama?

1 Minuten Lesedauer

Haben Sie gebloggt oder getwittert? Unter welchen Pseudonymen eigentlich? Diese Fragen müssen sich alle Jobaspiranten in den USA gefallen lassen, die in der neuen Obama-Administration arbeiten wollen. Jeder muss sich als Bewerber einem umfangreichen Gewissenstest unterziehen. In den 63 Fragen sollen sie angeben, ob sie bloggen, twittern oder auf andere Weise online kommunizieren. Den siebenseitigen Fragebogen hat die „New York Times“ am Donnerstag auf ihrer Website veröffentlicht. Er hat es in sich, weil die Jobaspiranten sehr viel Privates preisgeben sollen:
Sep08132

„Wenn Sie jemals ein Tagebuch geführt haben, das etwas enthält, das einen Interessenskonflikt darstellen könnten oder Sie, Ihre Familie oder den gewählten Präsidenten in Verlegenheit bringen könnte, beschreiben Sie es.
(…)
Bitte beschreiben Sie und, wenn möglich, schicken Sie uns alle Bücher, Artikel, Kolumnen oder Publikationen (auch, aber nicht nur Schreiben und Kommentare auf Blogs und Websites), die von Ihnen stammen, allein verfasst oder mit jemand anderem. Bitte listen Sie alle Alias-Namen, die Sie je benutzt haben, um im Internet zu kommunizieren.“ (übersetzt im Spiegel)

Damit gehört die Überprüfung der Bewerber wohl zur schärfsten in der bisherigen US-Geschichte. Dem Obama-Team geht es hierbei um die größtmögliche Kontrolle. So will die Obama-Regierung es vermeiden, dass nach der Regierungsübernahme Interessenkonflikte bei Mitarbeitern auftreten oder peinliche Fehltritte bekannt werden.

Das ist natürlich eine geschickte Krisen-PR im Vorfeld, zeigt aber gleichzeitig auch die Schattenseiten der Online-Kommunikation auf: Wer seit vielen Jahren online aktiv ist und sehr viel publiziert hat, hinterlässt umfangreiche digitale Spuren, die nun Auswirkungen auf Bewerbungen haben können. Die Generation Internet ist für jeden transparent. Dadurch verbessern sich für den einen oder anderen Bewerber die Chancen, weil er seine Kompetenzen online deutlich machen kann. Andere fliegen aus dem Bewerbungsprozess nach einer kurzer Google-Recherche heraus und landen in der Karrierefalle Internet. Wie groß ist eigentlich Ihr digitaler Schatten? Durch das Lifestreaming der Online-Inhalte erfahren wir Menschen immer mehr übereinander, sodass nur noch wenig Privatsphäre und wenig Geheimnisse bleiben.

>> Spiegel Online: Obama unterzieht künftige Mitarbeiter hartem Gewissenstest
>> FTD: Obama will’s wissen. Big Brother

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 80 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten. Follow on LinkedIn

6 Replies to “e-Politics 1: Big Brother Obama?”

  1. Hi Klaus,
    es ist klar, dass du diesen Schluss ziehst. 😉
    Wobei ich die Motivation nicht in irgendwelchen Konflickten im Meinungsbild oder Krisen-PR sehe. Das sind nur Symptome.
    Vielmehr etabliert sich hier eine traurige Erkenntnis der Clintonzeit.
    In Kombination mit dem amerikanischen Rechtsystem sind viele Angriffspunkte vorstellbar und (qed) schon genutzt worden. Hier geht es also nicht um PR, sondern um die Sicherstellung der Regierungsfähigkeit. Traurig, aber leider notwendig…

  2. Verständlich sind diese Schritte schon, sind doch Fehltritte im Netz all zu schnell zu finden wenn man danach sucht.
    Zudem sorgt das Web für eine gewaltige Verbreitung dieser Fehltritte und das bei Bedarf auch noch Jahre später.
    Gerhard Zirkel

  3. Es ist echt nicht schön anzusehen wie schnell man sich seine Karriere wegen ein paar Beiträgen verbauen kann… ich denke dies geht etwas zu weit in die Privatsphäre des Menschen aber wir werden ja sehen wie es sich in der Zukunft entwickelt.

  4. @topetop Natürlich hat die Obama-Administration alle Gründe vorsichtig zu sein, dennoch haben gerade die letzten Regierungen nach ihren Amtsübernahmen mit einigen Mitarbeitern unnötige Probleme gehabt, die vorher absehbar gewesen wären und einige PR-Krisen hätten vermeiden helfen.
    @MichaelWald Nun, ja, heute müssen sich online sogar Katzen und Hunde outen…
    @ Gerhard Zirkel: Völlig richtig. Es gibt online viele aufgestellte Fallen. Ein gutes Issues Management ist ohnehin vonnöten.
    @ Georg: Der Begriff Privatsphäre ist längst unter Druck geraten, nicht nur durch das eigene Verhalten, sondern auch durch die Naivität vieler Nutzer, die gar nicht wissen, wo persönliche Grenzen verlaufen…

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