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Network Publishing statt Pressemitteilung?

Wozu noch eine Pressemitteilung verschicken, wenn man seine Kunden, Influencer und Journalisten über Facebook, Xing und Twitter direkt erreichen kann? Professor Thomas Pleil bezeichnet das in einem Blogartikel als "Publikationsnetzwerk" und ist der Ansicht, dass dort eine Publikation künftig sogar eine Presseinfo ablösen könnte. Allerdings dürfte ein solches Network Publishing nur dann medienwirksam sein, wenn die Journalisten ebenfalls im Social Networking versiert sind und selbst twittern, bloggen und xingen. Erst
dann kann ein angeteaserter Link auf die Pressemitteilung oder Unternehmensbotschaft seine vollständige Wirkung entfalten. Heute ist es in erster Linie ein zusätzliche Marketing- und PR-Kanal, nicht mehr und nicht weniger.

Bislang ist das Network Publishing sicherlich eher Zukunftsmusik, was Pleil auch betont, aber die ersten
Melodien werden von einzelnen Powernetworkern wie Robert Scoble bereits angestimmt. Der Ex-Microsoft-Oberblogger und Autor
des Buchs "Naked Conversations" hat immerhin bei dem Microblogging-Service Twitter rund 6.500 Leser und bei Facebook 5.000
Freunde. Angesichts dieser Kontaktzahlen stellt sich sein Social Network weniger als Freundesnetzwerk dar, sondern
ähnelt vielmehr einem öffentlichen Online-Publishing-Channel, über den der amerikanische Web 2.0 Evangelist  seine Community direkt erreichen kann.
Ab einer gewissen Größenordnung kann ein Social Networking-Tool durchaus als neue Publikationsform verstanden werden. Wenn jemand seine Inhalte via Netzwerk einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, sollte man daher auch von einem Network Publishing sprechen. Das ist sowohl bei Twitter
wie auch bei Facebook durchaus möglich.

Allerdings finde ich es müßig, darüber zu spekulieren, ob man via Social Media Publishing noch Journalisten erreicht.
Letztlich dienen die Twitter- und Facebook-Dialoge in erster Linie dem direkten Austausch untereinander und werden hierzulande erst wenige Journalisten erreichen. Aber natürlich
ist es jederzeit möglich, in diesen neuen Kanälen für sich und sein Unternehmen Aufmerksamkeit zu erzielen. Schon alleine deshalb sollten PR-Profis mit den neuen Möglichkeiten experimentieren:

"RSS sollte für Presseinfos eigentlich selbstverständlich sein. Fragt
sich, ob es darüber hinaus sinnvoll ist, in Social Networks zu
publizieren. Ich meine: ja. Eine Gruppe, wie ich sie skizziert habe,
könnte Branchentreffpunkt werden. Noch wichtiger: Unternehmen/ NGOs
sollten dort nicht ausschließlich auf ihre Presseinfos verweisen,
sondern auch mal einen Link zu einer neuen Marktstudie veröffentlichen
oder zu einer interessanten Diskussion im Corporate Blog, zu einem
wichtigen Artikel in einer Fachzeitschrift etc." (Thomas Pleil, Das Textdepot)

Bisher werden im deutschsprachigen Raum Social Networks kaum in PR und Marketing genutzt. Hierbei geht es natürlich nicht darum, die eigenen Presseinformationen nochmals zu verwerten und einfach in Foren, Blogs und Wikis zu platzieren, sondern direkt an den Online-Gesprächen teilzunehmen.

Wie nutzen Sie die Potenziale des Social Networking? Ist Ihnen der Aufwand zu groß oder halten Sie die Netzwerke generell eher für überbewertet?

>> Center Networks: When Does a Social Network Become a "Publicity Network"?

Klaus Eck