Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Network Publishing statt Pressemitteilung?

1 Minuten Lesedauer

Wozu noch eine Pressemitteilung verschicken, wenn man seine Kunden, Influencer und Journalisten über Facebook, Xing und Twitter direkt erreichen kann? Professor Thomas Pleil bezeichnet das in einem Blogartikel als "Publikationsnetzwerk" und ist der Ansicht, dass dort eine Publikation künftig sogar eine Presseinfo ablösen könnte. Allerdings dürfte ein solches Network Publishing nur dann medienwirksam sein, wenn die Journalisten ebenfalls im Social Networking versiert sind und selbst twittern, bloggen und xingen. Erst
dann kann ein angeteaserter Link auf die Pressemitteilung oder Unternehmensbotschaft seine vollständige Wirkung entfalten. Heute ist es in erster Linie ein zusätzliche Marketing- und PR-Kanal, nicht mehr und nicht weniger.

Bislang ist das Network Publishing sicherlich eher Zukunftsmusik, was Pleil auch betont, aber die ersten
Melodien werden von einzelnen Powernetworkern wie Robert Scoble bereits angestimmt. Der Ex-Microsoft-Oberblogger und Autor
des Buchs "Naked Conversations" hat immerhin bei dem Microblogging-Service Twitter rund 6.500 Leser und bei Facebook 5.000
Freunde. Angesichts dieser Kontaktzahlen stellt sich sein Social Network weniger als Freundesnetzwerk dar, sondern
ähnelt vielmehr einem öffentlichen Online-Publishing-Channel, über den der amerikanische Web 2.0 Evangelist  seine Community direkt erreichen kann.
Ab einer gewissen Größenordnung kann ein Social Networking-Tool durchaus als neue Publikationsform verstanden werden. Wenn jemand seine Inhalte via Netzwerk einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, sollte man daher auch von einem Network Publishing sprechen. Das ist sowohl bei Twitter
wie auch bei Facebook durchaus möglich.

Allerdings finde ich es müßig, darüber zu spekulieren, ob man via Social Media Publishing noch Journalisten erreicht.
Letztlich dienen die Twitter- und Facebook-Dialoge in erster Linie dem direkten Austausch untereinander und werden hierzulande erst wenige Journalisten erreichen. Aber natürlich
ist es jederzeit möglich, in diesen neuen Kanälen für sich und sein Unternehmen Aufmerksamkeit zu erzielen. Schon alleine deshalb sollten PR-Profis mit den neuen Möglichkeiten experimentieren:

"RSS sollte für Presseinfos eigentlich selbstverständlich sein. Fragt
sich, ob es darüber hinaus sinnvoll ist, in Social Networks zu
publizieren. Ich meine: ja. Eine Gruppe, wie ich sie skizziert habe,
könnte Branchentreffpunkt werden. Noch wichtiger: Unternehmen/ NGOs
sollten dort nicht ausschließlich auf ihre Presseinfos verweisen,
sondern auch mal einen Link zu einer neuen Marktstudie veröffentlichen
oder zu einer interessanten Diskussion im Corporate Blog, zu einem
wichtigen Artikel in einer Fachzeitschrift etc." (Thomas Pleil, Das Textdepot)

Bisher werden im deutschsprachigen Raum Social Networks kaum in PR und Marketing genutzt. Hierbei geht es natürlich nicht darum, die eigenen Presseinformationen nochmals zu verwerten und einfach in Foren, Blogs und Wikis zu platzieren, sondern direkt an den Online-Gesprächen teilzunehmen.

Wie nutzen Sie die Potenziale des Social Networking? Ist Ihnen der Aufwand zu groß oder halten Sie die Netzwerke generell eher für überbewertet?

>> Center Networks: When Does a Social Network Become a "Publicity Network"?

