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Wikipedia kämpft um Glaubwürdigkeit

Vertrauen Sie den Inhalten der Wikipedia? In meinem gestrigen Workshop antworteten die Teilnehmer mit einem eindeutigen "Nein!". Allerdings stand jeglicher Online-Content unter General-Verdacht und konnte im Vergleich zu Print nicht bestehen: "Im Web gibt es viel zu viele Fehler in den Texten." Derlei Reaktionen der Leserschaft der Wikipedia erklären ein wenig, warum die Wikipedianer seit dem 6. Mai 2008 etwas mehr Geduld benötigen. Ihre Beiträge werden nicht mehr sofort im Web sichtbar. Denn in der deutschen Wikipedia gibt es seit Montag eine Qualitätskontrolle. Dadurch erhalten die Wikipedia-Nutzer künftig in der Standardansicht nur noch sogenannte "gesichtete und geprüfte Versionen", die von erfahrenen Wikipedia-Autoren als frei von Verunstaltungen gekennzeichnet werden sollen. Auf diese Weise will die Wikimedia Deutschland e.V. einfachem Vandalismus in den Wikipedia-Artikeln vorbeugen. Zu einem späteren Zeitpunkt sind auch inhaltliche Prüfungen vorgesehen, mit denen
die Richtigkeit der in Wikipedia-Artikel enthaltenen Angaben durch Experten
bestätigt werden soll.

Der
Vorstand des Vereins Philipp Birken will bei der Wikipedia "weg von der schieren Masse an
Artikeln, hin zu mehr Qualität und Verlässlichkeit für unsere Leser". Trotz der Einführung einer redaktionellen Überprüfung ändert sich für die Wikipedianer grundsätzlich erst einmal nichts. Sie können weiterhin die Artikel des Online-Nachschlagewerks jederzeit bearbeiten.

"Die Einführung der gesichteten und geprüften Versionen ermöglicht es
uns, die Qualität der Wikipedia-Inhalte weiter zu steigern – unter
Beibehaltung der Transparenz und Offenheit des Projektes", ergänzt
Vorstandsmitglied Tim Bartel. Er hofft, "dass sich das Konzept in der
Praxis bewährt. Jetzt ist zunächst einmal die Community am Zug, die
neuen Funktionen auszuprobieren."

Meiner Ansicht handelt es sich bei der Einführung eines digitalen Prüfstempels in der deutschsprachigen Wikipedia vorerst nur um reine Kosmetik, die der Glaubwürdigkeit des Lexikons dienen soll. Das ist sicherlich eine ehrenwerte, gut gemeinte Maßnahme, aber was bringt sie wirklich? Niemand kann sich auf die Richtigkeit eines Wikipedia-Artikels verlassen, solange die Autoren nicht mit realem Namen bekannt sind und damit für ihre Inhalte Verantwortung übernehmen. Oder können Sie einer reinen IP-Adresse vertrauen? Jeder kann zwar ein Nutzerprofil bei der Wikipedia anlegen, wird dann aber bei geringer Aktivität schnell verdächtigt, es für eigene Zwecke zu missbrauchen. Es geht hierbei nun wirklich nicht darum, aus der Wikipedia einen "Ort zur Selbstdarstellung" zu machen. Dennoch wäre es für die Transparenz der Wikipedia besser, wenn mehr Autoren mit Klarnamen auftreten würden. Auf diese Weise erhält jeder Wikipedia-Leser einen besseren Eindruck von den Akteuren und kann sich selbst entscheiden, ob er einem Wikipedianer vertraut oder auch nicht.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Wikipedia gemacht? Kennen Sie Beispiele für Falschinformationen in der Enzyklopädie?

>> Spiegel: ONLINE-ENZYKLOPÄDIE. Wikipedia erprobt Artikel-Kontrollsystem
>> Wikimedia: Wikipedia: “Gesichtete Versionen” sollen Verlässlichkeit steigern
>> Wikimedia Blog
>> Zielpublikum Weblog: Gesichtete und geprüfte Versionen bei Wikipedia

Klaus Eck