Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Twitterer als Chronisten, Real Timer oder Promotor

3 Minuten Lesedauer

In allen Medien scheint es nur noch ein einziges Social-Media-Thema zu geben: Twitter! Dabei wird hierzulande noch gar nicht einmal sehr viel getwittert. Es gibt rund 200.000 aktive Twitterer, die nicht selten in der Kommunikation oder in den Medien arbeiten und somit keine unwichtigen Influencer sind.

Heute Nachmittag nehme ich an der Tagung Onlinekommunikation in Berlin statt, in der die Tagungsgäste dazu aufgefordert werden, sich mit uns Referenten aktiv per Twitter auseinanderzusetzen. Das Ganze wird auf eine Twitterwall übertragen und steht auch Nicht-Teilnehmern zur Verfügung. Andererseits habe ich heute dem Pressetext ein Interview gegeben, in dem ich gerade auf den besonderen Charakter des Microbloggings verwiesen habe: Twitter ist eher ein Newsfeed als ein Social Network. Längere Dialoge kann man zumindest im öffentlichen Raum dort nicht führen. Besser geeignet dafür sind hingegen Facebook, Friendfeed oder Google Buzz. Aber die Twitterer haben unterschiedliche Interessen und gehen auch auf ganz eigene Weise mit ihren 140 Zeichen um. 

Zu diesem Ergebnis kommt auch das Markt- und Medienforschungsunternehmen Result, die vor kurzem eine Twitter-Studie durchgeführt haben. Ziel war es, Licht für diejenigen ins Dunkel zu bringen, für die Twitter nach wie vor ein Mysterium ist. Wer sind die Twitterer? Was bringt das überhaupt? Für die Leser des PR-Bloggers stellen sich diese Fragen zwar nicht mehr unbedingt, aber die Antworten der Studie sind durchaus erwähnenswert. Sie stellen die verschiedenen Charaktere der Twitter-Nutzer vor und helfen, ein Verständnis für die Menschen hintern den Online-Profilen zu entwickeln. Darüber hinaus macht die Studie deutlich, welches Twitter-Verhalten zum Erfolg führt und welches mit Desinteresse bestraft wird.

Für die Studie sind die letzen 40 Tweets von insgesamt 425 deutschsprachigen Accounts analysiert worden. Das Forschungsteam hat die Inhalte nach Variablen untersucht, wie beispielsweise Alltagserlebnis, Emotional/Impulsiv, Eins-zu-Eins-Kommunikation, Selbstverweis, externer Link und geschäftliche Nutzung. Die Auswertung ergab neun Kategorien, in die Twitterer eingeordnet werden können.

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Es gibt folgende Twitter-Typen:

