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Statements zur Content-Strategie auf dem Content Commerce Camp

In diesem Jahr folgten erstmals Content-Experten dem Ruf Udo Butschineks von ZIMMER 19, um sich in Leipzig auf dem Content Commerce Camp 2014 rund um das Thema Content und E-Commerce auszutauschen. Ich habe mich am Rande des Events  mit einigen der Experten unterhalten und Eindrücke des Barcamps zusammengetragen.

Content wird in der digitalen Welt eifrig diskutiert. Ist eine Veranstaltung, die sich ausschließlich diesem Thema widmet, notwendig? Ja, unbedingt – und es ergeben sich sogar sehr interessante Diskussionen, wenn sich Experten aus dem üblichen Vortragsschema lösen und spontan auf einem Barcamp zwei Tage lang nur über Content-Konzepte im E-Commerce diskutieren. Genau aus diesem Grund hat Udo Butschinek von ZIMMER 19, einem Softwaredienstleister aus Düsseldorf, der sich auf die Verschmelzung von Shop- und Content-Management Systemen spezialisiert hat, für das „Content Commerce Camp“ auf „Frontalunterricht“ verzichtet. In bester Barcamp-Manier trafen sich die Teilnehmer, zu denen Vertreter kleiner, mittlerer und großer Unternehmen gehörten, in den Leipziger Foren, um vor Ort über die Sessions abzustimmen.

Volle Sessions – lebhafte Diskussionen rund um Content

Eine Vielzahl von Experten, sowohl E-Commerce Anbieter als auch Dienstleister, hielten Sessions ab. Darunter Saim Alkan von der Stuttgarter Agentur aexea, Danny Nauth von der Web Arts AG, Philipp Winkelhofer von Sheego / Schwab, Markus Kämmerer von storEmotion und Jörg Schäffer, Senior Director Product Management bei CoreMedia aus Hamburg. Auch eine US-Expertin kam – zwar virtuell, aber live – zu Wort: Content-Strategin Karen McGrane, die unter anderem regelmäßig für die Harvard Business Review schreibt, widmete sich auf dem Barcamp dem Thema “Adapting ourselves to adaptive Content”. Sogar Content zum Anfassen gab es in Form von Brillen von St. Eilen, die Brillen personalisiert in Deutschland herstellen.

Das Barcamp war allerdings nicht lediglich eine Nabelschau von Content-Marketing Experten. Es wurden wegweisende Themen zur besseren Integration von Content in Online-Marketing und E-Commerce Prozesse besprochen. Für Veranstalter Udo Butschinek war es wichtig, nicht zusätzlich den Hype um Content is King zu schüren. Im Gegenteil: „Content Strategy ist in Deutschland nach wie vor erst im Entstehen und die allermeisten Unternehmen haben das Thema – wenn überhaupt – höchstens peripher auf dem Schirm“.

CoreMedia: erlebnisorientierte Shops, die Content und Commerce verbinden

koch_kochmuetze_shutterstock_113156515Gibt es ein Patentrezept für erfolgreichen Content? Bestimmt nicht nur eines, aber es lässt sich erlernen, die passenden Zutaten zu finden – und schnell zum „Content-Chefkoch“ zu werden. Auf dieses Prinzip setzte CoreMedia bei der Konzeption von „The Perfect Chef – Sterneküche für das Web“, einer Art „digitaler Showküche“ für Webinhalte. In seiner Session stellte Jörg Schäffer die Entstehungsgeschichte von „Perfect Chef“ von der initialen Idee bis zur fertigen Umsetzung sowie CoreMedia’s Erfahrungen bei der Umsetzung eines erlebnisorientierten Shops vor. Ziel sei die „Verbindung von relevanten, visuell anspruchsvollen und emotionalen Inhalten und Shopping in Echtzeit“, so der Leiter des Produktmanagements bei CoreMedia.

Im Ergebnis zog Jörg Schäffer ein sehr positives Fazit des ersten Content Commerce Camps, wie er mir im Gespräch mitteilte:

„Klein, aber fein – im Gegensatz zu anderen Barcamps mit mehreren hunderten Teilnehmern war die Zielgruppe in Leipzig sehr fokussiert, sowohl von Anwender- als auch von Anbieterseite. Dennoch fanden an beiden Tagen sehr anregende Diskussionen mit den fachlich hoch qualifizierten Teilnehmern statt. Schöne Location, gute Organisation, nettes Abendprogramm, viel Neues gelernt. So wie man sich das von einem Barcamp wünscht“.

Auf die Frage, ob CoreMedia derzeit spüre, dass eine „Content-Revolution“ im Online-Business um sich greift und auch im Bereich der Content-Management Systeme das Thema Content Marketing an Zugkraft gewinnt, antwortete Schäffer: „Ich persönlich wünsche mir mehr kontextuellen, relevanten und unterhaltsamen Content, der ein Einkaufserlebnis mit echtem Mehrwert für mich als Kunden schafft – und mich mit einer Marke emotional verbindet“.

aexea: „Roboterjournalismus“ ergänzt Arbeit von Redaktionen

Die Erstellung von Inhalten durch „Maschinenhand“ wird im Content-Business immer wieder heiß diskutiert. Können Systeme die Feinheiten der Sprache abbilden? Gefährden „Text-Roboter“ gar Arbeitsplätze in Redaktionen? Dienstleister tun sich schwer, diese Zweifel zu zerstreuen. Saim Alkan, Geschäftsführer von aexea und einer der Sponsoren des Content Commerce Camp, versuchte, mit seiner Session den „Roboterjournalismus“, der für viele „Neuland“ sei, zu erklären und den Teilnehmern „die technischen und moralischen Grenzen der automatisierten Textgenerierung aufzuzeigen“, wie er selbst sagte.

