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Virale Mund-zu-Mund-Beatmung

Manche Begriffe halten sich um so länger, um so unsinniger sie klingen. Mund-zu-Mund-Propaganda (MzMP) gehört zu diesen Krönungen im Marketing-Speak, wo es doch auch viel einfacher ginge. Warum nicht Mundpropaganda, wie das Martin Oetting von trnd – und hier liegt der Mehrwert meines Beitrags – in einem lesenswerten Interview des Newsletters von Visionen C/C/C nutzt?

Störend ist, was aber die Qualität des Interviews nicht schmälert, dass in den Fragen und der Überschrift ständig nach Mund-zu-Mund-Propaganda gefragt wird.
Ganz so, als würde, wie bei der Mund-zu-Mund-Beatmung die Botschaft per Lippenkontakt übertragen werden – als würde bei viralen Marketingaktionen die Gefahr grippaler Infekte durch Körperkontakt bestehen.
Ist es nicht aber so, dass der Empfehlungs-Virus zuerst durchs Ohr ins Hirn soll, bevor ihn der Mund weiter gibt usw.?

Beim Online-Marketing geht er wohl zunächst ins Auge und kommt via Hirn und Hände über die Tastatur wieder in Foren und Blogs.
Mit der Nutzung des Begriffs MzMP steht der Frage des Interviews freilich nicht allein. Er wird in Magisterarbeiten ebenso wie in Vorlesungen an den Nachwuchs weitergegeben. Und natürlich ist er auch in den Portfolio-Darstellungen vieler Alleskönner-Agenturen zu finden. Ein, wie ich finde, ehrliches Versprechen vieler Generalisten. Sie gehen nie soweit zu behaupten, dass ihre viralen Anstrengungen tatsächlich das Ohr oder Auge – und damit das Hirn als Schaltzentrale zur Weitergabe von Empfehlungen bei der Zielgruppe erreichen. Tatsächlich wird manches, was über das Buzz-Word virales Marketing auf uns los gelassen wird, auch besser sprichwörtlich direkt vom Mund verschluckt, verdaut und ausgeschieden, bevor es das Hirn erreicht und als Mundpropaganda die Umwelt verschmutzen könnte.

Roland Keller