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Forrester gibt neues Magazin heraus

Neue Chancen für High-Tec-Magazine? In den vergangenen Monaten sind einige neue Business-Magazine an den Start gegangen: Red Herring (wieder aufgelegt), Tech Confidential und AlwaysOn. Und ganz neu angekündigt mit immerhin drei Ausgaben im Jahr: das Magazin "Forrester".

Eigentlich setzen Beratungshäuser seit einiger Zeit verstärkt auf Online-Publikationen, so zumindest mein Eindruck. Doch jetzt erläutert ForresterbrinpageCharlene Li im Forrester Weblog, warum ihr Unternehmen ein neues Business-Magazin im klassischen Zeitschriftenformat auflegt. Mich macht das Magazin neugierig, zumal die Titelgeschichte der ersten Ausgabe spannend zu werden verspricht: “Is Your Company Evil”, fragt Forrester und zeigt die beiden Google-Gründer auf dem Cover.

Warum setzen online-affine Unternehmen bei Nischenpublikationen wieder auf Print statt auf (Nischen-)Blogs? Anscheinend kommen viele Menschen nicht ganz ohne etwas Haptisches aus. Aber interessanterweise hat sich der Stellenwert von Print etwas verändert: So heißt es in den Mercury News zu Red Herring: "This time, the print version plays a supporting role to the online version — the opposite of his original Red Herring."  An die ganz dicken Printausgaben der New-Economy-Zeiten denkt heute anscheinend niemand mehr. Die Zeiten sind vorbei.

Und auch bei Forrester scheint man eine realistische Einschätzung und Erwartungshaltung zu haben. So meint Charline Li:

"Forrester’s value comes from our ability to provide ideas
and analysis on the latest technology issues – to say “what it means”
and to inspire clients to think broadly about the impact of technology
on their businesses. My hope is that we’ll be able to extend the
influence of those ideas through new channels like the magazine (and
also this blog)." (Forrester)

Außerdem erklärt Charlene Li in ihrem Forrester Blog, warum ihr Beratungsunternehmen auf ein eigenes Printprodukt setzt:

“Three reasons:
1. Reach. We continue to be amazed at the power of
print
. Despite our own Web-centric behavior, interviews with clients
confirm that many senior decision makers do not go to the Web regularly
for our type of content. But they do read McKinsey Quarterly and
Fortune. A savvy print publication can reach this audience.

2.
Influence. Our research has the ability to influence the business and
technology agenda worldwide, but only if it is read. Our ideas provide
valuable frameworks to get people talking and unconventional approaches
to keeping them talking.

3. Leverage. The magazine will leverage
two key Forrester assets: our extraordinary content and our powerful
and respected brand name. The magazine leverages both by incorporating
the work of top-quality outside writers and thinkers.”

In den Hypezeiten der New Economy sind viele IT-Business-Zeitschriften eingestellt worden. Deshalb beschäftigen sich heute nur noch sehr wenige Printtitel
mit dem Thema Business-Modelle & Internet. Deshalb bin ich der Ansicht, dass Business Weblogs oder andere
Online-Publishing-Angebote längst die Rolle der damaligen Printobjekte in kleinen segmentierten
Märkten und eine sehr wichtige Rolle im Corporate Publishing einnehmen könnten.

Davon geht zumindest der ehemalige Red Herring-Chef Anthony Perkins
aus, der erfolgreich das US-Business Weblog AlwaysOn betreibt:

"Anthony Perkins, one of the leading evangelists of the era
as chief executive of the old Red Herring, thinks that the media that
return to cover the new digital story will take another form. His Web
site, AlwaysOn, combines elements of blogging – the practice of
annotating events in real time on the Web – and social networking,
which allows users of the site to find and interact with one another.
Although he may begin publishing a magazine quarterly based on the Web
site, he says that a paper-based chronicle of business and technology
news will not be the primary source of information." (NYT)

Blogs und Zeitschriften können sich aber gut ergänzen. David Carr ging vor einiger Zeit der Frage nach, ob sich das
Silicon Valley etwa bereits wieder soweit erholt hat, dass die Zeit wieder reif ist für neue Print-Zeitschriften im Stil von Business 2.0, Red Herring, The Industry StandardFast Company oder Wired.
Diese Zeitschriften haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt oder
sind zum Teil nur noch online als Marke existent. Red Herring wurde erst vor kurzem wieder neu ins Leben gerufen. Doch die Märkte und Zielguppen sind kleiner geworden. Das Forrester Magazin soll noch nicht einmal Geld verdienen. Es stellt eher ein Kundenmagazin dar, dass für Forresters Ideen werben soll. Konsequenterweise verzichtet das Magazin ganz auf Anzeigen.

>> Matt Marshall in den Mercury News: Tech mags return, but can they survive?
>> New York Times: David Carr: Storytellers of 90’s Innovation Plan Comebacks, However Modest