Little Brother is watching

57 Sekunden Lesedauer

Wie vernetzt die reale Welt tatsächlich ist, zeigt jüngstes Beispiel aus der politischen Berichterstattung. Bei einer Wahlkampfsrede in Virgina begrüßte der republikanische Präsidentschaftskandidat George
Allen einen dunkelhäutigen Zuhörer mit dem Namen für asiatische
Bergaffen. Die anwesenden Leute lachten, doch Allen dürfte spätestens das Lachen vergangen sein, als er das Video von seinem "Macaca"-Gruss auf YouTube wiederfand. So arbeitete der dunkelhäutige junge Mann ausgerechnet  für dessen
demokratischen Herausforderer und wartete mit seiner Videokamera nur auf einen Fehlgriff dieser Art. Nachdem der Clip in wenigen Stunden Rekordzugriffszahlen brachte,  griffen die "Washington Post" und Fernsehkanäle
die Geschichte auf. Allen entschuldigte sich daraufhin gleich zweimal in aller Öffentlichkeit. Doch
die digitale Reputation eines rechtsradikalen Präsidentschaftskandidaten ist nicht so einfach aus der Welt zu schaffen und dürfte Allen ein ernstes Problem bei dem weiteren Wahlkampf bereiten. Der Rat der NewYork Times an amerikanische Politiker lautet demnach wie folgt: "Pass auf, mit deiner nächsten Dummheit kannst du auf ‚YouTube‘
landen". Interessant ist jedoch, dass nicht nur die Polikter, sondern auch die Medien selbst die neue Rolle der Blogger im Auge behalten müssen. Früher hätte der Betroffene die Story ausschließlich durch eine Kontaktaufnahme mit einer Redaktion an die Öffentlichkeit gebracht. Heutzutage ist es ihm jedoch in wenigen Sekunden möglich den selbstgedrehten Beweis online zu stellen und somit als einzige Person ein perfekt geplantes Wahlkampfkonzept eines mehrköpfigen Teams auf den Kopf zu stellen.

Mehr Infos unter:

>>Spiegel.de : US-Wahlkampf: Jeder Fehltritt landet im Netz

Verena Schmunk

2 Replies to “Little Brother is watching”

  1. Ist das nun eine Schwäche der politischen Kommunikation (bzw. Kommunikatoren) oder eine Stärke von Social Media oder die Folge des anhaltenden Versagens der Gatekeeper-Medien oder alles zusammen? Diese Interdependenzen wären schon eine eingehendere Untersuchung wert. Material gäbe es – auch und vor allem – hier in Österreich zuhauf.

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