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Krieg 2.0

Neue Kommunikationswege haben den Krieg in der ganzen Welt revolutioniert. Thomas Rid erläutert in der Wochenzeitung "Die Zeit" auf profunde Art und Weise einen neuen Trend in der Militärstrategie: die netzwerkbasierte Kriegsführung. Demnach beruht die moderne Netzwerk-Kriegführung auf die eigenen Internetkontakte, die die Soldaten, Guerillias und Terroristen jeweils untereinander pflegen. Längst haben sich die Soldaten im Gefechtsfeld von ihrer Führung emanzipiert und setzen online auf das Social Networking.

"US-Soldaten im Feld knüpfen eigene Internetkontakte – die Konkurrenz jedoch, also der militärische Gegner, hat die Nase vorn. Die Gefechtsführung – besonders bei der Organisation und Niederschlagung von Aufständen wie im Irak und in Afghanistan – ist im Begriff, sich auf ähnliche Weise zur Basisangelegenheit zu entwickeln wie die Film- und Freundesplattformen YouTube oder MySpace. Die User selbst bestimmen den Inhalt, die Kombattanten den Kriegsverlauf. Willkommen im Krieg 2.0." (Thomas Rid, Die Zeit)

Bereits im Jahr 2000 haben vier US-Hauptleute die Community CompanyCommand gegründet, um praktische Probleme über Kompaniegrenzen hinweg untereinander diskutieren zu können. Dazu erhielten sie von offizieller Seite weder die Erlaubnis noch eine finanzielle Unterstützung. Dennoch sind heute 6.200 Offiziere auf der Diskussionsplattfrom als Mitglieder eingetragen. Insgesamt gibt es sogar eine Millionen Seiten, auf denen sich Soldaten mit ihrem Profil, Bild, Lebenslauf und Erfahrungshintergrund eingetragen haben. Inzwischen gibt es ähnliche Projekte auch vom US-Militär selbst.

Doch auch die Dschihadisten im Irak und Afghanistan nutzen das Web 2.0 für ihre Kriegsführung. So stellen Al-Qaida-Aktivisten eine umfassende Enzyklopädie des Dschihad online bereit, die Informationen über Sprengkörperbau, Kleinwaffen, Minen, Aufklärungstechniken, Spionage, Sabotage und Befragungstaktiken enthält. Rid sieht in diesen Entwicklungen einen tödlichen "Technologietransfer zwischen den grausamsten Schlachtfeldern der Welt. Die Qualität sowie die Anzahl der Anschläge in Afghanistan und im Irak steigen, getrieben von unten durch militante Start-ups."

Das War Social Networking hat eine ganz eigene Dynamik entwickelt, so dass es heute nicht einfach ist, gegen die netzwerkbasierte Arbeit von Terroristen vorzugehen. Denn die anonymen Netzwerke sind wesentlich stabiler und weniger verwundbar als zentralistische Organisationen.

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Klaus Eck