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Business Blogoskop (3)

Dieses PR Blogger Blogoskop widmet sich der Zukunft der Verlage, erneut den Blog-Krisen und der Meinungsmacht der Blogger sowie der Aufmerksamkeit, die einige Blogexperten erhalten.

Die “taz”
will laut der aktuellen Ausgabe der “Welt am Sonntag” eigene Watchblogs anbieten. Es soll zwar keinen Verschwörungs-Blog auf taz.de geben, verspricht
der dafür zuständige Mathias Bröckers in der WamS, aber eine Reihe von Watchblogs, die Unternehmen,
Politikern oder Medien auf die Finger schauen. Thomas Mrazek meint dazu: "Das kann interessant werden, erwiesen
sich doch bisher die meisten Medien-Blogs als Rohrkrepierer."

Peter Turi geht sogar einen Schritt weiter: In seinem Blogartikel "Bye, bye, Print", entwickelt er gleich "12 Thesen zur Zukunft der Verlage". Seine erste lautet dabei: "Das etablierte Printgeschäft wird den Zeitschriften- und
Zeitungs-Verlagen in den nächsten zehn Jahren um die Ohren fliegen. Wer
jetzt nicht den Einstiegs in die digitalen Media-Communities schafft,
verspielt seine Zukunft." Letztlich bliebe den etablierten Verlagen zwar ein Window of Opportunity, doch das können diese schnell verspielen.

Gerade die aktuellen Krisenfälle in der Blogosphäre (Transparency, Euroweb) haben gezeigt, welchen Einfluss Blogs auf die Meinungsbildung nehmen können, ohne dass dazu Journalisten als Gatekeeper benötigt werden. Wenn Unternehmen noch nichts von Bloggern gehört haben und sich ihnen gegenüber falsch verhalten, kann das für diese katastrophale Kommunikationsfolgen haben. Sie werden nach Ansicht von Nico Lumma dann "von der geballten Linkmasse der Blogosphäre getroffen und
haben dann nicht mehr einen PR-technischen Brandherd zu löschen,
sondern unzählige. … Solange
Suchmaschinen ein Gradmesser dafür sein sollen, welche URLs wichtig für
ein Thema sind, wird die Linkmacht der Blogs dafür sorgen, dass ein
PR-Gau ganz lange nachklingen wird."

Robert Basic bietet gemeinnützigen Organisationen inzwischen sogar einen Blog-Beratungsschein
ein, der sich eigentlich schon mit dem Lesen seines Blog-Artikels
einlösen lässt. Außerdem stellt er in seinem Text die berechtigte
Frage, was denn passiert wäre, wenn Transparency International selbst
bloggen würde. Mit einem Corporate Blog hätte das NGO immerhin einen
"zentralen Anlaufpunkt auf
gleicher Augenhöhe" gehabt, die einen offeneren Dialog und eine
Chancenkommunikation ermöglicht hätte.

Jörg-Olaf Schäfers setzt sich mit dieser Macht der Blogger in Medienrauschen kritisch auseinander und fragt in seinem Text "Von Rudeln und Reaktionen" auch nach der Verantwortung, die A-Blogger durch ihre Meinungsmacht längst haben: "Der Input kommt vom A-Lister des Vertrauens per RSS/Gießkanne, weiter geht es dann vor allem in der eigenen Kuschelgruppe."

Doch nicht nur in der Krisenkommunikation spielen Blogs eine zunehmend größere Rolle. Unternehmen können von Blogs durchaus profitieren, wenn sie es richtig für sich einsetzen. Denn Journalisten recherchieren viel online. Darüber freut sich "angeblichen Experten etwa für Coffeeshops,
Kaffee, Bier, Schokolade, homosexuelle Zielgruppen der Gastronomie, Wirtshausschilder, die Generation 50plus usw." entdeckt haben. Aufgrund seiner positiven Blog-Erfahrungen rät er den Gastronomen und eigentlich allen Unternehmern: "Von Journalisten gefunden zu
werden, ist glaubwürdiger und effizienter als die Welt mit
Pressemitteilungen voll zu müllen oder sich Journalisten aufzudrängen…. Stellen Sie auf Ihrer
Website außergewöhnliche Inhalte bereit und markieren Sie sich damit
als Experte."

Fredrik Wackå, ein international anerkannter Blogexperte, hat jetzt leider sein renommiertes PR-Blog CorporateBlogggingBlog aufgegeben. Ab sofort will sich der Schwede mehr der skandinavischen Blogosphäre widmen. Das englische Blog landet auf dem Blog-Friedhof, soll aber zumindest als Archiv weiterbestehen. Ich bin gespannt, wie viele weitere Blog-Archive in Zukunft noch entstehen werden.

Dafür gibt es in der PR Blogger-Szene einen amüsanten Neuzugang: In den USA haben die nackten "Tatsachen" des neuen Blogs Strumpette von Amanda Chapel für viel Wirbel gesorgt. Es hat mit seinem Motto "A Naked Journal of the PR Business" sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und nicht nur für wohlwollende Reaktionen gesorgt.

Klaus Eck