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Das Ende der PR-Agenturen?

Die Meldung der CMA lässt PR-Agenturen den Schweiß auf der Stirn gefrieren. Fünf PR-Agenturen verlieren ihren Job, darunter Weber Shandwick, Ketchum und Pleon Kohtes Klewses. Die Begründung der CMA: „Das Know-how haben wir bei uns im Haus.“ Wenn die CMA sich zu einem solchen Schritt entschließt, dann könnten andere Unternehmen bald folgen. Daher stellt sich die brennende Frage: „Sind PR-Agenturen zukünftig überflüssig?“ Und wenn ja: Was sind die Gründe dafür? Haben die PR-Agenturen ihre Pfründe nicht genug verteidigt, haben sie nicht genug damit geworben, welche Leistung sie erbringen können – oder liegt es einfach daran, dass sich die Medienlandschaft und damit die Kommunikationsaufgaben drastisch verändern?

Fakt ist: Die neue Medienmechanik hat deutliche Auswirkungen auf die PR. Wir werden mehr Kommunikatoren und Informationslieferanten brauchen. Für Weichspüler und Imageverkäufer brechen schlechte Zeiten an: In Zeiten von Web 2.0 kann ein positives Image nur noch dann vermittelt werden, wenn es von einem Unternehmen stammt, das Ehrlichkeit praktiziert. Das "Weichspülen von Informationen" wird eine Todsünde der Zukunft sein. Nur dann kann man den veränderten Kommunikationsanforderungen mit Erfolg begegnen.

Die starren PR-Konzeptschmieden können der Dynamik der neuen Medien nicht standhalten. Konzepte, gerade fertiggestellt, landen aufgrund mangelnder Aktualität direkt im Mülleimer. PR-Agenturen müssen noch näher ran an den Kunden. Sie müssen noch mehr kommunizieren und dürfen sich nicht hinter vermeintlich wichtigen Konzepten verschanzen. Unternehmen brauchen keine maßgefertigten Konzepte für die halbe Ewigkeit. Sie brauchen Berater, die ihnen beibringen, wie sie ehrliche Kommunikation betreiben können, um den rasanten Anforderungen der schnellebigen neuen Medienwelt gerecht zu können. Das braucht Mut, Kraft und Kondition. PR-Leute könnten als Kommunikations-Motivations-Fittnestrainer punkten (wobei sie den Unternehmensberatern in die Quere kommen). Sie müssen ihren Kunden beibringen selbst zu kommunizieren – schnell, ohne mehrwöchiges Abstimmungsprozedere mit PR, Media- und Anzeigenabteilungen. Sie müssen ihren Kunden klar machen, dass sie in Zukunft „sportliche Bodys“ brauchen, keine maßgeschneiderten PR-Anzüge. Dass sie in Zukunft mehr selbst kommunizieren müssen.

Haben PR-Agenturen noch Zukunft? Ja, aber die Aufgaben werden andere sein. Wir haben die Pflicht, diese Aufgaben zu gestalten. Dann gibt es auch künftig genug zu tun für PR-Agenturen.

Heike Bedrich, Talisman & Doris Eichmeier