  • Impulsive: Diese Kategorie ist zum größten Teil weiblich (68%). Impulsive Twitterer sind sehr emotional und nutzen die Plattform, um ihre Gefühle zu äußern und Eins-zu-Eins zu kommunizieren. Ihnen genügt es, dass nur persönliche Bekannte ihre Aussagen deuten können. Im Schnitt haben Impulsive 34 Follower und folgen 44 anderen Profilen.
  • Chronisten: Ähnlich den Impulsiven verwenden Chronisten die Plattform als eine Art Tagebuch. Sie dokumentieren dort ihre aktuelle Tätigkeit ("endlich Feierabend") und oftmals auch ihren Aufenthaltsort. Exogene haben 45 Follower und folgen 37 Accounts.
  • Real Timer: Wie die Chronisten dokumentiert diese Gruppe das aktuelle Geschehen. Allerdings beschränken sich Real Timer nicht auf das, was sie gerade tun, sondern beschreiben auch Ereignisse, Eindrücke und Erlebnisse. Dadurch schaffen sie mehr Anknüpfungspunkte für andere Nutzer. Real Timer haben im Schnitt 79 Follower und folgen 69 anderen Profilen.
  • Repeater: Mit Hilfe von Twitter vernetzen Repeater ihre gesamte Mediennutzung. Per Link machen sie ihre Follower auf andere Inhalte aufmerksam und kommentieren diese, außerdem nutzen sie häufig die ReTweet Funktion. Repeater können auch als "Empfehler" betrachtet werden. Sie haben 115 Follower und folgen im Schnitt 81 anderen Accounts.
  • Chatter: Für Chatter steht die Eins-zu-Eins-Kommunikation deutlich im Vordergrund. Der Tweet eines Chatters ähnelt einer SMS. Diese Typologie hat im Durchschnitt 99 Follower und folgt ihrerseits 94 anderen Accounts.
  • Monothematiker: Der Monothematiker konzentriert sich auf ein Themengebiet, zum Beispiel Fußball. Häufig ist der Account mit einem Blog zum gleichen Thema verbunden, auf das regelmäßig verwiesen wird. Der Account eines Monothematiker kann somit als ein Art Nachrichtenquelle fungieren. Sie haben 94 Follower und folgen 105 anderen Accounts.
  • Exogene: Hierbei handelt es sich um eine Sonderform. Als exogene Nutzer werden solche verstanden, die Twitter hauptsächlich nutzen, um automatisiert die Nachrichten anderer Webdienste (z.B. Facebook) zu duplizieren. Die Nachrichten sind somit aus dem Zusammenhang gerissen, was dazu führt, dass Exogene im Schnitt nur 16 Follower haben. Sie folgen ihrerseits 35 Accounts.
  • Promoter: Promoter nutzen die Plattform, um One-to-Many-Kommunikation zu betreiben. Sie haben die Absicht, Gewinne zu erzielen, daher haben die Tweets meist werblichen Charakter. Promoter treten kaum in den Dialog, die Kommunikation findet einseitig statt. Die Promoter haben mit 218 Followern die meisten Leser, was daran liegt, dass sich bei den Accounts um Unternehmen handelt, die auch offline eine gute Reputation haben (z.B. die FAZ oder IBM)
  • Credible Company: Ähnlich der Promoter hat das Credible Company Cluster einen geschäftlichen Hintergrund. Die Aussagen sind jedoch nicht ausschließlich werblich, es wird auch auf thematisch relevante Dienste und Neuigkeiten hingewiesen. In diesem Punkt haben sie Ähnlichkeit zu den Repeatern. Einem Profil des Clusters Credible Company folgen im Schnitt 173 Follower.

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Als Fazit hat das Forschungsteam hinter der Studie zehn Regeln für die erfolgreiche Nutzung von Twitter herausgestellt, denen ich überwiegend zustimmen kann.

  1. Dem Medium gegenüber ein Basis-Commitment beweisen, d.h. sich auf Twitter einlassen
  2. Sich selbst keinesfalls ständig in den Mittelpunkt der getwitterten Inhalte stellen
  3. Auf Nachvollziehbarkeit der Inhalte achten
  4. Der Sinnliche ist erfolgreich (sprich: die Sinne weitestgehend ansprechen)
  5. Kaum Output ohne Input
  6. Special Interest ist eine mögliche, aber keine optimale Strategie
  7. Nur wen man greifen kann, kann man auch umarmen
  8. Unternehmensmarken müssen auch auf Twitter Personality erkennen lassen
  9. Die Heritage der Marke ist ein Segen und kein Fluch
  10. Keine Auto-Follow-Accounts 

Anhand dieser Empfehlungen und Typisierungen wird deutlich, wie vieldimensional selbst 140-Zeichen-Dienste genutzt werden können. Natürlich gibt es zwischen den einzelnen Typen Übergänge. Die Result-Studie stellt eine notwendige Vereinfachung dar, um die Twitter-Nutzung insgesamt leichter verständlich zu machen und ist daher durchaus lesens- und bedenkenswert. Letztlich sollten Sie bei Ihren Twitteraktivitäten einfach an Ihre Ziele und Ihre Leser denken. Je mehr Sie über deren Bedürfnisse wissen, desto leichter können Sie als "Promotor" auf Twitter erfolgreich sein und etwas für Ihre Online-Reputation tun. Jeder Twitterer ist letztlich eine Marke, ein Personal Brand und/oder ein Corporate Brand.

