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Online Reputation Management 16: Wolfram A. Zabel über Video-Reputation

In den Verlagen wird viel mit neuen Social Media Formaten experimentiert. Wolfram A. Zabel ist im Operations Management bei Vogel Business Media für das Thema Whitepaper verantwortlich. Er interviewt regelmäßig für das Blog "Media-Treff" Experten zu Kommunikationsthemen. Im Online-Reputation-Interview habe ich ihn unter anderem gefragt, inweit sich Online-Videos für den Aufbau eines digitalen Rufs eignen:


1.  Sie bloggen  und video-podcasten als Kommunikationsexperte der Vogel Business Media regelmäßig unter media-treff.de. Was wollen Sie damit eigentlich erreichen?

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In erster Linie ist das Ziel, unseren Kunden in den Agenturen und Marketingabteilungen einen Mehrwert zu bieten: Was passiert im Onlinemarketing, welche Trends gibt es in der B2B-Kommunikation, aber auch im B2C? Media-TREFF gibt es seit über 20 Jahren als Kundenmagazin der Vogel Industrie Medien (VIM), das gleichnamige Corporate Blog feiert Ende Juni den ersten Geburtstag – dann werden rund 80 Webcasts und über 300 Beiträge online sein.

Die Kollegen des Zentralen Marketings bei VIM haben media-TREFF aus der Taufe gehoben, quasi als zeitgemäßes Instrument der Kundenbindung; als Pressesprecher Vogel New Business habe ich mich gerne in das Team eingebracht. Für mich persönlich ist die Interviewreihe eine gute Gelegenheit, die Online-Kompetenz des Hauses Vogel zu transportieren und dabei gleichzeitig meine digitale Reputation zu verbessern.


2. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Video-Aktivitäten gemacht? Wie wird das insgesamt angenommen?

Wir sind sehr zufrieden; das Interesse an den Themen, die wir in den Webcasts erörtern, ist enorm. Vielfach führen wir die Interviews auf Branchenveranstaltungen durch wie OMD,  Internet World oder Web2.0-Kongress. Wer nicht vor Ort sein konnte, um einen renommierten Referenten zu hören, erhält so eine verdichtete Fassung des Vortrags in Form eines Webcasts. Auch seitens der interviewten Experten ist der Zuspruch groß: Es kommt relativ selten vor, dass jemand nicht vor die Kamera möchte.

3. Welche Bedeutung hat der Einsatz von Videos überhaupt für die PR?

Webcasts emotionalisieren: "Sich ein Bild machen" oder "ein Bild sagt mehr als tausend Worte" sind Aussagen, die die Vorzüge des Bewegtbildes ausgezeichnet skizzieren. Gerade in der B2B-Kommunikation eignen sich Webcasts sehr gut, um Größen, Prozesse oder Proportionen darzustellen.

Die Produktionskosten und der Hardwareaufwand haben sich in den letzten Jahren deutlich verringert, so dass Webcasts in jedem Fall Bestandteil einer integrierten Kommunikation sein sollten. Blickt man auf das Mediennutzungsverhalten, hat die Rezeption bewegter Bilder im Web rapide zugenommen. Dieser Entwicklung muss seitens der Kommunikatoren Rechnung getragen werden.

4. Immer mehr Medienmacher und Privatpersonen stellen Videos ins Netz. Welchen Einfluss hat das auf die Öffentlichkeit? Müssen wir jetzt damit rechnen, ständig gefilmt zu werden?

Diese Frage muss man in zwei Teilen beantworten. Wenn Sie auf einer Studentenfete sind oder allgemeiner gesagt: überall dort, wo der Anteil Alkoholika größer ist als der nichtalkoholischer Getränke, dann lautet die Antwort: "ein klares Ja!". Seien Sie sich der Gefahr bewußt, dass Video-Streamings per Handy schnell auf einer Homepage landen können oder ausführliche Webcasts bei Sevenload.de oder ähnlichen Anbieter hochgeladen werden. Auch im Berufsleben steigt die Chance, auf einer Messe oder einem Kongress plötzlich in eine Kameralinse zu schauen. Man sollte lieber einmal zu oft als einmal zu wenig sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung nutzen. Wer Bootcamps oder Bloggertreffen fernbleibt und einem kreuzbraven Beruf nachgeht, muss nicht damit rechnen, ständig gefilmt zu werden.

