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Barack Obama zwitscherte zu viel

Warum nur, warum hat Barack Obama das nur getan? Auf seiner China-Reise erzählte Obama beiläufig: „Ich habe nie getwittert.“ Dazu seien seine Finger zu ungeschickt. Ade politische Authentizität. Auch seine Reputation als „Barackberry“ ist dahin. Allzu groß scheint die Technologiekompetenz des Nobelpreisträgers doch nicht zu sein. Doch schon lange ist bekannt, dass er die Creme de la Creme der Internet-Branche als Berater im Wahlkampfteam hatte.

Von Obama lernen, heißt siegen lernen. Zumindest die europäischen Politiker glauben dieses und orientieren sich an seinem Vorbild. Schließlich hat der US-Präsident gezeigt, wie sich Social Media gewinnbringend einsetzen lässt.

Doch diesmal sollten sie und die Unternehmen auch von Obamas Fehler lernen. Nicht wenige seiner rund 2,6 Millionen Follower dürften seine Tweets lesen, weil sie den Hauch von digitaler Nähe zum amerikanischen Staatsoberhaupt vermitteln und seine Fans ihm gerne folgen. Und nun das. Selbst wenn viele Leser nicht geglaubt haben, dass er alles selbst twittert, hätte Obama diese Illusion nicht zerstören müssen.

Es gibt keinen Grund, in seiner Position alles selber zu twittern, doch wäre es glaubwürdiger, wenn er wenigstens grundsätzlich verfolgt, was in seinem Namen auf Twitter geschieht und dazu nicht auf Distanz geht. Es dient immerhin seiner persönlichen digitalen Inszenierung und wirkt sich auf die Online-Reputation deutlich aus. Wer seine eigenen Online-Aktivitäten vernachlässigt oder komplett an Dritte abgibt, verliert schnell völlig die Kontrolle über seine digitale Identität. Das kann äußerst gefährlich oder auch nur – wie in diesem Falle – peinlich sein.

Falls Sie selbst nicht genügend Zeit für das Twittern, Facebooken und Bloggen haben, können Sie das durchaus an Agenturen outsourcen. Jedoch sollten Sie immer darauf achten, was in Ihrem Namen online geschieht. Idealerweise lassen Sie sich ein wenig coachen, damit Sie zumindest theoretisch und praktisch in der Lage sind, hin und wieder selbst zu twittern. Unseren Kunden empfehle ich deshalb immer, dass sie nicht von Anfang an, aber doch nach einer gewissen Zeit selbst die Kontrolle über ihre Twitterei und Facebook-Aktivitäten übernehmen sollten. Wer darauf verzichtet, gewinnt zwar einerseits viel Zeit, verliert hierbei jedoch irgendwann schlimmstenfalls seine Glaubwürdigkeit.

Denn wahrhaftiges Vertrauen erzielen Sie als Politiker wie Unternehmer nur, wenn Sie sich selbst (zumindest hin und wieder) auf die digitalen Untiefen einlassen. Sie werden sich wundern, wie viel Sie darüber lernen werden. Zwar können Sie Bücher und Artikel über Twittern, Bloggen und Facebooken lesen, doch die Social Media Erfahrungen können Sie nur praktisch erwerben und dann selbst für sich nutzen.

In der Kommunikation dürfen Sie sich selbstverständlich unterstützen lassen. Das heißt jedoch nicht, dass Sie auf Ghost-Twitterer immer angewiesen sind. Machen Sie sich als Unternehmen möglichst mit der Zeit lieber von (uns) Fremd-Twitterern (Agenturen) unabhängig und sammeln Sie selbst die wichtigen Erfahrungen, damit Sie gezielt Ihre Online-Reputation ausbauen können. Es genügt völlig, sich hierbei beraten und coachen zu lassen.

>> Focus: Obama kann gar nicht twittern
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Klaus Eck