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

5 Replies to “Network Publishing statt Pressemitteilung?”

  1. Hallo,
    von der Idee her sicher gut, vor allem, wenn im Rahmen einer „Open Social“-Anwendung z.B. eine Pressemitteilungs-Applikation heraus kommt.
    Ob diese Meldungen dann aber nicht evtl. in der Fülle der Publikationen unter gehen, steht auf einem anderen Blatt.
    Aber generell finde ich es gut, wenn neben einem normalen Pressmailing auch andere Kanäle – je nach Zielgruppe – angesprochen werden.
    hRelease ( –> http://www.brianoberkirch.com/2007/07/05/hrelease-me/ ) ist ja wohl leider untergegangen.
    Viele Grüße aus Frankfurt,
    Steffen

  2. In der PR wird es womöglich einen Trend zur „Pull-PR“ geben, denn Presseinformationen können im Web an unterschiedlichen Plätzen angeboten werden und müssen nicht mehr versandt werden. Hier wäre der Einsatz in
    Netzwerken sehr sinnvoll, um geschickt auf interessante Angebote (sei es eine schnöde Pressemitteilung oder eine multimediale Show) hinzuweisen. Hier, in der Verbreitungsweise, sehe ich eine Veränderung in der PR. Aber Informationen als solche werden die Medien immer brauchen, egal über
    welche Kanäle. Pressemitteilung adé? So ein Quatsch.
    Ein weiteres Thema, das man aber mit obigem nicht vermengen sollte: Über Network Publishing haben Unternehmen – vor allem klein- und mittelständische – eine große Chance wahrgenommen zu werden, ohne den schweren Weg Gatekeeper „Journalist“ passieren zu müssen. Klar, dazu ist keine Presseinfo nötig.

  3. Ich sehe das so wie Doris: mit Sicherheit wird es auf absehbare Zeit Pressemitteilungen geben – ohne wird man nicht auskommen. Aber für KMU ist das Network Publishing sehr interessant – wenn das Konzept und die Zielgruppe passen.
    Bei San Lorenzo läuft das momentan in Italien in Verbindung mit Unternehmens-Blogs sehr gut – nun nehmen wir Anlauf in Deutschland, und versuchen, meine obige Ausage zu verifizieren!

  4. @Doris: In der Überschrift kommt die Frage der Pressemitteilung etwas schief überspitzt daher. Was ich meine, ist im ersten Satz des Beitrags aber eigentlich ausgedrückt: Es geht mir um die Verbreitung von Informationen. Dass irgendwo eine Presseinfo stehen muss, auf die ich dann via Facebook, Twitter etc. hinweisen kann, ist klar.
    Zwei Aspekte nebenbei: Ich kann diese Distributionskanäle auch nutzen, um Infos, die ich nicht als Presseinfo herausgebe, sondern z.B. in einem Blog veröffentliche, bekannt zu machen. Und was die Zukunft der Presseinfos betrifft: Klar werden sie auch weiterhin gebraucht. Würden ein paar weniger produziert, wäre es jedoch sicher auch kein Schaden.

  5. Hallo Klaus,
    Vielen Dank für Dein interessantes Posting „Network Publishing statt Pressemitteilung“.
    Ich möchte hier vor allem aus der geschichtlichen Perspektive Europas anknüpfen und die Frage stellen „Volksdemokratien statt absolutistischen Monarchien“.
    Wir wissen ja alle, dass es im europäischen Mittelalter, ausser der helvetischen Militärdemokratie (nur Soldaten waren in den Landsgemeinden der 13 alten Orte zugelassen), nur Monarchien gegeben hatte, wobei einige wohl sehr absolutistisch gewesen sind.
    Ähnlich sehe ich auch heute noch die Massenmedien, nämlich als absolutistische Monarchien, während ich nun die sozialen Massenmedien als Volksdemokratien betrachtet haben möchte.
    Zurück zum Thema „Network Publishing statt Pressemitteilung“ möchte ich auf Mark Zuckerbergs social graph verweisen und meinte, dass wir im „Network Publishing“ eine viel präzisere Segmentierung hätten als bei üblichen Pressemeldungen, was ja letztlich auch den Unternehmen dient, die solche Pressemeldungen vorziehen.
    Die völlig unsegmentierten Pressemeldungen, welche über eine NZZ, eine Frankfurter Allgemeine oder sonst irgend ein Medium erfolgen, sehe ich schon eher als ein Ausläufermodell der vergangenen Zeit der industrillen Revolution, nicht mehr jedoch des Informations- und Kommunikationszeitalters, wo wir viel präziser informieren können als eben ehemals.
    Gruss
    Lucas
    Swiss Business Club

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