Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

ARD/ZDF-Onlinestudie 2007: Gibt es doch weniger deutsche Blogger?

1 Minuten Lesedauer

40,8 Millionen Deutsche ab 14 Jahren nutzen hierzulande zwar das Internet, aber interessieren sich im Vergleich zu den Einwohnern anderer europäischer Länder bisher wenig für das Bloggen. 8,36 Prozent der Onliner lesen Blogs nur;  2,64 Prozent sind darüber hinaus auch noch aktiv als Blogger. 89 Prozent verzichten sogar ganz auf das Lesen von Blogs. Das ergab die ARD/ZDF-Onlinestudie 2007. Dafür wurden im April 2007 insgesamt 1.820 Erwachsene in Deutschland befragt. Drei Viertel der Onliner (72 %) dient das Internet in erster Linie als Informationsbeschaffungskanal. Als Unterhaltungsmedium sehen es nur wenige (14 %). Aktuelle Nachrichten, Service- und Verbraucherinformationen sowie regionale Inhalte sind hierbei ganz besonders gefragt.

Das Mitmach-Web bleibt hinter den öffentlichen Erwartungen (zumindest vieler Blogger) zurück. Zwar haben bereits 47 Prozent einmal die Wikipedia genutzt, doch aktiv waren gerade einmal 6 Prozent der Onliner. Nicht anders verhält es sich bei den Videoportalen. Während 34 Prozent derlei Portale besucht haben, haben erst 7 Prozent einen Film hochgeladen. Und erst 2 Prozent der Befragten haben sich einen Avatar in einer virtuellen Welt wie Second Life aufgebaut.

Für die ARD/ZDF-Medienkommission scheinen die Ergebnisse beruhigend zu sein. Denn wie bisher werden die hochwertigen Informationen bei den Fernsehsendern vermutet. Diese bauen ihre Marken auch im Internet aus. So meint stellvertretende Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission und Intendant des Hessischen Rundfunks, Dr. Helmut Reitze: "Die Menschen erwarten, dass die Inhalte, die sie seit Jahrzehnten an unseren Fernseh- und Hörfunkprogrammen schätzen, auch im Internet verfügbar sind. Dieser Forderung kommen wir mit unseren Multimedia-Angeboten nach, zum Beispiel auf ard.de, das-erste.de und tagesschau.de, sowie mit den Multimedia-Angeboten der Landesrundfunkanstalten. In unserer ARD Mediathek, die wir als Showcase auf der IFA vorstellen, bündeln wir all diese Angebote."

Etwas gewundert hat mich beim Lesen der Onlinestudie, dass bei der Nutzungshäufigkeit ausgewählter Web 2.0-Angebote keine Zahl bei der täglichen Lektüre von Weblogs steht. Gibt es wirklich niemanden, der mindestens einmal am Tag Blogs liest? Oder sind solche Blog-Leser einfach eine absolute Ausnahme?

Im Vergleich zu anderen Blog-Studien sind die Blog-Zahlen erheblich niedriger. Vermutlich sind sie näher an der Wirklichkeit als viele andere Annahmen. Das zeigen mir auch die bekannten Abrufzahlen einiger populärer Blogs. Optimistisch für die weitere Entwicklung der Blogosphäre stimmen mich die möglichen Wachstumsraten: So ist das Interesse daran, selbst aktiv Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen, von 2006 (25%) auf 2007 (31 %) gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (7 %) werden Blogs 2007 häufiger genutzt (11 %). Der Anteil der passiven Nutzer von Blogs ist ebenfalls weiter gestiegen. 76 Prozent der Blog-Leser rufen nur die Beiträge ab, betreiben aber keine eigenen Blogs und schreiben auch keine Kommentare. Nur ein Viertel der Blog-Besucher ist selbst aktiv. Das entspricht meinen Erfahrungen in Blog-Projekten. Letztlich zeigt die Onlinestudie mir deutlich, dass wir uns hierzulande erst am Anfang des Weges sind und viele Erwartungen der Vergangenheit (sicher auch meine eigenen), was die Schnelligkeit der Entwicklung angeht, einfach überzogen waren. Hierbei war sicherlich des Öfteren der Wunsch der Vater des Gedanken.

