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Blogger stürmen die Festung

Keine Illusionen über das Bloggen sollten sich Medienleute machen. Je mehr das Bloggen Teil des Mainstreams wird, desto mehr Veränderungen wird das auch für die Content-Produzenten in den Medienhäusern haben. Drastischer drückt es Frank Bajak aus:

"Most aren’t worth our time. But plenty of
these real-time diarists can’t be ignored as they second-guess and
otherwise hound professional journalists like no in-house fact-checkers
ever would or could. – As such, they are beating down the walls of the media establishment."

Bajak sieht ein neues Medienzeitalter aufbrechen, dass die Macht der Massenmedien in Frage stelle. Demnach wären die Blogger quasi die Hunnen, die die Festung des Römischen Reiches stürmen und somit das Establishment auflösen. Ob Blogger wirklich so mächtig sind, darüber mag man streiten. Jedenfalls bin ich keineswegs der Ansicht, dass Bloggen per se zu einer Demokratisierung (oder Feudalisierung – wie Bajak meint) der Medienwelt führen muss. Aber Blogs können die Medien verändern und wieder interaktive Elemente in der Berichterstattung fördern.

In gewisser Weise gibt es tatsächlich ein Konkurrenzverhältnis
zwischen Bloggern und klassischen Medienproduzenten. Es geht letztlich
immer um die Aufmerksamkeit der Leser, User oder Zuschauer. Wer  seiner
Zielgruppe das richtige  Angebot machen kann, erreicht sie besser. Das
hat natürlich Auswirkungen auf die Zeit, die jemand mit der Lektüre von
Online-News, Blog-Artikel, Zeitungen, Zeitschriften oder dem TV-Konsum
verbringt. Und kann sich durchaus auch wirtschaftlich bemerkbar machen: 

"Web publishers and bloggers are already stealing readers, advertisers
and classifieds. Particularly for young people, journalism has become,
in the words of NYU professor and PressThink.org blogger Jay Rosen,
more of a conversation than a lecture." (Bajak)
 

 

Wer weiterhin (als Verlag oder Blogger) seine Leser an sich binden will, sollte sich von der reinen Erscheinungsform trennen. Papier und Buchdeckel sind etwas Feines, Haptisches, auf das viele Leser nicht verzichten wollen. Das müssen sie auch gar nicht. Es geht es nicht um die crossmediale Nutzung von Content, sondern um die Entscheidung des Lesers für ein Medienformat. Wenn er seine Inhalte online lesen will, soll er dies auch können.

Genausowenig ist es von Interesse, ob der Content in einem Weblog oder in einem News-Angebot eines Verlages zu finden ist. Stattdessen zählen die Glaubwürdigkeit des Verfassers und die Qualität des Inhaltes. Bajak bringt es ganz gut auf den Punkt:

"In our business, as my boss, AP chief executive Tom Curley, observed
recently, what matters now is not the container but the content. That
may sound self-serving from a news wholesaler, but I can tell you that
most of the information I process, books and magazines excepted, is in
electronic form and delivered to my e-mail inbox via RSS feed." (Bajak)

>> MercuryNews: Frank Bajak: Memo to media establishment: Ignore blogs at your peril