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Virales Eigentor bei der FDP Hamburg

Kurz vor dem Ende des Hamburger Wahlkampfes musste die FDP in der Hansestadt schlechte Erfahrungen mit dem Versuch machen, ein Video viral zu verbreiten. Die Hamburger Werbeagentur Oysterbay war anscheinend von der FDP dazu beauftragt worden, eine Art politisches Guerilla Marketing zu betreiben. Dazu hatten die Werber einige Blogger ausgewählt, die über die Wahl in Hamburg berichten, und ihnen via E-Mail oder Blog-Kommentare einen Hinweis auf die FDP-Wahlwerbung gegeben.

"Betreff: FDP Wahlspot
Absender: n…@gmx.de

Hallo!

Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH?
Wäre der nicht was für deinen Blog?”

Viele Grüße,
N."

Auf Authentizität legte man diesen Kontaktversuchen weniger Wert. Stattdessen trat eine fiktive Persönlichkeit namens Niklas Sörensen auf, die zunächst nicht unmittelbar mit der FDP Hamburg in Verbindung zu bringen war. Sie versuchte bei den Bloggern für ein Online-Video zu werben (s.o.), in dem der Hamburger FDP-Spitzenkandidat Hinnerk Fock und der Schauspieler Sky DuMont auftreten.

Die Wahlkampf-Aktion schlug komplett fehl, weil der Blogger Hanno Zulla sich die Mühe machte, die IP-Adresse des Gmx-Mailabsenders zu überprüfen und per Google-Suche auf die Liberalen stieß. Anschließend schickte er über einen Anwalt eine Abmahnung direkt an die Hamburger Partei. Auf diesem Wege wollte sich Zulla gegen die Wahlwerbung, die er als "Spam" betrachtet, wehren. Nach einer kurzen Drohung lenkte die FDP Hamburg ein und akzeptierte die Abmahnung des Bloggers.

Der Agentur-Geschäftsführer Wulf-Peter Kemper gab später zu,
dass der Absender der E-Mails Niklas Sörensen in Wirklichkeit nur ein Pseudonym war. In einem Interview mit Politik-Digital erklärte Kemper das Vorgehen seiner Agentur: „Wenn Mails von einer Werbeagentur kommen, dann werden sie weggeklickt, mit einer GMX-Adresse haben wir mehr Chancen, da rein zu kommen.“

Wer außerdem in der Suchmaschine Google "FDP Hamburg" eingibt, erhält eine gute Übersicht über die Reaktionen auf den viralen Marketing-Versuch, der der liberalen Partei mehr geschadet als genutzt haben dürfte. Das zweite Video zeigt eine neue ("Porno"-)Version des FDP-Videos und macht deutlich, wie fantasievoll und bitterböse Onliner auf diese Art von Wahlkampf reagieren können.

>> Hanno’s Blog: Die FDP und der sprechende Kühlschrank.
>> Lummaland: FDP Hamburg verwechselt Wahlwerbung mit Spam
>> Netzpolitik.org: Kennen Sie das Stichwort ‘virales Marketing’?
>> Politik-Digital: Spam im Auftrag der FDP
>> Hanno’s Blog: Blaugelbes Auge: FDP Hamburg akzeptiert Abmahnung für illegale Wahlwerbung
>> heise online – FDP Hamburg kassiert im Viralwahlkampf eine Abmahnung
>> via Lummaland: FDP Hamburg: "virales" Video remixed

Klaus Eck