Ein Einfluss auf die Öffentlichkeit ist aber besonders signifikant: Der Fernsehkonsum lässt stetig nach und dies wird sich auch fortsetzen. Die Atomisierung des Angebots von Bewegtbildern führt dazu, dass jeder sich den Webcast anschaut, der für ihn im richtigen Moment die richtige Botschaft vermittelt. Also auch hier gilt: Context – not content is king. Dies gilt besonders für die B2B-Kommunikation.

5. Gibt es hierzulande eine Szene der Video-Podcaster, die regelmäßig Interviews durchführen wie Sie?

Den Begriff "Szene" halte ich in diesem Zusammenhang für unangemessen.
Es gibt einige Blogger, die mehr oder weniger regelmäßig zur Kamera
greifen. Diese begreifen sich aber sicher als Bestandteil der
Blogosphäre. Anders sieht es bei reinen Audio-Inhalten aus: Hier gehört
das Interview als Beitragsform bereits zum Standard – dort könnte man
also von einer Podcaster-Szene sprechen. Man darf auch eines nicht
vergessen: Trotz gesunkener Produktionskosten ist der Aufwand für ein
Bewegtbild nicht zu unterschätzen, dies stellt für Einzelkämpfer oft
noch eine Hürde dar. Wir als Medienhaus verfügen über professionelle
Ressourcen: ausgebildete Kameraleute, Cutter und die entsprechende
Hard- und Software in einem voll eingerichteten Studio. Im Team lassen
sich folglich regelmäßige Interviews schneller und ohne Probleme
realisieren.

6. Welche positiven Effekte für die Online Reputation haben eigentlich Video-Interviews?

Man wird von einem renommierten Blog- und Onlineexperten zu einem
Interview in seiner Reihe zur digitalen Reputation eingeladen. Diese
spaßig gemeinte Antwort birgt allerdings einen ernsten Kern: Wie mit
jeder anderen Publikation – online und offline – können Fachleute auf
zeitgemäße Art und Weise ihre Expertise einem großen Publikum näher
bringen – sie werden als Kompetenzträger wahrgenommen.

Ein weiterer Aspekt: Vorausgesetzt ich sage die Wahrheit, unterstreicht
meine Körpersprache das gesprochene Wort und stärkt auch auf diesem
Wege meine (digitale) Reputation. Dies gilt auch im Umkehrschluss und
sollte deshalb immer berücksichtigt werden. In technischer Hinsicht:
Webcasts werden auf Plattformen gehostet oder abgerufen, die sehr gut
von Google indexiert sind. Als Experte werden meine Themen – und
letztendlich ich selbst – bei Google weit oben gelistet.

7. Worauf sollten Interviewpartner achten, die bisher noch keine
Erfahrung mit Videos gemacht haben? Haben Sie einige Tipps für das
erste Video-Interview? 

 

1. Tragen Sie keine kleinkarierten Hemden, Krawatten oder
Anzugjacken – Sie sehen sonst aus, als würde Scotty Sie gerade
hochbeamen.

 

2. Wer meine "Frisur" trägt, sollte bedenken, dass es an heißen
Tagen zu ungewünschten Lichtreflexen kommen kann. Bitte vorher die
Stirn abtupfen, pudern wäre natürlich noch besser.

 

3. Sprechen Sie das Interviewthema in groben Zügen ab.

 

4. Kurze Sprechübungen vor dem Gespräch lockern die Gesichtsmuskulatur und senken das Lampenfieber.

 

5. Nie in die Kamera gucken! Konzentrieren Sie sich auf Ihren Gesprächspartner.

 

6. Bleiben Sie authentisch!

 

7. Antworten Sie in kurzen, verständlichen Sätzen.

 

8. Haben Sie keine Scheu, bei inhaltlichen Schnitzern eine
Wiederholung zu verlangen bzw. dass die Stelle herausgeschnitten wird.

 

9. Im Gegenzug dazu übergehen Sie kleine Verhaspler nonchalant.

 

10. Lassen Sie sich den fertigen Webcast vor der Veröffentlichung noch einmal vorlegen.

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Klaus Eck