buble arrow5

Springer: Die Nerven liegen blank

Blanke Nerven, Buh-Rufe für den Vorstand, deftige Beleidigungen und Selbstzensur: "Springer kommt nicht zur Ruhe".

Die Sätze sitzen:

“Die 68er haben K.D, gezwungen, als Chefredakteur der Bildzeitung nach
Auffassung des Berliner Landgerichts “bewusst seinen wirtschaftlichen
Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer” zu ziehen. Die
68er zwingen ihn noch heute, täglich auf der Seite 1 eine Wichsvorlage
abzudrucken, und überhaupt auf fast allen Seiten die niedrigsten
Instinkte der Bild-Leser zu bedienen, gleichzeitig aber scheinheilig
auf der Papst-Welle mitzuschwimmen.”

Der Autor Alan Posener ist kein unbekannter Blogger, schreibt auch nicht für den Bild-Blog, sondern ist der Chefkommentator der Zeitung "Die Welt", die wie die Bild-Zeitung im Axel-Springer-Verlag erscheint. Posener hat sich auch schon früher mit Kritik an der Schwester Bild, die die seit Jahren Verluste schreibende Welt "finanziert", nicht zurückgehalten. Und Springer hat erstaunlicherweise auch Sätze wie diese bis zum heutigen Tag toleriert:

Im Kommentar auf Seite 2 schreibt Georg Gafron: "Die Menschen hier
fühlen sich ganz überwiegend der christlich-abendländischen Kultur
verbunden…" Was Bild darunter versteht, sieht man unter dem
Islam-Artikel, wo ein Bild-Leser-Gedicht neben der üblichen
Seite-1-Wichsvorlage abgedruckt ist:"Verloren in deinem heißen Schoß / Wird mein Liebesschwert ganz groß"

(Alan Posener auf debatte.welt.de am 28. September 2006 in "Warum kuscheln wir vor dem ISLAM?")

Doch diesmal ging der deftige Kommentator zu weit. Der Beitrag über den Bild-Chefredakteur ist nicht mehr online und ganz öffentlich lässt eine Verlagssprecherin ausrichten:

"Dies ist die Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters. Der Beitrag
von Alan Posener über Kai Diekmann ist ohne Wissen der Chefredaktion in
den Weblog von Alan Posener gestellt worden. Der Beitrag ist eine höchst unkollegiale Geste und entspricht nicht den Werten unserer Unternehmenskultur. Bei Axel Springer gilt Meinungspluralismus, aber nicht Selbstprofilierung durch die Verächtlichmachung von Kollegen."

War das jetzt eine Entgleisung, die durchaus auch eine fristlose Kündigung wert gewesen wäre? Oder ist das ein Einschnitt in die vom Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit? Diskutieren Sie mit.

>> Spiegel: STREIT BEI AXEL SPRINGER. "WamS"-Kommentarchef attackiert "Bild"-Chefredakteur
>> Turi2: Alan Posener: Wir sind Papst. – Dokumentation des Posener-Textes
>> Technorati-Ergebnisse zu Alan Posener

Bernd Pitz