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

9 Replies to “Twitterer als Chronisten, Real Timer oder Promotor”

  1. Im Text hat sich wahrscheinlich ein kleines Fehlerteufelchen hinein geschlichen. Unter dem Abschnitt „Chronisten“ weist der letzte Satz auf die Statistik der „Exogenen“ hin. Es sollte wahrscheinlich „Chronisten“ heißen. Ich denke, die Zahlen an sich sind korrekt zugeordnet.

  2. Was das Handling angeht, so muss Myspace dringend mal nachlegen, will es nicht überholt werden.
    Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Geschichte um Myspace und der „Flucht“ vieler Nutzer sicherlich auch damit zu tun hat, dass sich andere Networks (wie z.B. Facebook) herausgebildet & spezialisiert haben. Als privates Profil ist Facebook sicherlich die bessere Wahl. Für Musiker noch immer nicht!

  3. Moin Herr Eck,
    danke für das Darstellen der Studie und ich kann Ihnen vielleicht eine Antwort auf die Frage geben warum good old Germany bisher nur 200.000 Twitterati hat: Weil wir einfach zu lange über etwas nachdenken und es studieren statt es einfach zu machen!
    Ja Verallgemeinerungen sind nicht immer passend, allerdings fällt mir nichts anderes dazu ein wenn ich diese Studie hier lese. In der Tat sind einige Beschreibungen wie der des Impulsiven recht gelungen, aber dann hört es meiner Meinung nach auf. Twitter ist für mich kein Medium wo derartige Klassifizierungen möglich und darstellbar sind. Twitter ist das derzeit stärkste Medium von Echtzeitkommunikation im Netz nicht mehr und nicht weniger. Und Kommunikation verändert sich doch auch mit den Launen, Erlebnissen und Vorlieben der Menschen.
    Wie auch immer, ich bin dafür mehr auszuprobieren, es fließen zu lassen und durch mehr spielerische Neugier seinen socialmedia Kommunikationsstil zu finden. Ich bin mal Impulsiver, dann Chatter, dann Tagebuch- Chronist und gerne auch Poly- statt Mono- Thematiker.

  4. „Antwort auf die Frage geben warum good old Germany bisher nur 200.000 Twitterati hat: Weil wir einfach zu lange über etwas nachdenken und es studieren statt es einfach zu machen!“
    Meiner Meinung nicht nur das. Blogs wie der von Klaus Eck sind Anlaufstellen für viele „Neulinge“. Dann liest man, dass es super viele Tools gibt und nutzt es dann einfach nicht, weil man denkt, das wäre für fortgeschrittene Internet-Nutzer. Auch viel gehört: „Ich sehe den Sinn nicht“. Die Erkenntnis kommt genau wie der Erfolg von Twitter durch das NUTZEN des Services. Wenn man die Leute von Vornherein abschreckt und am besten noch mit einer „Tweet Academy“ oder „Social Media Academy“ so tut, als müsste man Hunderte von Euros zahlen, damit man die Tools richtig nutzen kann. Wer das abstreitet, sollte so etwas nicht auch für Studenten kostenpflicht anbieten, sondern NUR für Unternehmen.
    Hier wird meiner Ansicht nach durch die „Wirtschaft“ in Form von Leuten wie Herrn Eck, Herrn Buhse und wie sie alle heißen, ein Tools hochstilisiert, um mit Beratungsdienstleistungen Geld zu verdienen.
    Ich könnte so etwas nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Sonst hätte ich für Englisch-Nachhilfe statt 10 auch einfach mal 100 Euro pro Stunde nehmen können. Aber nein, der Markt erlaubt das nicht, man würde keine Kunden finden. Ist der Markt aber noch relativ neu und noch lange nicht gesättigt, verkauft man Dienstleitungen für horrendes Geld, obwohl im Falle von Twitter und co. tausende Tutorials, Webinars und weitere hilfreiche Ressourcen KOSTENLOS zur Verfügung stehen.
    Mit Social Media Szene wollen wir unter anderem dafür sorgen, dass die Lücke zwischen „normalen Internetnutzern“ und Nerds, Geeks bzw. Social Media affinen Menschen geringer wird, da vielen der Mehrwert nicht klar ist. Wie auch, wenn man es nicht nutzt bzw. nutzen will, da man es für Zeitverschwendung hält.
    Wir wollen dafür aber kein Geld haben und werden kritisch berichten und nicht Services wie Xing hochloben, ohne von Social Media PR Desastern des gleichen Unternehmens zu berichten.
    Ein positiver Nebeneffekt ist dann hoffentlich, dass vermeintliche Social Media Experten ihre Dienstleistungen nicht mehr völlig überteuert verkaufen können und somit Social Media Deutschland vorankommt, statt hinter UK, Fankreich, USA und co hinterherzuhinken.

