buble arrow12

Formt Social Media den Arbeitsplatz der Zukunft?

Wie sieht der „Arbeitsplatz der Zukunft“ aus, wie wird mit Wissen umgegangen und welche Rolle spielt dabei Social Media? Zwei Studien versuchen, darauf Antworten zu geben.

Mit dem Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft haben sich unsere Arbeitsplätze und Arbeitsformen verändert. Auch Informations- und Kommunikationstechnologien haben wesentlichen Anteil an diesem Wandel.

Eine der wesentlichen Fragen lautet: Wie kann in diesen veränderten Bedingungen die „Wissensarbeit“, die Kommunikation und die Zusammenarbeit über die Wertschöpfungskette gelingen? Es scheint, als gebe es dafür noch keinen optimalen Weg. Könnte Social Media die Lösung sein?

Was ist mit „Wissensarbeit“ gemeint? Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) bezeichnet sie als „häufig komplex, wenig determiniert und folglich schwer in vorgegebenen Abläufen standardisierbar. […] Wissensarbeit schafft ständig neues Wissen und baut auf den Erfahrungen anderer auf. […]

Darüber hinaus stellt Wissensarbeit neue Anforderungen an die Arbeitsprozessorganisation, betriebliche Steuerungssysteme [… und] die Gestaltung der Arbeitsplätze“.

Unterstützung durch Technik

In der lesenswerten Fraunhofer-Studie „Information Work 2009“  wurden die Potenziale von Informations- und Kommunikationstechnologien für die Wissens- und Büroarbeit untersucht. Dass darin niemand explizit von „Social Media“ spricht, hängt vermutlich mit dem Erhebungszeitraum der Daten zusammen.

Dennoch wurden bereits zahlreiche Werkzeuge zur Unterstützung der Zusammenarbeit wie Groupware, Document Sharing und Instant Messaging in der Studie berücksichtigt. Und genau das sind Funktionen, die heute von Web 2.0 und Social Media übernommen werden.

Wissensarbeit wird darin anhand folgender Grunddimensionen beschrieben:

  • Komplexität (das heißt vielfältige schwierige Aufgaben, hohes Ausmaß an Koordination, hohe Anforderung an Kommunikation und Kooperation),
  • Autonomie (örtliche und räumliche Mobilität, Flexibilität der Arbeitszeiten, selbständige Arbeitsgestaltung)
  • Neuartigkeit (sich verändernde Aufgabenstellungen, eigenes Wissen muss ständig erweitert werden, häufige Veränderungen im Arbeitsumfeld)

All diese Aspekte werden heute ebenfalls in Zusammenhang mit dem Einsatz von Social Media im Unternehmen angeführt, denn die Nutzung von Social Media fungiert aus Sicht der Praktiker als Katalysator für Kollaboration, Produktivität und Innovation. Ist Social Media also die Lösung?

Auf praxisnahen Veranstaltungen, etwa der Enterprise 2.0 Summit, wird diskutiert, wie Social Media die Wissensarbeit in den Unternehmen unterstützen könnte.

Social Media im Intranet?

Doch der arme Social-Media-Berater seufzt laut auf, denn nicht bei allen Entscheidern stoßen er, Social-Media-Evangelisten und Early Adopter auf offene Ohren – und noch weniger auf umfangreiche Budgets.

Denn leider verbinden die Manager „Social Media im Intranet“ auch an die Datenschutz-Probleme bei Facebook, sie denken an private Facebook-Phänomene und verlieren rasch die Begeisterung – beziehungsweise gewinnen sie erst gar nicht.

Oft sind Gespräche mit Entscheidern schnell beendet, wenn der falsche Begriff gewählt wird. So kommt es gar nicht so weit, über das Potenzial von Social Media für die interne Kommunikation, Zusammenarbeit und Wissensarbeit zu sprechen.

Im Gegensatz dazu haben zahlreiche Gespräche gezeigt, dass Entscheider der Frage nach dem „Arbeitsplatz der Zukunft“ in seiner Gesamtheit wesentlich mehr Bedeutung geben, als den für sie schwer greifbaren Konzepten Web 2.0, Enterprise 2.0 und Social Media.

