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Online Reputation Management 5: Steffen Büffel hat keine Angst vor Transparenz

Steffen Büffel, Media-Ocean, weiß ganz genau, warum er online aktiv ist und wundert sich nicht darüber, dass er im Web eine große Präsenz hat. Schließlich nutzt er seine Online-Aktivitäten gezielt zum Aufbau seiner Reputation und hat keine Angst vor zuviel Online-Transparenz. Im Interview erläutert er, was er für sein Selbstmarketing alles so macht.

1. Im Internet habe ich bei Google insgesamt rund 8.600 Beiträge zu
"Steffen Büffel" gefunden? Wie erklären Sie sich das? Liegt das an
Ihrer journalistischen Tätigkeit?

Kurz vorab: Das ist wirklich mein Name und kein Künstlername, wie es
manche Leute immer mal wieder vermuten. Insofern sind es wohl 8.600
echte Treffer, Verwechslung fast ausgeschlossen. An meiner
journalistischen Tätigkeit liegt das aber wohl am wenigstens, da ich
mich nicht als Journalist verstehe und nur selten Beiträge in
Fachzeitschriften schreibe. Es liegt eher daran, dass ich zu Themen
blogge, die in den letzten Jahren an Interesse und Dynamik zugenommen
haben. Also Social Media, Bürgerjournalismus, Blogs, E-Learning etc.
Das sind meine Themen und wegen dieser Themen und meiner Onlinepräsenz
werde ich immer wieder zu Tagungen oder Interviews in den Massenmedien
eingeladen.

2. Bei einer oberflächlichen Recherche via Google erfahre ich sofort, dass Sie Medienwissenschaftler, Medienberater und Hardbloggingscientist sind, ein eigenes Blog namens Media Ocean betreiben und bei Xing und in anderen Communities aktiv sind. Sind sind sehr gut sichtbar. Doch wer im Telefonbuch nach Ihnen sucht, findet anscheinend niemanden. Haben Sie einen seltenen Namen, der Sie im Netz leicht erkennbar macht? Falls ja, wie profitieren Sie davon? Wie wirkt sich das für Sie aus, wenn jemand Sie kontaktiert?

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Wie oben schon erwähnt, habe ich durch den Namen mit den vier "f"
nicht nur ein, sondern mit "Büffel" gleich noch ein zweites
Allereinstellungsmerkmal. Das Kuriose: Wenn man nur nach "Büffel"
googelt, findet man mich auf Platz 3, nach Wikipedia und einem
Lederwarenhersteller. Die kleinen Namensvorteile machen sich durchaus
bemerkbar, da man nicht zwischen 500 Peter Müller unterschieden muss.
Umso wichtiger ist es mir aber dort gefunden zu werden, wo ich
gefunden werden will. Das Telefonbuch gehört hier nicht (mehr) dazu.
Denn die Erfahrung und mein gesunder Menschenverstand bei dem was ich
tue haben mir gezeigt, dass das Web, meine Profile an den
unterschiedlichen sozialen Netzwerk-Boulevards sowie meine Kontakte
mir die Art des Beziehungsaufbaus zu Kunden ermöglichen, die meinem
naturell und meinen Dienstleistungen am nächsten kommen. Gut und gerne
80 Prozent meiner Aufträge kommen durch Mund-Propaganda online und
offline. Das gibt mir bei meiner Strategie recht.

3. Was ist Ihr persönliches Reputationsziel? Wie wollen Sie als Person online wahrgenommen werden?

Ich gebe online verhältnismäßig viele Facetten meiner Persönlichkeit
preis. Man findet zwar auch explizit Privates, aber in einem
wesentlich geringerem Maße. Für mich ist entscheidend, als Mensch mit
Launen, mit tollen Ideen, mit Visionen, mit vielen Interessen und
Begabungen sowie einer fundierten wissenschaftlichen und praktischen
Expertise rüberzukommen. All diese Facetten bilde ich über Themen ab,
die mich beruflich wie privat interessieren. Als Hardbloggingscientist
beobachte und kritisiere ich das Bildungssystem, als Medienberater
behaupte ich "Print ist tot!", gebe aber Gründe und Argumente für
diese These, so dass ich einerseits provoziere und Aufmerksamkeit
errege, gleichzeitig aber fachlich seriös "rüberkomme" und das
auch bin. Ein Spagat, ja! Aber einer, der mir entspricht und bisher
gut funktioniert.

