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StudiVZ in der Kritik

In vielen nichtdeutschsprachigen Ländern fragt man sich erneut, warum ein seltsames deutsches Kunstwort wie Studivz seit einigen Tagen bei der Blogsuchmaschine Technorati eines der am häufigsten gesuchten Begriffe darstellt. Insgesamt weit über 1.500 Ergebnisse bietet die Blogsuche allein im deutschsprachigen Bereich. Heute hat das Studenten-Social-Network sogar den ersten Platz in Technoratis "Top Searches" erhalten. Der Facebook-Klon ist bereits seit einigen Wochen in der Blogosphäre umstritten, weil es in der Vergangenheit zahlreiche Pannen in der Öffentlichkeitsarbeit gab. Inzwischen haben auch klassische Medien wie der "Spiegel" die Blog-Kritik aufgenommen und damit wieder einmal deutlich gemacht, wie sich einzelne Issues aus den Blogs heraus in die Medien bewegen.

Einer der Gründer, Ehssan Dariani, machte immer wieder negative Blog-Schlagzeilen, weil er auf grobe Art und Weise Nazi-Witze machte, anscheinend wenig von Persönlichkeitsrechten hält (Videos von fremden Frauen einfach online stellte), renommierte Journalisten wie Peter Turi unverhältnismäßig in seinem Weblog angriff und auch sonst nicht besonders geschickt mit Kritik umgehen kann und deshalb manchmal lieber auf Zensur im StudiVZ-Blog setzte.

Angesichts aktueller Verkaufsgerüchte kommt die öffentliche Auseinandersetzung um die Unternehmenspolitik des jungen Start-ups zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Selbst das öffentliche Mea Culpa des Gründers ("Ich habe viel Mist gebaut.") und seine zahlreichen Entschuldigung en wirken in meinen Augen nicht besonders glaubwürdig, sondern eher aus der Not geboren, betrachtet man seine bisherigen Blog-Beiträge, die noch immer abrufbar sind. Für den erneuten Vertrauensaufbau ist bei weitem mehr gefordert.

Das Social Network StudiVZ hat am 11. November sein 1 Millionstes
Mitglied begrüßt, insgesamt rund 50 Mitarbeiter und wird unter anderem
von Holtzbrinck Ventures und dem European Founders Fund GmbH (Marc,
Oliver und Alexander Samwer, die auch Jamba und Alando – Ebay
Deutschland – gegründet haben) finanziert.

Einen sehr guten Überblick über die ganze Geschichte bieten der
Spiegel-Online-Artikel über StudiVZ und auf Englisch das Kasi-Blog.

Professionelle PR und (inzwischen Krisen-PR) sieht wirklich anders
aus. Bisher haben sich die Widersprüche mit jeder weiteren öffentlichen
Auseinandersetzung um StudiVZ weiter potenziert. In anderen Unternehmen
wären vermutlich schon längst personelle Konsequenzen gezogen worden,
aber noch ist die Studenten-Community noch kein Börsen-Kandidat wie
andere Social Networks (siehe Xing). Hierbei kann man dem
Ex-Jamba-Pressesprecher Thilo Bonow, der dafür die Verantwortung bei StudiVZ innehat, nur sehr viel Glück wünschen.

>> Spiegel Online: Richard Meusers: GRÖSSTE STUDENTEN-COMMUNITY. Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf
>> StudiVZ: Offener Brief: Fehler und Verantwortung
>> Werbeblogger:StudiVZ Quickflip taumelt schwer nach rechts
>> Spreeblick: StudiVZ Spendenaktion
>> Kasi-Blog:StudiVZ – The glamour is fading (or a chronic on how lack of PR can ruin a good idea)

Klaus Eck