  5. Hey Stefan,
    schöner Ansatz mit eurem Twitteraccount SocialMediaSzene und ja genau, deinen Punkt mit dem „Nutzen des Services“ ist das was ich meinte. Es ausprobieren und dadurch Sicherheit gewinnen.
    Was deinen Punkt der obsoleten Social Media Berater angegeht und dem Vergleich zur Englisch- Nachhilfe…lass mich dir hier Widersprechen. Ja es gibt schwarze Schafe unter Beratern, keine Frage. Auf der anderen Seite gibt es das erstens überall und zweitens lese ich aus deinen Argumenten auch ein stückweit die Einstellung heraus die ich oben kritisierte, nämlich die der „verletzten Netzgemeinde“ die eher dagegen ist als dafür. Bringt uns auch nicht wirklich weiter, in Frage stellen immer und Alternativen überlegen ja aber nicht blocken und Buhh rufen.
    Aber vor allem: mit gesundem Menschenverstand vorran und corporate social media erfolgreich umsetzen, ob mit Agentur oder ohne Hauptsache es gibt gescheite Vorbild- Projekte an denen sich andere Unternehmen orientieren können. Und dazu sollten keine künstlichen Beispiele gehören die sich durch Agenturen „Hochbloggen“ oder „Schöntwittern“ lassen.
    Schön finde ich das Beispiel eines größeren e-Commerce Anbieters, hier sagte mir der Leiter Online Marketing man habe von Facebook persönlich die Anfrage bekommen als autenthisches Corporate Beispiel genannt zu werden. Die Fanseite hat unter 500 Fans und die Aktivitäten der Statusmeldungen klingen verdächtig nach gestellt, beim kurzen Xing Check entpuppen sich sämtliche „Fans“ als interne Mitarbeiter der Online Marketing Abteilung. #fail
    Wäre schon nicht schlecht gewesen wenn ein Berater ein paar gute Ratschläge gegeben hätte. Oder was meinst du Stefan?
    😉

  6. „Auf der anderen Seite gibt es das erstens überall und zweitens lese ich aus deinen Argumenten auch ein stückweit die Einstellung heraus die ich oben kritisierte, nämlich die der „verletzten Netzgemeinde“ die eher dagegen ist als dafür. Bringt uns auch nicht wirklich weiter, in Frage stellen immer und Alternativen überlegen ja aber nicht blocken und Buhh rufen.“
    Dann hast du dich „verlesen“ 😉
    Unser Motto: Durch Qualität überzeugen & mit der Zeit den Beratern die viel zu teuren Aufträge klauen :p
    Da ich jetzt erst gesehen habe, dass du bei doubleyyou und DNAdigital an Bord bist, bin ich mir leider fast sicher, dass wir hier nie auf einen grünen Zweig kommen werden, da wir, glaube ich, einfach andere Ansichten haben auf das seltsame Phänomen Wirtschaft.

  7. Das mit den Schubladen ist immer
    so eine Sache, bei einer Selbsteinschätzung würde ich unsere Tweets mal unter Monothematiker, mal unter Repeater und hoffentlich meist unter
    Credible Company einsortieren.
    Um zu einer aussagefähigen Statistik
    zu kommen, hätte man vielleicht Mehrfachzuordnungen vornehmen können.
    Auf jeden Fall aber ein
    interessanter Beitrag, danke!

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