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7. Nachgebloggt: Heiko Hebig, Six Apart

In diesem BlogInterview äußert sich Heiko Hebig, Six Apart, Geschäftsleiter Deutschland, zu den Themen Livejournal, Kommentarspam, MoBlogging und Corporate Blogs.

>> Du nutzt nicht nur beruflich Weblogs, sondern bloggst bereits seit einigen Jahren unter www.hebig.com. Was macht den Reiz des (privaten) Bloggens eigentlich aus?

HeikopicMit dem Bloggen habe ich im April 2000 angefangen, als ich noch bei Icon Medialab gearbeitet habe. Damals verschickte ich in regelmäßigen Abständen E-Mails an meine Kollegen mit ausgewählten Informationen zu Start-Ups, CMS und Communities. Daraus ging mein Weblog hervor.

Von der starken Vernetzung der Blogger untereinander habe ich häufig profitiert und interessante Erfahrungen sammeln können. Das Networking hat mein Weblog über die Jahre am Leben erhalten. Darüber habe ich sehr interessante Menschen kennengelernt und sogar meine jetzige berufliche Tätigkeit bei Six Apart gefunden.

>> Vor kurzem hat Six Apart www.Livejournal.com übernommen. Welche Ziele verfolgt Ihr damit?

Unser TypePad-Dienst wächst sehr schnell. Inzwischen betreiben einige unserer Partner eigene Weblog-Services auf Basis von TypePad, dem noch große Partnerschaften in Europa folgen werden. Danga (die Firma hinter LiveJournal) verfügt über ein enormes Know-How im Umgang mit hochskalierbaren Community-Plattformen mit Millionen von Nutzern. Im Kern basieren jedoch Movable Type, TypePad und LiveJournal jeweils auf der gleichen Technologie. Six Apart und Danga ergänzen sich ideal. Wir wollen gemeinsam die besten Weblog-Dienste und -Communities mit den interessantesten Funktionalitäten anbieten.

>>Niemand mag in seinem Weblog Kommentarspam. Jetzt hat Google als Lösung eine Erweiterung des HTML-Standards vorgeschlagen, der den Hyperlinks in den BlogKommentaren die Relevanz im Google Ranking nimmt. Aus welchen Gründen hat sich Six Apart sofort der  Anti-Spam-Initiative angeschlossen?

Es gab im Vorfeld einen Dialog zwischen den großen Dienstbetreibern, Software-Herstellern und marktführenden Suchmaschinen. Aus Sicht der Suchmaschinen-Betreiber schien die NoFollow-Lösung praktikabel und relativ einfach und schnell umsetzbar. Dem haben wir natürlich zugestimmt und uns der Anti- Kommentarspam-Inititative angeschlossen. Six Apart hat Millionen von Weblogs. Deshalb ist es uns wichtig, dass Spammer nicht auch noch vom Suchmaschinen- Ranking profitieren.

>> Diese Kommentar-Spam-Lösung trifft nicht nur auf Zustimmung bei den Bloggern? Wie erklärst Du Dir das?

Teilweise kann ich die Kritik verstehen, andererseits ist die Kritik manchmal völlig überzogen oder verwischt die Tatsachen. Natürlich wird Kommentar-Spam nicht über Nacht aufhören, nur weil wir die NoFollow-Initiative unterstützen. Und die Überschrift "Preventing Comment Spam" im GoogleBlog war vielleicht auch nicht besonders glücklich gewählt, da NoFollow dem Kommentar-Spam nicht einen Riegel vorschiebt, sondern das Spammen lediglich nicht mehr belohnt. Trotzdem halte ich NoFollow  für einen Schritt in die richtige Richtung.

