buble arrow3

Apple: Vier Milliarden Dollar Verlust durch Mundpropaganda

Wenn die Erwartungen an ein Produkt oder Unternehmen hoch sind, können diese sehr schnell enttäuscht werden. Auf Fakten kommt es dabei nicht immer an. Manchmal ist es das für Unternehmen sogar schon mit herben finanziellen Einbußen verbunden, wenn durch virtuelle Mundpropaganda auch nur der Anlass eines Zweifels entsteht.

Das mussten erst kürzlich die Apple-Aktionäre erleben, als das populäre US-Blog "Engadget" am vergangenen Mittwoch eine Falschmeldung aufnahm und darüber berichtete, dass sich der geplante Juni-Termin für den US-Start des iPhones nicht
eingehalten werden können. Dieses Gerücht genügte, um die Aktienkurse für kurze Zeit um immerhin 3 Prozent nach unten zu schicken. Es entstand innerhalb von Stunden ein Verlust von bis zu 4 Milliarden Dollar, ohne dass die Engadget-Meldung schon verifiziert war.

Es ist nun wirklich nichts Neues, dass die Börse von Fantasien angetrieben wird; doch dass Blogs signifikante Kurzentwicklungen auslösen können, ist überraschend. Bislang entstanden derlei Gerüchte eher in Forenwelten. Doch natürlich sind die Blogs in gewisser Weise geadelt worden. Sie erzielen viel mehr mediale Aufmerksamkeit und sind manchmal sogar von ihrer Reichweite her nicht einmal von Medien zu unterscheiden – wie im Falle Engadget.

Wer sich heute bei Google Finance über Apple informieren möchte,
erhält auf der Plattform neben den offiziellen Informationen und den
Nachrichtenseiten zahlreiche Hinweise auf Blogs. Dazu hat Google seine Blogsuche "Google Blog Search"
in den Dienst integriert. Es macht es den Anlegern einfacher, über die Gerüchte- und Newswelt den Überblick zu behalten. Allerdings stellt sich angesichts derartiger Entwicklungen mir die Frage, welches börsennotiertes Unternehmen es sich
auf die Dauer noch leisten kann, Blogs zu ignorieren, zumal wenn sie sehr schnell zum Auslöser von Kursbewegungen herhalten können…

Im Manager-Magazin fragt Matthias Kaufmann außerdem: "Wie kann man ein Unternehmen vor einem derartigen Kommunikations-GAU
schützen? Wo doch schon Apple die Geheimhaltung so pflegt. Oder wäre
das mit einer offeneren Unternehmenspolitik nicht passiert?" Gerade börsennotierte Konzerne, die die ersten Gehversuche ins Web 2.0 wagen, benötigen hierbei Aufklärung. Denn welche Auswirkungen hat eine "Radikale Transparenz" (Wired) in einem derartigen Fall für die weitere Unternehmensentwicklung. Das hiesige Börsenrecht hält hierbei sicherlich einige Stolpersteine bereit, die den Juristen Kopfschmerzen bereiten dürften.

>> Engadget: False alarm: iPhone NOT delayed until October, Leopard NOT delayed again until January
>> Maniacmind:
Blog Engadget.com schadet Börsenkurs von Apple
>> Engadget:Regarding yesterday’s Apple news
>> Robert Basic:
die Engadget-Apple Affäre und mögliche Konsequenzen?
>> Manager-Magazin: Blogger schreiben Kurssturz herbei (guter Überblick über die ganze Apple-Geschichte)

Klaus Eck