4. Welche Reputationsziele verfolgen Sie konkret mit Ihren Social Media Aktivitäten?

Das gerade Gesagte bilde ich in den vielfältigen
Ausdrucksmöglichkeiten von Social Media Formaten ab. Media-Ocean ist
meine Blogheimat, aber ich blogge inzwischen in drei weiteren Blogs.
Twitter, Facebook, Xing, Lastfm, Slideshare und weitere Plattformen
ergänzen meine unterschiedlichen Online-Dependencen, auf denen ich
versuche die Wahrnehmung meiner Person entsprechend zu steuern. Auf
eine steril seriöse Anzug-mit-Krawatte-Profilierung verzichte ich
dabei bewusst. Der Grund hierfür: Es wäre verlogen, wenn ich mich
selbst auf diese eine Facette meines öffentlichen Auftretens künstlich
zu reduzieren. Anders gesagt: Eine maximal Annäherung an Authentizität
ist mein Ziel. Mit den Dialogmöglichkeiten von Social Media geht das
am besten.

5. Sie vertreten generell relativ klare Standpunkte zu
Medienthemen. Sind Sie in Blogs oder an anderer Stelle online schon
einmal persönlich angegriffen worden? Was raten Sie anderen in solchen
Situationen und wie sind Sie damit gegebenenfalls umgegangen?

Die Naivität zu glauben, dass das, was man online von sich Preis
gibt, ohnehin keinen interessiert, habe tatsächlich erst durch das Zahlen
von Lehrgeld abgelegt. Konkret hatte ich in der Frühphase meiner
Blogbemühungen in einer Veranstaltungsreplik eine Kollegin kritisiert.
Zwar konstruktiv, aber dass sich genau diese Kollegin in den
Kommentaren zu Wort meldet und reagiert, hatte ich nicht im Kalkül.
Die Erkenntnis für mich: Diese Transparenz setzt mich unter
Authentizitätstzwang, wenn ich jederzeit zu dem stehen will, was ich
von mir gebe. Aber: Ich bin froh für diesen Zwang und habe für mich
mehr Kritikfähigkeit erlernt. Aber auch, dass in Blogs oft laut
gebrüllt wird, aber der Wind schnell wieder aus den Segeln ist. Ich
finde durch das Bloggen habe ich neue Facetten und Qualitäten der
Kommunikation kennengelernt, die mir bei meinen Forschungs- und
Beratungsprojekten extrem hilfreich sind.

6. Im Web erfahren wir sehr viel über Sie. Macht Ihnen das
Sorgen? Wie schützen Sie eigentlich angesichts der neuen
Online-Transparenz noch Ihre Privatsphäre? Oder haben Sie sich von
einem solchen Modell bereits verabschiedet?

Letztes ist der Fall. Die Gefahr, dass Unfug mit meiner Identität
durch andere getrieben wird oder jemand irgendwo irgend etwas
ausgrabt, was ich längst vergessen habe, sage ich mir: So what! Die
tollen Begegnungen mit immer neuen interessanten Menschen, die ich
täglich machen darf, wiegen die "Risiken" der Total-Transparenz mehr
als auf. Außerdem fühle ich mich im Netz mit all meinen positiven
Kontakten bestens aufgehoben. Mein hat Freunde, Kunden, Gleichgesinnte,
die einen auffangen würden, wenn es zu einer Reputationskrise online
käme. Die Gewissheit nimmt mir die Sorgen für den Fall der Fälle.

7. Welches Fachbuch und welcher Roman hat Ihnen in letzter Zeit besonders gefallen?

Kurze Antwort: Fachbuch: "Imagining the Internet!". Roman: "Der
Schwarm
!", allerdings als Hörbuch ;-).

Lange Antwort: Ich besitze ca.
300 Fachbücher, die meisten davon habe ich nur angelesen und mir einen
Überblick verschafft, ob sie mir jetzt im Moment oder künftig nützlich
sein könnten. Viele wandern via Amazon schnell in die Buchregale anderer
Menschen. Die aufgeblähte Dramaturgie von Fachbüchern ödet mich an.
"The Long Tail" brauche ich nicht als Buch, die Idee ist in 5 Minuten
erklärt. Fehlinvestition. Wenn ich tatsächlich zum Buch greife, ist es
meistens substantiellere Kost, die es verdient auch auf mehreren
hundert Seiten ausgebreitet zu werden. Luhmann, Wellman, Kuhn sind dann
gute Autoren. Aktuell gebe ich aber dem Buch "Social Web" von meinen
Kollegen Ebersbach, Glaser und Heigl eine echte Chance.

Klaus Eck