Die Kritik kam hauptsächlich von aktiven Bloggern, die technisch mit der Materie vertraut sind und ihre Weblogs sowieso regelmäßig pflegen, eventuell sogar BlackLists einsetzen oder andere Lösungen zum Spam-Schutz. Für diese Blogger bringt NoFollow wenig Neues. NoFollow ist kein absoluter Spam-Schutz. Den gibt es leider (noch) nicht.
Dass NoFollow die Verbreitung von freier Meinungsäußerung unterbindet, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Niemand wird dadurch in seiner Meinungsäußerung eingeschränkt. Und dass die Suchmaschinen nun dank NoFollow Weblogs filtern könnten, stimmt so auch nicht. Erstens ist NoFollow nicht auf Weblogs beschränkt, zweitens wäre das dank RSS-Feeds und anderer Weblog-spezifischer Merkmale auch schon vorher möglich gewesen.

>>Six Apart arbeitet beim mobilen Bloggen unter anderem eng mit Nokia zusammen. Welche Bedeutung hat das MoBloggging? Und was macht den Reiz daran aus, via Handy BlogBeiträge zu verfassen?

Moblogging geht immer und überall. Niemand muss dazu am
Schreibtisch sitzen. Jeder kann beim Moblogging unterwegs sein und
seine Beiträge auf Reisen, Konzerten, oder Messen ins Weblog stellen.
Die neue Handygeneration kommt mit integrierten Kameras, die brauchbare
Qualität und kreative Freiräume bieten. Man kann Fotos veröffentlichen
oder Videos, aber auch Audio-Daten oder einfach nur Text. Viele
Netzwerk-Betreiber gehen zudem dazu über, preislich interessante
Datentarife anzubieten. In diesem Gefüge ist Moblogging eine tolle
Mitteilungsform, ähnlich der SMS, aber angereichert mit audiovisuellen
Elementen.

>> Six Apart arbeitet mit einigen Verlagen zusammen, die Weblogs einsetzen. Welchen Nutzen haben Verlage davon?

Einige Verlage nutzen Weblogs als neues Medienformat und
erschließen sich darüber neue Themenfelder. Über die
Kommentarfunktionalität und die TrackBacks ermöglichen sie zudem ihren
Lesern eine direkte Interaktion mit der Redaktion.

Andererseits können Verlage ihren Leser mit Hilfe von Blogs einen
interessanten Mehrwehrtdienst anbieten. So können bei der Zeitung
LeMonde die Leser und Journalisten gleichermaßen unter der Markte
LeMonde ihre Blog-Beiträge veröffentlichen. Die derzeit beliebtesten
LeMonde-Weblogs werden sogar von den Lesern verfasst.

>> Welche Bedeutung haben Corporate Weblogs generell?

Die Anzahl von Corporate Weblogs wächst sowohl im Internet
wie auch im Intranet zurzeit stark. Wir wissen aus Gesprächen, dass
sich derzeit weltweit die Konzerne mit Weblogs auseinandersetzen.
Einige Unternehmen sehen in Weblogs eine ideale Ergänzung zur PR,
andere wollen sie für Marketing-Konzepte nutzen oder tun dies bereits.
Natürlich steht und fällt der Erfolg eines Weblogs mit dem Konzept und
einer plangemäßen Umsetzung. Insofern unterscheiden sich Weblogs nicht
von anderen Kommunikationsmaßnahmen. Wenn ein Weblog nicht authentisch
ist, wird es nicht erfolgreich sein.

>> Wie siehst Du die weitere Entwicklung von Weblogs?

Im Weblog-Markt ist derzeit sehr viel Bewegung und es gibt
sehr viele interessante Ideen. Es bleibt also spannend, wer die
nächsten Impulse liefern wird und wie sich diese auf unsere Dienste und
Software auswirken werden. Ich würde mich persönlich darüber freuen,
wenn eines Tages meine Eltern ein Weblog schreiben würden mit Berichten
und Fotos aus der Heimat. Die technischen Hürden sind nicht mehr allzu
hoch, und wir arbeiten daran, dass das Bloggen für jedermann noch
leichter wird.

(Six Apart ist ein Kunde meiner Agentur econcon.)

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