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ARD/ZDF-Onlinestudie 2007: Gibt es doch weniger deutsche Blogger?

40,8 Millionen Deutsche ab 14 Jahren nutzen hierzulande zwar das Internet, aber interessieren sich im Vergleich zu den Einwohnern anderer europäischer Länder bisher wenig für das Bloggen. 8,36 Prozent der Onliner lesen Blogs nur;  2,64 Prozent sind darüber hinaus auch noch aktiv als Blogger. 89 Prozent verzichten sogar ganz auf das Lesen von Blogs. Das ergab die ARD/ZDF-Onlinestudie 2007. Dafür wurden im April 2007 insgesamt 1.820 Erwachsene in Deutschland befragt. Drei Viertel der Onliner (72 %) dient das Internet in erster Linie als Informationsbeschaffungskanal. Als Unterhaltungsmedium sehen es nur wenige (14 %). Aktuelle Nachrichten, Service- und Verbraucherinformationen sowie regionale Inhalte sind hierbei ganz besonders gefragt.

Das Mitmach-Web bleibt hinter den öffentlichen Erwartungen (zumindest vieler Blogger) zurück. Zwar haben bereits 47 Prozent einmal die Wikipedia genutzt, doch aktiv waren gerade einmal 6 Prozent der Onliner. Nicht anders verhält es sich bei den Videoportalen. Während 34 Prozent derlei Portale besucht haben, haben erst 7 Prozent einen Film hochgeladen. Und erst 2 Prozent der Befragten haben sich einen Avatar in einer virtuellen Welt wie Second Life aufgebaut.

Für die ARD/ZDF-Medienkommission scheinen die Ergebnisse beruhigend zu sein. Denn wie bisher werden die hochwertigen Informationen bei den Fernsehsendern vermutet. Diese bauen ihre Marken auch im Internet aus. So meint stellvertretende Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission und Intendant des Hessischen Rundfunks, Dr. Helmut Reitze: "Die Menschen erwarten, dass die Inhalte, die sie seit Jahrzehnten an unseren Fernseh- und Hörfunkprogrammen schätzen, auch im Internet verfügbar sind. Dieser Forderung kommen wir mit unseren Multimedia-Angeboten nach, zum Beispiel auf ard.de, das-erste.de und tagesschau.de, sowie mit den Multimedia-Angeboten der Landesrundfunkanstalten. In unserer ARD Mediathek, die wir als Showcase auf der IFA vorstellen, bündeln wir all diese Angebote."

Etwas gewundert hat mich beim Lesen der Onlinestudie, dass bei der Nutzungshäufigkeit ausgewählter Web 2.0-Angebote keine Zahl bei der täglichen Lektüre von Weblogs steht. Gibt es wirklich niemanden, der mindestens einmal am Tag Blogs liest? Oder sind solche Blog-Leser einfach eine absolute Ausnahme?

Im Vergleich zu anderen Blog-Studien sind die Blog-Zahlen erheblich niedriger. Vermutlich sind sie näher an der Wirklichkeit als viele andere Annahmen. Das zeigen mir auch die bekannten Abrufzahlen einiger populärer Blogs. Optimistisch für die weitere Entwicklung der Blogosphäre stimmen mich die möglichen Wachstumsraten: So ist das Interesse daran, selbst aktiv Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen, von 2006 (25%) auf 2007 (31 %) gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (7 %) werden Blogs 2007 häufiger genutzt (11 %). Der Anteil der passiven Nutzer von Blogs ist ebenfalls weiter gestiegen. 76 Prozent der Blog-Leser rufen nur die Beiträge ab, betreiben aber keine eigenen Blogs und schreiben auch keine Kommentare. Nur ein Viertel der Blog-Besucher ist selbst aktiv. Das entspricht meinen Erfahrungen in Blog-Projekten. Letztlich zeigt die Onlinestudie mir deutlich, dass wir uns hierzulande erst am Anfang des Weges sind und viele Erwartungen der Vergangenheit (sicher auch meine eigenen), was die Schnelligkeit der Entwicklung angeht, einfach überzogen waren. Hierbei war sicherlich des Öfteren der Wunsch der Vater des Gedanken.

>> ARD – ZDF Onlinestudie
>> Telagon Sichelputzer: Online-Studie: 2,64 Prozent der Deutschen sind Blogger
>> off the record: Bloggt da wer?
>> Trice.de: Unbedeutende Blogs
>> Media Perspektiven (ausführliche Informationen zur Studie als PDF)
>> Das Textdepot: Online-Studie: Eher Infobeschaffung als Unterhaltung

Klaus Eck