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Was alles passieren kann, wenn man seinen Kunden viel Freiraum lässt,
zeigte die Kampagne für den neuen Chevrolet in den USA. Im März 2006 rief
General Motors (GM) auf einer eigenen Internetsite dazu auf, einen 30-Sekündigen Werbespot
für den Chevrolet Tahoe zu gestalten. GM setzte bei dieser Kampagne
auf die Strategie, dass möglichst viele User den selbstgestalteten Werbespot im
Freundes- und Bekanntenkreis weiterschicken würden. Also, ein klassisches
Beispiel für Virale Marketing. Die Resonanz der User war gigantisch. Allerdings nutzen
einige Umweltschützer die selbstproduzierten Spots dazu, General Motor für die
globale Welterwärmung verantwortlich zu machen. Clips, wie der folgende verbreiteten sich in wenigen Tagen und sorgten somit für mehr Aufmerksamkeit als die
gewünschten positiven Werbebotschaften.

Die Kampagne wurde in vielen
amerikanischen Blogs diskutiert, bis das Thema von den klassischen Medien
aufgegriffen wurde. Der Autohersteller GM wurde vor allen Dingen deshalb kritisiert, weil er die negativen
Spots sofort von der Site genommen hat, obwohl sich das Unternehmen öffentlich dagegen ausgesprochen hatte. In der offiziellen Begründung
hieß es dann, dass die Spots auf Grund der Verwendung von Schimpfwörtern gelöscht wurden. Interessanterweise wurde die Kampagne von GM im Nachhinein als absolut erfolgreich bewertet.

Laut interner Statistik hat die Kampagne über 4 Millionen
Seitenabrufe gebracht und zu über 400.000 Usern geführt. Unter allen
eingesendeten Clips haben 84 Prozent ein positives Image vom Unternehmen
transportiert, somit haben laut GM nur 16 Prozent der eingesendeten Werbespots
den hohen Benzinverbrauch von Sports Utility Vehicle (SUV)
thematisiert. Ein Ergebnis, das sich zunächst erstmal sehen lassen
kann. Die Verkaufszahlen sagen jedoch etwas ganz anderes. So
wurde der Chevy Tahoe seit dem Start der Kampagne über 40 Prozent weniger
verkauft. Ob das an den vielen negativen Spots gelegen hat, die sich
ihren Weg durch das Internet bahnten, bleibt reine Spekulation. GM ließ
die Kritik über den erhöhten Energieverbrauch ihres Geländewagens
jedoch nicht einfach unter den Tisch fallen. In ihrem Unternehmensblog Fastlane
beantworteten GM-Mitarbeiter technische Fragen und erklärten, dass sie
im Namen des Unternehmens durchaus bemüht sind, ihre Modelle nach den
bestmöglichen Umweltstandards zu konstruieren.

Leider besteht heute, noch nicht mal drei Monate später, kein Zugriff mehr auf die Site der Kampagne.
So stellt sich mir die Frage, wenn die Aktion doch angeblich so positiv verlaufen ist, warum diese Zurückhaltung?

Verena Schmunk