>> ARD – ZDF Onlinestudie
>> Telagon Sichelputzer: Online-Studie: 2,64 Prozent der Deutschen sind Blogger
>> off the record: Bloggt da wer?
>> Trice.de: Unbedeutende Blogs
>> Media Perspektiven (ausführliche Informationen zur Studie als PDF)
>> Das Textdepot: Online-Studie: Eher Infobeschaffung als Unterhaltung

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

9 Replies to “ARD/ZDF-Onlinestudie 2007: Gibt es doch weniger deutsche Blogger?”

  1. Vorsicht: Umfrage! Ich schätze, dass 8o Prozent der Blogleser gar nicht wissen, dass es sich bei den Inhalten auf ihren Screens um ein „Blog“ handelt. Und warum sollte sie das auch interessieren?

  2. Völlig richtig. Viele kennen Blogs noch immer nicht wirklich, insofern gibt es hierbei eine große Unschärfe. Aber generell gilt, dass die ARD/ZDF-Onlinestudie sehr renommiert ist und von den Stakeholdern gelesen und wahrgenommen wird. Selbst wenn man die Zahlen in Frage stellt und dieses sogar berechtigt ist, bleiben sie in der Welt und werden von vielen Entscheidern als relevant betrachtet.

  3. Ich bin auch ein großer Fan dieser Umfrage: Allerdings weniger von den jeweils aktuellen Daten als den Zahlen im Längsschnitt. – Wie dem auch sei: Jeder, der sich *professionell* Statistiken aus Umfragen anschaut, sollte zumindest eine gewisse Portion Wissen über die extreme Fehleranfälligkeit dieser Methode mitbringen.

  4. Ja, Unschärfen besitzen solche Studien leider immer. Dennoch ist _diese Studie wohl eine der besten zum Thema.
    Neben den von Klaus bereits erwähnten Aspekten finde ich aus PR-Sicht besonders wichtig, dass etwa jeder dritte Onliner Video-Portale wie YouTube nutzt und etwa 15 % der Onliner private Netzwerke wie MySpace. Diese sind in Bezug auf die Nutzungszahlen also wichtiger als Blogs – was allerdings keinen Rückschluss auf die Wirksamkeit aus PR-Sicht zulässt. Vermutlich ist es aber sinnvoll, in einer Web 2.0-Strategie mindestens auf zwei Web 2.0-Anwendungen zu setzen (also z.B. Business Blog + YouTube-Kanal).

  5. Ich finde die Überlegungen oben nicht schlüssig. Was mir immer wieder in den Beurteilungen solcher Umfragen fehlt ist die Beachtung des Long-Tail-Gedankens. Für mich sieht es durchaus wie ein Erfolg aus, wenn 5 % der Onliner Blogs lesen. Das ist genau der Nischenwert, der den Blogs im Medienmix zusteht. Deswegen würde ich da auch nicht auf riesige Zuwachsraten setzen… die Effekte des Bloglesens sind dann doch sowieso nachgelagert: Jemand zitiert den Beitrag in einem „Nichtblog“, ein anderer greift es auf etc. Also: Keine Panik.

