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Warum Blogs nicht an Bedeutung verlieren

In seinem Blog Sprechblase fragt sich Cem Basman, ob die Macht der Blogger nachlässt bzw. ob sich Blogger neu orientieren und wieder das wahre Leben für sich entdecken. Bloggen kostet Zeit, deshalb entdecken nicht wenige Alt-Blogger das schnellere Medium Twitter für sich und verzichten zum Teil ganz darauf, ihren Gedanken eine Blog-Form zu verleihen. Schließlich kann man auf dem Microblogging-Kanal Twitter fleißig darauf losschreiben, ohne auf irgendwelche Text-Strukturen Rücksicht nehmen zu müssen. Das machen zwar viele Blogger auch heute noch in ihren Online-Magazinen, aber das bestrafen die Blogleser des Öfteren mit einer gewissen Lesezurückhaltung.

Nur weil der Verlinkungsgrad auf Technorati zurückgeht, verlieren die deutschsprachigen Blogger noch nicht an digitaler Kraft und Reputation. Zwar hat die Blogsuchmaschine Technorati durch technische Fehler dazu beigetragen, dass die Verlinkungszahlen schneller zurückgegangen sind, als es aufgrund von Spamblogs notwendig gewesen wäre. Doch gibt die Zahl der Links und die Repräsentanz auf Google noch immer einen gewissen Aufschluss darüber, wie stark die Online-Reputation einer Person ist.

Im Vergleich zu anderen Online-Maßnahmen entfalten Blogs nach wie vor eine große Wirkung, wenn die Themen gut gewählt sind und auf positive Resonanz stoßen. Wer keine spannenden Geschichten zu erzählen hat und damit keinerlei berufliche oder private Relevanz für den Leser entfalten kann, fliegt schnell aus dem Relevant Set der Blogleser raus und wird seltener verlinkt.

Bisher hat sich die Leserschaft kaum auf den Webseitenkonsum via RSS eingelassen. Zwar steigen die Nutzer der RSS-Reader. Dennoch sind es zurzeit allenfalls 11 Prozent, die als Leser RSS nutzen, um Blogs oder News zu abonnieren. Die meisten Leser kommen noch immer via Google-Recherche, Bookmarks, Twitterlinks oder aufgrund der Markenbekanntheit eines Blogs. Kein Wunder also, dass es in Zeiten des digitalen Content-Darwinismus‘ schwerfällt, seine Leserschaft zu binden, zumal die Zahl der professionell gemachten Blogs in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Mit dem steigenden Angebot der Blogs, aber auch den Alternativen Twitter, Facebook und Friendfeed etc. kann jeder für sich persönlich entscheiden, was das beste für die eigene Reputation ist.

Nicht jeder hat die Zeit für das Bloggen und die Ziele der Onliner sind ohnehin sehr unterschiedlich. Wer seine Zeit ins Twittern investiert, kann darüber zwar den Dialog mit seinem Netzwerk führen und dieses auch ausbauen, wird sich jedoch schwertun seine sichtbare Online-Reputation nachhaltig zu stärken. Dazu sind die ansonsten guten viralen Effekte von Twitter viel zu schnelllebig und flüchtig. Blogaktivitäten eignen sich viel besser, um Themen im Sinne eines Agenda Settings zu platzieren. Aber mit Twitter lassen sich die ersten Influencer direkt aufs Blog lenken, insofern ist es gar nicht so sehr ein Gegensatz. Beide Aktivitäten ergänzen sich auf ideale Weise.

Ich gehe gerne auf Web 2.0- und andere Kommunikations-Veranstaltungen und bevorzuge es dann ebenfalls, zu twittern statt zu bloggen. Das liegt unter anderem daran, dass es sehr anstrengend ist, sich auf Vorträge zu konzentrieren und gleichzeitig live darüber strukturiert zu berichten. Twittern ist schnell und leicht, aber vergleichsweise unstrukturiert. Blogger sind keine Geeks, die im stillen Kämmerlein ihre Ideen dem Senfuniversum beisteuern. Viele Protagonisten der sogenannten Blogosphere sind schon seit einigen Jahren auf den diversen Events unterwegs gewesen. Daraus würde ich dennoch nicht ableiten, dass die meisten Blogger deshalb keine Lust mehr aufs Virtual Life hätten. Zudem sind so viele Blogger im Vergleich zur Grundgesamtheit von vielleicht rund 1 Million hierzulande nun auch wieder nicht auf den Web 2.0-Events unterwegs. Es gibt es immer noch genug potentielle Leser, die gar nicht selbst bloggen. Blogs können durchaus auch für Nicht-Blogger von Interesse sein…

So viele Kontakte wie über Xing, Facebook, Twitter oder Blogs entstehen, kann ich gar nicht im Real Life händeln. All diese Tools erleichtern das Social Networking, haben aber noch nie den persönlichen Umgang mit Geschäftspartnern oder gar Freunden ersetzt. Aber über diese Social Software kann ich mir vorab einen guten Eindruck von meinem Gesprächspartner verschaffen und dadurch ihm oder ihr eine Reputation zuordnen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Blog oder Twitter-Account gemacht? Benötigen Sie Ihr Blog durch das Twitter etwa nicht mehr?

>> Sprechblase: Thesen: Warum Blogs scheinbar an Bedeutung verlieren

Klaus Eck