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Verzichten Sie lieber auf jegliche Bescheidenheit!

Im Web sind Sie nur so relevant wie Ihre Blogartikel, Homepage, Twitter-Tweets oder sonstigen Social-Network-Aktivitäten. Nur wer schreibt, podcastet oder Videos online stellt, der bleibt in der Aufmerksamkeit. Ob jemand wichtig ist, entscheidet der Leser, Zuhörer und Zuschauer, der darüber in Sekundenbruchteilen klickend abstimmt.

„Wie mache ich mich im Netz wichtig?“ Eine seltsame Frage, über die ich heute auf den Wiener Medientagen mit Claudia Gutjahr, websingles.a, Hannes Jagerhofer, Act, Mac Mueller, Spezialist für Suchmaschinenoptimierung, Dr. Karl Pall, Google Österreich und Christopher Sima, AdLINK Media, diskutieren werde. Das Wort „wichtig“ impliziert im ersten Moment, dass wir uns alle online und überhaupt viel zu wichtig nehmen. Bescheidenheit ist eine Zier, doch online lebt es sich besser ohne ihr.

Wer seine persönliche Reputation im Berufsleben ernst nimmt, sollte lieber darauf verzichten, „bescheiden“ zu sein. Denn wer sich im Internet zurückhält und darauf achtet, keine digitalen Spuren zu hinterlassen, der verhält sich vermutlich ehrenwert, findet dann aber auch nicht statt oder tritt hinter andere Suchtreffer bei Google zurück. Gleichzeitig wird das Internet in der Berufswelt der Wissensgesellschaft immer wichtiger. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“, mag in einer Ständegesellschaft und zu Anfang der Industriegesellschaft noch ein passender Spruch gewesen sein. Doch inwiefern passt er zur Google Gesellschaft? Übersetzt heißt die Redensart: „Beschränke dich auf die Dinge, die du schon immer gemacht hast und mit denen du dich auskennst.“

Der digitale Unsichtbare riskiert jedoch durch seine Vorsicht alles: Mit wenig Aufwand können Identitätsdiebe zuschlagen und eine virtuelle Identität entwickeln, die Sie borg-ähnlich übernimmt. In Ihrem Namen würden Dinge online geschehen, auf die Sie keinerlei Einfluss mehr haben und die sich unmittelbar auf Ihre Karriere oder Freundschaften auswirken. Ihre Online-Reputation können Sie nur effektiv schützen, indem Sie selbst aktiv werden oder damit Dritte beauftragen. Ansonsten werden Sie für andere zum digitalen Spielball, der mal in die eine Ecke, mal in die andere fliegt. Das wird letztlich zum Eigentor führen. Deshalb sollten Sie Ihre Reputation wichtig nehmen und selbst etwas tun.

Im Web zählt der erste Eindruck; eine Zeile, der bloße Name oder eine Webadresse genügen manchmal schon, um via Google gefunden zu werden. Deshalb schaden persönliche Zeilen von Freunden oder Bekannten, die sich in all ihrer Naivität über ihren gesamten Freundeskreis online austauschen, ohne die Privatsphäre ihrer Kontakte zu berücksichtigen. Schließlich habe man ja nichts zu verbergen. Der Aufwand, dem elektronischen Zufall etwas entgegenzuhalten, ist gar nicht einmal so groß: Es genügen einige Mitgliedschaften in den Social Networks Facebook, Xing etc. und eine persönliche Website unter Ihrem Namen, auf denen Sie manchmal die Inhalte erneuern. Und schon haben Sie eine eigene digitale Identität, die Sie selbst mit Leben füllen können.

Zunehmend irritiert es Personalverantwortliche, wenn Sie nichts über jemanden im Netz finden. „Was haben Sie die letzten Jahre denn online gemacht? Können Sie nicht mit dem Internet umgehen oder waren Sie gar im Gefängnis?“ Mit derartigen Fragen werden heute in den USA Bewerber konfrontiert. Auch Sie sollten als digitaler Unsichtbarer damit rechnen. Hierzulande bemerken selbst hochqualifizierte Bewerber, dass es Ihnen schadet, wenn Sie sich nicht in Social Networks tummeln und gute Online-Kontakte und –Fertigkeiten vorweisen können. Deshalb tappen Sie lieber nicht in die Karrierefalle Internet.

Klaus Eck