Im Ergebnis ist ihm das gelungen. Einer der Teilnehmer, Oliver Kraft von der sociologics aus Siegen, fand „hochinteressant wie menschlich ein automatisierter Text klingen kann, selbst Rechtschreibfehler lassen sich genau granuliert einbringen“. Für ihn sind die Einsatzszenarien spannend „und Produkttexte sicher nur ein kleiner Teil, vom Newsletter über persönliche Ansprache des Kunden bis hin zu automatischen Rezensionen“. Als besonders hilfreich in der Praxis beurteilte Kraft im Interview mit uns „die Möglichkeit weg vom stumpfen Text übersetzen hin zu einer Neugenerierung in der Zielsprache“.

aexea betreut als Agentur mit ihrer Software-as-a-Service-Lösung „AX Semantics (by aexea)“ Kunden im Bereich der Textgenerierung. Dabei verfolgt aexea einen anderen Ansatz als zum Beispiel wir bei der moresophy. Während wir bei der Strukturierung und Organisation von Inhalten im Rahmen von Content Audits am Beginn der Planung von Inhalten ansetzen, hilft AX Semantics an anderer Stelle der Content-Wertschöpfungskette, nämlich bei der Produktion von Inhalten.

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Die Ansicht, dass der Maschine nicht blind vertraut werden sollte, kann Alkan trotz aller Technologie-Begeisterung nachvollziehen: „Ein gesundes Level an Skepsis gegenüber den Ergebnissen, die wir aktuell am Markt ausliefern und was diese konkret für Konsequenzen nach sich ziehen können“, sei normal – und ein regelmäßiger Austausch mit Kunden und Interessenten daher notwendig. Auf die Frage, ob Technologien Redaktionen gefährden, entgegnet Agenturchef Saim Alkan: „Unsere Erfahrungswerte sind, dass Roboterjournalismus die tägliche Arbeit von Redaktionen effizienter macht. Es geht schlussendlich nicht darum, bestehende Konzepte zu ersetzen, sondern das Angebot am Markt sinnvoll zu erweitern und der redaktionellen Arbeit mehr Relevanz zu verleihen“.

Eine Frage, die mich im Kontext des Gesamteindruckes des Barcamps sehr interessierte: Wie steht eine Agentur wie axea zum Thema Content-Revolution? „Es geht darum, dem Content-Marketing mehr Möglichkeiten zu bieten und diese in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen umzusetzen“ führt Saim Alkan seine Sicht auf die Wirkung der Content-Revolution aus, und ergänzt: „Für uns ist jedoch der Konsument ein viel entscheidenderes Element, das nach einer Revolution schreit. Der Mensch ist ein von Grund auf emotionaler und informationsbedürftiger Empfänger, der Texte als Interpretations- & Entscheidungshilfen nutzt. Je individualisierter und somit auf die Bedürfnisse des Lesers angepasster ein Text formuliert ist, desto eher wird ihn der Leser als wertvoll erachten“.

storEmotion: die sieben Gebote des Emotional Commerce

Wie geht ein Shopbetreiber sein digitales Business emotional an? Was genau bedeutet es, von „Emotional Commerce“ zu sprechen? Markus Kämmerer von storEmotion erläuterte in seiner Session die „sieben Gebote des Emotional Commerce“. Seine Beobachtung: „Das Thema Emotionen und Content sind einfach untrennbar miteinander verbunden, allerdings fällt es den meisten Teilnehmern noch schwer, das in eine passende Strategie zu packen“. Was zeichnet Emotional Commerce aus? „Schon eine Überschrift oder ein Produktname kann entsprechend emotional sein. Der Fahrradpflegehersteller r.s.p. hat einen Kettenreiniger Jacky Chain, einen Fahrradreiniger Muddy Buddy und Glamour Hammer und noch Produkte wie Slick Kick und Bearing Buster – da erzählen schon die Namen eine Geschichte“ nennt der Strategieberater und Coach als einen der Bestandteile.

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Für Markus Kämmerer ist „Content vor allem einmal Mittel zum Zweck“. Dass es wichtig sei, „guten Content zu erstellen“ sei unbestritten. Allerdings wird es nicht zum Erfolg führen, „dann überall ein wenig Content einzustreuen“ Dies sei der Grund für Kämmerer,“warum eine ‚Content-Revolution‘ erst einmal zu kurz greift“, denn: „Wenn ich Content erstellen kann, der emotional auf meine Zielgruppe bzw. Wunschkunden passt und dieser den Menschen einen wirklichen Nutzen schafft, habe ich die Revolution: aus meinen Kunden werden Fans“.

Disclaimer: Mein Unternehmen moresophy war eine der Sponsoren der Veranstaltung

Bildnachweise: “Zentralstadion Leipzig Skyline” flickr.comMatthiasX1, Creative Commons: BY-SA; Shutterstock