  6. Ich stimme Björn Storyblogger zu. Einerseits ging ich immer davon aus, dass es nur eine kleine sechsstellige Anzahl von aktiven Blogs deutscher Sprache gibt, andererseits sind alle Omnibusstudien, die ich kenne, ungefähr auf einem ähnlichen Niveau bei der Leseranzahl von Blogs usf.
    Blogs haben aus PR-Sicht m.E. eine Funktion in der vertikalen Kommunikation, also in klaren Nischen. Guckt euch beispielsweise die Biertesterinnen gerade an. Toll. Aber unter reinen Reichweitengesichtspunkten irrelevant.
    Und andererseits sind Social Networks seit Jahren eine wichtige Bühne in der Kommunikation, da haben wir – ebenfalls seit Jahren – auch schon einige sehr positive Erfahrungen gesammelt. Ebenso mit Videoportalen.
    Insofern auch zu Thomas Pleil die Anmerkung: Als _Instrument_ ist alles, was mit Web 2.0 zu tun hat, dann interessant, wenn es das Ziel meiner Kommunikation unterstützt (das muss ich allerdings kennen). Anders ist es bei diesen Dingen als Resonanzboden und als eben stattfindende Gespräche. Aber das ist noch mal ein ganz großes Fass….

  7. @storyblogger @Wolfgang
    Immerhin sind es ja sogar 11 Prozent der Onliner, die laut der Studie Blogs lesen, was wirklich nicht schlecht ist. Hingegen schreiben relativ wenige selbst.
    Eine Online-Studie wie diese ändert sicher nicht etwas grundsätzlich an dem Sinn einer Kommunikationsstrategie, die die Blogs einbezieht, aber sie wird bei einigen Entscheidern die vorhandene Skepsis vergrößern, weil Studien oftmals nur selektiv wahrgenommen werden. Hierbei bedient die ARD/ZDF-Studie das Vorurteil, dass Blogs ohnehin nur etwas für Minderheiten sind und kaum gelesen werden.
    Dass die Web 2.0-Kommunikation noch ganz andere Möglichkeiten aufweist, die manchmal auch über eine Nischenbetrachtung hinausgeht, wird in der Studie nicht deutlich und war auch nicht deren Fokus. Wer für sein Corporate Blog kein Konzept hat, sollte es manchmal sicherlich lieber bleiben lassen. Letztlich entscheiden das ohnehin die Leser, die uns Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.

  8. Sehe ich auch so.
    Ich denke, wir sind auch bei den anderen Punkten alle auf einer sehr ähnlichen Linie. Deshalb habe ich auch betont, dass die reinen Nutzungszahlen von Blogs nicht auf deren Wirksamkeit schließen lässt. Da ist der Long Tail-Gedanke absolut wichtig – und natürlich hängt alles vom Kommunikationsziel ab.
    Was ich (durchaus auch selbstkritisch) aus den Zahlen gefolgert habe, ist, dass noch viel mehr als bisher diskutiert werden sollte, welche Rolle z.B. YouTube etc. in einer PR-Strategie spielen kann – und welche eben nicht. Denn die in absoluten Zahlen intensivere Nutzung von YouTube im Vergleich zu Blogs muss bei weitem nicht bedeuten, dass Videos auch aus PR-Sicht wichtiger als Blogs sind sind. Da sind wir dann bei Wolfgangs Punkt.

  9. Das sind ja noch etwas schlechtere Zahlen als Vorgängerstudien vermuten lassen. Guter Artikel und interessante Diskussion.
    Zwei weitere Aspekte würde ich gerne ansprechen und zwar die Vorreiter-Funktion von Blogs innerhalb des Mediensystems, also Themen und Fakten als Erstes aufgreifen zu können, bevor sie durch andere Medien in den Mainstream diffundieren, sowie die Themenwahl bei Blogs. Solange die Blogosphäre hauptsächlich über sich selbst schreibt wird das nicht nur wenige andere Medien, sondern auch wenige aussenstehende Leser interessieren. Dabei sind Blogs auch gute Medien für Live oder Direktberichterstattung (z.B. die zahlreichen Liveblogs von Apple’s „and the beat goes on“ vor wenigen Tagen)
    Und insbesondere Corporates haben die Möglichkeit die Veröffentlichung von Nachrichten (nach internen Zielgruppen) über ihren Blog zu beginnen und mit leichter Verzögerung an klassische Medien weiterzugeben. So wird die Community der Blogger und deren Leser (early-adopter) mit leichter Priorität angesprochen um schließlich auch erweiterte Zielgruppen zu erreichen.

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