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Wikipedia ohne Kontrolle

Wikipedia könnte an der Offenheit seines eigenen Konzeptes scheitern, heißt es heute in der Tageszeitung "Die Welt". Schließlich können Links- und Rechtsradikale genauso wie Marketingprofis zu jeder Zeit die Wikipedia-Artikel willkürlich ändern. Dadurch würden sich "mehr und mehr Ungereimtheiten, Fehlinformationen, Verdrehungen,
Propaganda und Lügen in dem Online-Nachschlagewerk" häufen. Manchmal wirkt der Ansatz der Neutralität oder Objektivität der Wikipedia beinahe naiv. Wer sich schnell über die Wikipedia informieren will, erhält meiner Ansicht nach in der Regel zwar sehr gute Ergebnisse, sollte aber durchaus kritisch mit den Inhalten umgehen. Letztlich stellt sich die Frage der Glaubwürdigkeit genauso bei jedem Blog-, Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel. Insofern unterscheidet sich das gar nicht so sehr voneinander.

Doch in mehr als einer Hinsicht erweist sich auch der kritische Welt-Artikel "Aus Prinzip ohne Kontrolle" als sehr einseitig: Viral Marketing sei demnach eine "Beeinflussung der
öffentlichen Meinung durch gezielt gestreute Informationen". Kein Wort davon, dass sich richtige Informationen auch via Viral Marketing verbreiten können, ohne dass eine manipulative Absicht dahinter steckt. Die digitale Mundpropaganda untergräbt jedenfalls nicht per se die Glaubwürdigkeit von Informationen.

"Große Werbeagenturen bieten Kunden ganz offen an, die
Webpräsenz zu stärken, indem sie bestimmte Themen und Produkte in
öffentlichen Foren plazieren. In Spanien veröffentlichte der
Marketingexperte Steve Rubel vor wenigen Tagen eine detaillierte
Anleitung zum Manipulieren speziell von Wikipedia." (Die Welt)

Der amerikanische PR Blogger Steve Rubel hat übrigens seine Meinung nicht (nur) in Spanien (?) publiziert, sondern (auch) in seinem Weblog Micro Persuasion vorgestellt: Ten Wikepedia Hacks. Was ist eigentlich daran so schlimm, die Möglichkeiten aufzuzeigen, die die Wikipedia jedem bietet?

Klaus Eck