Weil sich der Einfluss der Entwicklungen  „2.0“ und „social*“ in allen Unternehmensbereichen zeigt, setzen Berater gerne auf Begriffe wie Social Collaboration, Social Intranet, Social Business und Social Workplace. Damit versuchen sie, dem Dilemma der Losgelöstheit von Social Media zu entgehen. Doch der allumfassendere und womöglich unkritischere Begriff in der Praxis ist vermutlich „Arbeitsplatz der Zukunft.“

Der Arbeitsplatz der Zukunft

Vor diesem Hintergrund haben Joanneum-Research – Digital und das Kompetenzentrum – Das Virtuelle Fahrzeug eine umfangreiche Studie durchgeführt, die kürzlich als Buch und Ebook veröffentlicht wurde.

In „Future Workplace – Eine Untersuchung sozio-technischer Einflüsse auf den Arbeitsplatz der Zukunft“ wurden unter anderem 16 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zu Trends, Treibern und Technologien am Arbeitsplatz der Zukunft befragt. Im Folgenden werden einige Ergebnisse aus der Studie vorgestellt.

Die Studie zeigt beispielsweise, dass die meisten befragten Experten der Ansicht sind, dass der physische Arbeitsort auch in Zukunft nicht gänzlich verschwinden wird. Mitarbeiter brauchen immer einen Platz, um ihre sozialen Kontakte mit Kollegen zu pflegen.

Dennoch werden soziale Medien den Arbeitsplatz der Zukunft  wesentlich mitprägen.

Die Arbeit der Zukunft …

  • erfordert eine neue Gestaltung des Arbeitsplatzes, damit Mitarbeiter und damit ihre Unternehmen mehr Kreativität und Innovation hervorbringen können.
  • wird mehr Varianten zulassen müssen, angefangen vom verwendeten Mobiliar, über die Technik bis hin zu organisationalen Rahmenbedingungen.

Noch ein weiter Weg

Es ist noch ein weiter Weg von der festen Arbeit und von starren Arbeitsanforderungen und hin zu flexibleren Organisationsformen. Heute treffen die wesentlichen Enabler für den Arbeitsplatz der Zukunft aufeinander: steigende Verbreitung mobiler Endgeräte, steigender Bekanntheitsgrad sozialer Medien und ihrer Nützlichkeit aus dem privaten Umfeld, Mentalitätswandel der Menschen zum mobilen Arbeiten und die zunehmende Verfügbarkeit von Cloud-Services im privaten Bereich.

Am Arbeitsplatz der Zukunft wird der Zugriff auf Information und Wissen sehr viel offener sein als heute. Es wird aber auch ein viel größeres Informationsangebot geben, welches es zu beherrschen gilt.

Mitarbeiter bewegen sich in Informationsströmen (social activity streams) und generieren ihr persönliches Informationsangebot selbstorganisiert und selbstverantwortlich. Sie bauen sich auch ihre Systemumgebung aus einer Vielzahl an Werkzeugen und Informationsquellen selbst zusammen.

Da der Arbeitsplatz der Zukunft durch unterschiedliche Kommunikationsverhalten geprägt sein wird, muss über alles Kommunizierte eine soziale Transparenz geschaffen werden. Es entsteht ein umfassendes digitales und digitalisiertes Informationsangebot, das über mächtige unternehmensinterne Suchmaschinen erschlossen wird.

In den Unternehmen wird die Transparenz über Wissen und vielmehr über Wissensträger zunehmen. Denn für Unternehmen wird es über soziale Mechanismen künftig wichtiger, die richtigen Wissensträger zu identifizieren, als das explizierte Wissen selbst – ein Aspekt, der sich im Wissensmanagement lange gehalten hat.

Heute steht fest: Auf dem Weg zum Arbeitsplatz der Zukunft geben Technologieunternehmen und Digital Natives das Tempo vor. Digital Natives gestalten Informationstechnologien durch ihre Nutzung.

Deshalb sollten junge Mitarbeiter in den Unternehmen stärker als Impulsgeber für den Einsatz neuer Technologien akzeptiert und eingesetzt werden. Denn sie tragen modernes und netzwerkbasiertes Denken in die Arbeit hinein und forcieren den notwendigen Kulturwandel.

Bild: © Robert Kneschke – Fotolia.com