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Möge die EXPERIENCE mit uns sein

Die Digitalisierung hat in den letzten Wochen in vielen Bereichen einen immensen Schub bekommen. Davon ausgenommen leider das Schulsystem, das offenkundige Defizite nun als offene Wunden zu Tage trägt. Viele Events, Konferenzen, Kulturveranstaltungen und Messen wurden ins Internet verlagert. Viele Eventformate wurden aufgrund der Ereignisse, mehr oder weniger, eins zu eins in den digitalen Raum verlegt. Einige digitale Formate, wie zum Beispiel Audio/Video Streaming und Webinare/Webcasts haben sich gut etabliert und werden nachhaltig Einzug in Marketing-Portfolios nehmen, ganz ähnlich wie wir es bei Podcasts erleben können.

Digitale Experience

Weniger Nachhaltigkeit für digitale Erlebnisse

Eine neue Akzeptanz in der digitalen Welt scheint greifbar nah: Home Office kann sich nachhaltig als Status Quo im New Work Kontext durchsetzen. Twitter und Facebook reiten voraus und gestehen ihrer Mitarbeiterschaft ein Recht auf dauerhaftes remote Arbeiten ein. Doch plötzlich sehen wir uns wieder mit sehr analogen Fragen konfrontiert: Passt das Bücherregal noch zur nächsten Videokonferenz? Oder soll es doch ein Zoom Hintergrund sein? Ist es schlimm, wenn meine Katze ins Bild schleicht? Und muss ich mich wirklich auch untenrum office-affin anziehen? Fragestellungen, die für die meisten von uns vor einigen Wochen noch irrelevant waren, rücken nun ins Zentrum des neuen Arbeitsmodus.

Analoge Räumlichkeiten verbinden sich mit digitalen Kommunikationsräumen. Die Ära der Live-Kommunikation konnte Erlebnisräume gestalten und die Besucher in Geschichten einhüllen und eintauchen lassen. Architektur, Licht, Musik und vieles mehr erzeugt Experience – immersive Erlebnisse, geteilt mit anderen Menschen. Das gemeinschaftliche Erleben gehört zu den am nachhaltigsten, menschlichen Merkmalen (und ich fange jetzt nicht bei den Lagerfeuergeschichten der Höhlenmenschen an). Sport, Kultur, Live Kommunikation kitzelt durch Inszenierung, Storytelling und gemeinschaftliches Erleben den menschlichen Faktor und erzeugt und reproduziert Gefühle und Erinnerungen. Als Beispiel sei hier das „Überraschungskonzert“ auf den OMR Events zu nennen.

An das letzte analoge Konzert, die letzte analoge Konferenz, die letzte analoge Party kann sich fast jeder erinnern. Vieles im digitalen Raum bleibt jedoch weniger nachhaltig hängen. Frage als Test: Wie viele Podcasts hast du die letzten zwei Wochen gehört?

Experience vom Digitalen ins Analoge und zurück

Das spannendste Projekt, das in den letzten Wochen stattgefunden hat, war der WIRVSVIRUS – ein Hackathon Projekt, unterstützt von der Bundesregierung, welches vom 20.-22. März stattfand und in 48 Stunden 28.361 Menschen zusammen an über 1.500 Lösungen arbeiten ließ. WOW! Diese 28.361 Menschen haben ganz besondere Erfahrungen machen können – wie kraftvoll, inspirierend und real digitale Kollaboration/digitale Erlebnisse sein können.

Im Vergleich zu meiner persönlichen Erinnerung von LIVE AID Konzert 1985 konnte das sehr ambitionierte ONE WORLD: together at home Konzert nur wenig punkten. Obwohl beide Events mit starkem Purpose behaftet sind, fehlte mir einfach der Sieben-Sinne-Reiz eines Konzerts mit Menschen, im Vergleich zu vier Wohnzimmer-Bildausschnitten der Rolling Stones ( für’s Protokoll – kein Fan!).

Digitale Experience

7-Sense-Experience von Live Events

Der Mensch hat sieben Sinne: riechen, schmecken, fühlen, hören tasten, bewegen und das Gleichgewicht halten. All diese werden von den Bereich Messe, Kongress und Konferenz angesprochen. Die Branchen geraten gerade stark unter Druck und in Schwingung. Mein Blick fokussiert die Gamescom im August: Ich schätze, wir dürfen uns auf spannende Umsetzungsformate freuen. Aber auch viele andere Veranstalter werden sich im Digitalen platzieren. Wie werden Sie mit Veranstaltungsstandards wie Eröffnungsfeiern, Networking, Akquise, Kundenkontakt, Präsentation/Werbung und Austausch mit Dienstleistern und Partnern als Online Service Angebote umgehen? Welche Formate und Plattformen werden entstehen? Welches Zusammenspiel aus digitalen und analogen Bestandteilen erzeugt die beste Experience bei Events?

Experience will erzeugt werden und kann sich im digitalen Raum nicht einfach so ergeben. Dies gilt besonders für digitale Eventformate. Die bekannten Formate wie Webinare, Webcasts, Podcasts, Streams, etc. sind noch lange nicht ausgereizt. Hier sind Kreativität und Mut gefragt, um neue spannende Formate zu kreieren.  Warum nicht Webinare und VR und AR kombinieren? Warum nicht Podcasts und andere Formate incentivieren – und Mitarbeiter ins Gespräch kommen lassen mit Stars aus allen Branchen? Die nächste Weihnachtsfeier kommt schneller als man denkt – warum diese nicht als digitalen Incentive mit Stars als Webinar oder Podcast umsetzen? Rein technisch ist bereits jetzt vieles möglich; die Frage ist, wie man bestehende mit neuen kreativen Formaten koppelt, um daraus nicht bloß copy cats zu schaffen, sondern ein Erlebnis.

Digitale Experience

Neue Formate müssen mehr sein als die Summe ihrer Teile

Es bleibt spannend, wie sich die analoge und die digitale Welt im Bereich Event und Livekommunikation in den nächsten Jahren weiterentwickeln und verschmelzen wird. Die gemeinsame analoge Erfahrung auf Messen und Konferenzen zu sein, wird der digitale Raum nicht ersetzen können. Aber es geht auch gar nicht um Ersatz – es geht um eine völlig neue Erfahrung.

 

Bildquellen:
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Photo by Linus Mimietz on Unsplash