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Ypsilanti in der Münte-Falle

Wer den Namen Andrea Ypsilanti googelt, findet in den Suchergebnissen überwiegend kritische Medienberichte zur SPD-Politikerin, weil sie in Hessen eine rot-grüne Regierung von der Linkspartei tolerieren lassen und selbst Ministerpräsidentin werden will. Immer wieder wird in den Artikeln auch ihre persönliche Kompetenz in Frage gestellt. Neuen Auftrieb erhält die Kritik durch ein Fake-Telefonat: Am 10. September fiel die hessische SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti am Telefon auf einen falschen Franz Müntefering herein. Sie erkannte in dem kurzen Gespräch nicht den Radiomoderator des Radiosenders ffn Jochen Krause, der regelmäßig in seiner Sendung "crazyphone" Prominente vorführt. Inhaltlich bot es nichts wirklich Brisantes. Dennoch stellte das Fake-Telefonat ihre Reputation in Frage, weil sie den falschen Müntefering nicht erkannte. Deshalb untersagte sie die Ausstrahlung des für sie unvorteilhaften Gesprächs.

Der Sender akzeptierte das Verbot und verzichtete offiziell darauf, den illegalen Mitschnitt der Öffentlichkeit mit der Vorsitzenden der hessischen SPD-Landtagsfraktion zugänglich zu machen. Allerdings war die Audiodatei anscheinend zwei bis drei Stunden im Redaktionssystem des niedersächsischen Radiosenders abrufbar, sodass ein Mitarbeiter eine Kopie davon machen und diese weiterverbreiten konnte. Als erstes griff die Bild-Zeitung das Thema auf.

Inzwischen ist das Ypsilanti-Müntefering-Telefonat sogar auf YouTube aufgetaucht und entfaltet über diesen Umweg eine brisante Medienwirkung für die umstrittene Hessin. Mehr als 20 Medien  und zahlreiche Blogs haben das Thema aufgenommen und die politische Kompetenz der Politikerin in Frage gestellt. Denn es verbindet in  einer Videovariante das verbotene Telefonat mit einem anderen peinlichen Video, in  dem man sieht, wie ihr Lebensgefährte Klaus-Dieter Stork hinter Ypsilanti steht und ihre Dankesrede lippensynchron mitspricht. Wer der Urheber des YouTube-Videos ist, bleibt unklar. Das  Radio ffn hat sich jedenfalls sofort an YouTube gewandt und die Löschung entsprechender Ypsilanti-Videos verlangt.

Damit reagierte der Radiosender zwar schnell, aber dennoch zu spät. Denn es ist aussichtslos, ein Video auf YouTube oder anderen Videoportalen löschen zu wollen. Selbst wenn eine einzelne Variante gelöscht werden sollte, finden sich häufig immer wieder andere, die dasselbe Video online stellen. Seit Samstag hat der Telefon-Ulk laut "Spiegel" bereits über 40.000 Zuschauer online erreicht. Wer sich eine Variante des Telefon-Ulks ansehen oder anhören will, muss dazu nur eine einfach YouTube-Recherche durchführen.

>> Spiegel: Ypsilanti-Ulk bei YouTube aufgetaucht

>> Google News: Ypsilanti-Scherz
>> Focus: Ypsilanti tappt in „Münte“-Falle

Klaus Eck