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Unternehmen in der Google-Gesellschaft

Mit der Diskussion um Weblogs ist das Internet und seine kommunikativen Möglichkeiten wieder ins Blickfeld von Unternehmen gerückt. Für globale Unternehmen, aber eben nicht nur für diese, wird es zunehmend wichtiger, das kommunikative Ruder über die eigenen Belange in den Griff zu bekommen. Die zahlreichen Fälle von Jamba bis Dell haben dies deutlich gemacht.

Das Watzlawicksche »Man kann nicht nicht kommunzieren« ändert sich. Künftig heißt es vielmehr: »Man kann nicht nicht-sichtbar sein«. Und entsprechend: »Man kann nicht nicht-finden«. Auch Google als einer von vielen Motoren dieses Wandels musste dies feststellen, als C-Net mit simplen Recherchen dem faktischen Monopolisten auf die Füße trat. Google-Vorstand Eric Schmidt musste erkennen: Die kommunikative Wirklichkeit wird neu strukturiert.

Acht Thesen zu dieser Google-Gesellschaft skizzieren die Herausforderungen für Unternehmen heute und in der Zukunft.

1, Klassische Öffentlichkeiten sind überholt
Das Denken in
geordneten Kommunikationsstrukturen geht dem Ende entgegen. Die Idee
geordneter Öf­fent­lichkeiten mit bekannten Akteuren in längerfristigen
Arrangements und Rollen wird abgelöst durch eine vagere Konstruktion
von Netzwerken mit wechselnden Zusam­men­hängen
und Verbindungen. Weblogs ermöglichen es z.B. fast jedem, sich
journalistisch zu betätigen. Und Suchmaschinen wie Google und
Technorati helfen, diese Weblogs zu finden. Dadurch werden Ge­rüchte zu
Informationen. Und schnell werden diese als Wahr­heiten ausgehandelt.

Ein Blick in andere Länder, insbesondere die USA, zeigt, dass
klas­sische Öffentlichkeiten zerfallen und durch regionale oder
thematische Netzwerke, in denen semi- und nicht­professionelle Akteure
mit partikularen Interessen wichtiger werden, ersetzt werden.
Wahlkampfberater Dick Morris bringt dies in einem Interview mit politik&kommunikation auf den Punkt:

"Auf jeden Fall erleben wir in
den USA das Ende der TV-Ära, der Wandel ist rasant. In den 60er Jahren
gab es einen Präsidenten namens Lyndon B. Johnson; der musste die drei
abendlichen Nachrichtensendungen von ABC, CBS und NBC verfolgen und
wusste dann, was im Land diskutiert wurde, weil 80 Prozent der Menschen
diese Sendungen konsumierten. Heute sind es zusammengenommen nur noch
15 Prozent und die Quote sinkt beständig. Durch die Ausweitung der
Informationsangebote kann man keine Themen ausreichend steuern. Und
diese Entwicklung wird auch Deutschland erreichen. Es ist das Ende der
Massenkommunikation, wie wir sie lange Zeit definiert haben. Denn im
Grunde ist ja das, was wir als Massenkommunikation bezeichnet haben,
nur eine Elitenkommunikation via TV und Zeitungen gewesen. Eine kleine
Gruppe von Medienmachern schreibt über eine kleine Gruppe von
Politikern, während Millionen von Menschen nur passiv konsumieren.
Jetzt machen alle aktiv mit, gestalten Politik mit ihren eigenen
Botschaften."

Die weiteren Thesen demnächst:

2. Kommunikationskanäle sind im Fluss.
3. Unternehmen ändern sich von innen heraus.
4. Neue Märkte bringen neue Werte.
5. Elektronische Gedächtnisse schaffen ewige Wahrheiten. Und Falsches.
6. Jedes Unternehmen benötigt sein kommunikatives Risikoprofil.
7. Sichtbar ist, wer vorne steht.
8. Risiken erkennen. Und ihnen mit dem Potenzial des Netzes begegnen.

Kai Lehmann