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Ein erster Rückblick auf 2005

In wenigen Tagen beginnt die besinnliche Zeit. Sie bietet die Möglichkeit, über einige Dinge nachzudenken und ein Ressümee für das Jahr 2005 zu ziehen, welches viele Überraschungen mit sich gebracht hat. Als ich im Juli 2004 den PR-Blogger gestartet habe, hätte ich nicht erwartet, dass er auf so viel positive Resonanz treffen würde. Darüber freue ich mich natürlich und bedanke mich auch bei allen PR-Blogger-Autoren und Lesern.

Von Ende 2004 bis ins Frühjahr 2005 hinein ist der Klingeltonanbieter Jamba zum ersten größeren Blog-Fall in Sachen Krisen-PR geworden und beherrschte auch unsere Blog-Themen: Im PR-Blogger gab es dazu eine eigene Jamba-Serie, die sich mit PR-Krise auseinandersetzte. Tim Fischer ist in dem von ihm und Arnold Picot vor kurzem herausgegebenen Buch "Weblogs professionell" auf den Fall ausführlich eingegangen. In dem digital vorliegenden Buchbeitrag "Die Entwicklung von Weblog Issues am Beispiel des Klingeltonanbieters Jamba" (PDF) zeigt
er, welchen Einfluss Blogs auf das Agenda-Setting nehmen
können. Seither hat es viele kleinere und größere Blog-Krisen gegeben. Dabei spielten Blogs manchmal Neben- und manchmal Hauptrollen: Zu den bekanntesten Fällen zählen sicherlich die "Du-bist-Deutschland"-Kamagne, über die es in Technorati bereits mehr als 6.850 Blog-Artikel gibt. Andererseits zeigte die “Du-bist-Deutschland”-Kampagne auch die Ohnmacht der Blogs (LobbyControl) auf.

Selbst wenn Blogs in der Krisen-PR sicherlich noch keine zentrale Rolle spielen, ist in dem vergangenen Jahr vielen Kommunikationsprofis erstmals klar geworden, dass es sinnvoll ist, Blogs zu beobachten und auf ihre Relevanz hin zu überprüfen. Besonders leicht wird es den PR-Agenturen hierbei nicht gemacht. Denn herkömmliche Monitoring-Werkzeuge geraten schnell an ihre Grenzen, wenn unklar bleibt, welches Blog eigentlich wirklich relevant ist. Im Prinzip ist ein einzelnes Blog nichts im Vergleich zur Wirkung, die der Blog-Schwarm – die Blogosphere – entfalten kann, wenn ein Thema auf die Agenda gesetzt wird, was alle tatsächlich interessiert.

Deutlich wurde das auch bei gänzlich anders gelagerten Krisenthemen. Sowohl der Golfkrieg wie zuletzt die zahlreichen Katastrophen des Jahres 2005 zeigten, dass die individuelle Betroffenheit viele zum Bloggen veranlasst. So haben nach dem Tsunami in Südostasien zahlreiche Blogger als Augenzeugen im Januar 2005 direkt aus den verwüsteten
Tsunami-Gebieten berichtet und durch ihre subjektiven Eindrücke einer
breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer sich heute die  Einträge bei Technorati anschaut, findet rund 320.000 Blog-Artikel zum Tsunami. Weitere Kastrophen ließen 2005 nicht auf sich warten.Und jedesmal wurden sie von Blogartikeln und -Initiativen begleitet. Die Bombenanschläge in London waren in den Medien und Blogs schnell wieder vergessen. Anders war es bei New Orleans. Als die amerikanische Stadt in den Fluten versank, stieg gleichzeitig die Zahl der Blogger, die sich im Sommer 2005 mit der damals beinahe virtuell wirkenden Stadt und den Folgen
des Hurrikans Katrina
wochen-, wenn nicht gar monatelang beschäftigten.

In gewisser Weise scheinen die Blogs die Medienberichterstattung zu ergänzen, sie um subjektive Sichtweisen zu ergänzen und um neue Themenfelder zu bereichern. Insofern nimmt der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit zu. Ich bin gespannt, wie sich die Leser in 2006 entscheiden werden. Ob sie bereit sind, einen Teil ihres Medienbudgets für Blogs zu opfern oder den klassischen Medienanbietern die Treue halten?

Klaus Eck, econcon