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Jamba, Euroweb und nun Transparency

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Deutschland hat ihre Krisenkommunikation anscheinend nicht mehr so ganz unter Kontrolle. Zumindest vermittelt die "Negativ-PR in eigener Sache" diesen Eindruck. Innerhalb nur weniger Tage wurde aus dem Issue "Moni versus Transparency" ein klassisches Medienthema. Auf Focus Online lautet die heutige Schlagzeile: "Transparency International: Der selbst gemachte PR-GAU" und findet anscheinend seine Leser: Er gehört zu den auf Focus Online am besten bewerteten Artikeln des Tages. Die Netzeitung fasst es ganz einfach zusammen: "Transparency International
hat ein Blog-Problem"
.

Als Johnny Häusler seine Spreeblick-Satire über Jamba schrieben hatte, belächelten noch viele die Blogger. Es vergingen mehrere Wochen, bis der Blog-Artikel und die Blog-Diskussion von den "ernsthaften" Medien aufgegriffen worden ist. Der Spreeblick-Blogger hatte seinen kritischen Jamba-Artikel im Stil der "Sendung mit der Maus" am 12. Dezember 2004 veröffentlicht und damit negative Reaktionen auf Seiten des Klingeltonanbieters ausgelöst. Innerhalb von wenigen Tagen verbreitete sich das Thema in der deutschen Blogosphere. Doch es dauerte noch bis zum 10. Januar 2005, bis es wirklich auf der öffentlichen Agenda war. Dann brachte der Spiegel einen Artikel über die Auseinandersetzung Jambas mit den Bloggern und macht das Issue auch für viele weitere Tages- und Wochenzeitungen zu einem attraktiven Thema. Dass Reaktionen auf Seiten der Krisen-PR heute schneller erforderlich sind, zeigte auch der Fall Euroweb: Der Düsseldorfer Web-Dienstleister Euroweb hatte im März 2006 mehrere Blogger und Forenbetreiber abgemahnt und sorgte ebenfalls für Kontroversen, weil er keinen direkten Dialog zu seinen Kritikern zu suchen schien.

Statt sich auf eine offene Kommunikation mit den Kritikern und den nachfragenden Journalisten einzulassen, wollte auch das NGO Transparency International Deutschland diesmal keine (offene) Stellung zu der in vielen Blogs und Foren diskutierten Entlassung einer Mitarbeiterin beziehen, obwohl das jeder via Google-Recherche nachvollziehen kann. In  Blog-Suchmaschinen wie Technorati ist Transparency International zurzeit das häufigste Suchwort. Und auch in der Wikipedia gibt es bei der Beschreibung des NGO’s eine kleine Anmerkung  zu dessen "Umgang mit den Kritikern".

Im Umgang mit der Presse scheint die Geschäftsführerin Dagmar Schröder von Transparency International mit großer Nervosität agiert zu haben. Denn auf Anfrage von
Focus Online wollte sie noch am
Montagnachmittag jede inhaltliche Stellungnahme vermeiden:

"Da es sich um
Personalangelegenheiten handele, sei sie zur Verschwiegenheit
verpflichtet und könne noch nicht mal mitteilen, welche Aussagen im
ersten Blog-Posting unwahre Behauptungen gewesen seien. Die
Verschwiegenheitspflicht hielt nur wenige Stunden. Noch am Montagabend
veröffentlichte die Organisation eine Pressemitteilung, in der die
angeblich so schützenswerten Personalangelegenheiten detailliert
ausgebreitet wurden: Dass die einstige TI-Mitarbeiterin, deren
Arbeitsverhältnis nach der Probezeit endete, bei 20 Wochenstunden eine
Vergütung von 1000 Euro brutto monatlich erhielt, dazu detailliert ihre
weitere Gehaltsforderung. All diese Einzelheiten hätte TI nach
Eigenverständnis gar nicht veröffentlichen dürfen – auch Justiziar
Marten hatte zuvor gegenüber FOCUS Online auf die verschiedenen
Persönlichkeitsrechte verwiesen." (Focus Online)

>> PR Blogger: Der Fall Transparency International I
>> Netzeitung: Transparency International
hat ein Blog-Problem

>> Tagesschau: Meinungsäußerung oder falsche Fakten?Transparency International im Clinch mit Weblogs
>> Golem: Interview: Transparency hat ein Blog-Problem. Transparency International fordert Löschung eines unliebsamen Blog-Eintrags
>> Robert Basic:Transparency D: Eine Chronologie der Selbstvernichtung?
>> Lawblog: Udo Vetter: Gestörtes Verhältnis
>> 24stunden.de: Kommentar zum Tagesschau-Artikel: Keiner hat die Fakten geprüft
>> Der Fall Jamba im PR Blogger