Gott muss endlich ein Machtwort sprechen

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Wenn man Focus und der italienischen Zeitung "Il Giornale" glauben will, hält die katholische Kirche ihre Anhänger für wankelmütig in ihrem Glauben. Auslöser ist der weltweite Erfolg von Dan Browns atemlosem Thriller "Sakrileg", der im Orgininal The Da Vinci Code heißt. Schon zuvor, in seinem "Illuminati", war Rom äußerst bedroht. Eine gigantische Bombe sollte den Vatikan auslöschen – und tat es dann doch nicht. Blasphemie. Im Mittelalter wäre Brown tatsächlich nicht dazu gekommen auch noch das "Sakrileg" zu schreiben, sondern zuvor im Namen Gottes gefoltert und verbrannt worden.
Heute bleibt dem möglichen Nachfolger des hinfälligen Papstes, Kardinal Tarcisio Bertone, nur die Waffe, die Gläubigen aufzurufen, das Buch nicht zu lesen – und vor allem nicht zu kaufen. Als ein schändliches und unbegründtes Lügengebäude bezeichnete er Browns Roman, der allerdings nicht für sich in Anspruch nimmt, eine wahre Geschichte zu erzählen.

Der Roman baut darauf auf, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet
war und einen Sohn hatte. Maria Magdalena und der Sohn sei nach der
Kreuzigung über das Mittelmehr nach Südfrankreich geflohen. Bis heute
bestehe eine geheime Vereinigung der Nachkommen, die immer noch von der
Kirche verfolgt wird, womit der Roman, der heute spielt, eine starke
Handlungsbasis gewinnt. Damit stößt Brown – und die zahlreich
erschienene Sekundärliteratur zu Browns Sakrileg die Frage an, was an
dieser These wahr ist. Zugleich wird freilich auch gefragt, ob die
offizielle Version des Vatikan über Jesus haltbar ist. Eine
interessante und teilweise auch faszinierende Diskussion, bei der
Glaube, Ideologie und die Auslegungen von Überlieferungen
aufeinanderstoßen – und freilich auch Zweifel daran genährt werden, ob
die christliche Kirche in den letzten 2000 Jahren – angefangen vom
römischen Kaiser Konstantin – aus politischen und taktischen Gründen
Geschichtsklitterung zum eigenen Machterhalt betrieben hat.

Der Aufruf zum Nichtlesen kommt zwar zwei Jahre nach Erscheinen etwas
spät, könnte aber erneut die Diskussion um Buch und Glaubenshintergrund
anheizen, bevor im kommenden Jahr die Verfilmung mit Tom Hanks auf den
Markt kommt. Ein Bann des Vatikans könnte auch hier die beste Werbung
sein. Dass Gott jedoch selbst ein Zeichen sendet und zur Aufklärung
beiträgt, das scheint man nicht einmal beim Vatikan zu erhoffen, obwohl
man dort erkannt hat, dass einiges an Glaubwürdigkeit – im wahren Sinn
des Wortes – auf dem Spiel steht. Tatsächlich erschüttert die These
Browns, der auch etliche Autoren der Sekundärliteratur folgen, die
Basis der christlichen Kirche, die sich vor allem auf den Jesus-Mythos
stützt.

5 Replies to “Gott muss endlich ein Machtwort sprechen”

  1. In seinem zweiten Wahlkampf entschied sich Bill Clinton für eine schlichte Strategie im Umgang mit seinem Gegner Bob Dole: Er ignorierte ihn schlicht und sprach nur über sein Programm.
    Der Vatikan wäre gut damit beraten, ähnliches zu tun. Peinlich genug, dass erst zwei Jahre später eine Reaktion kommt – entweder sofort oder für immer schweigen.

  2. Viel schlimmer als die Kritik der Papisten ist doch die literarische „Qualität“ der Machwerke des Herrn Brown und daß diese – gleichwohl endlos gehypt – zu weltweiten Bestsellern werden konnten.
    … was wiederum auf die Qualität der Leserschaft schließen läßt.
    Ich gebe zu, nur ein einziges Buch von Dan Brown gelesen zu haben (Illuminati, deutsche Ausgabe) und das hat mir dann auch gereicht: ein Indiana Jones für Arme, mit platter, vorhersehbarer Handlung und völlig unprofessionell agierenden Figuren. Die für das Buch wichtigen technischen Details (Kernphysik, Antimaterie usw.) sind derart schlecht recherchiert und in hanebüchener Weise benutzt, daß es einen graust.
    Und ich kann mir nicht vorstellen, daß sich die weiteren Ergüsse Dan Browns in ihrer Qualität wesentlich von „Illuminati“ unterscheiden.
    Wer mir nicht glaubt, der lese sich einfach durch die Leserrezensionen bei Amazon.de

  3. Wer einen realistischen oder gar naturalistischen Roman sucht – oder gar hohe Literatur, der sollte freilich nicht zu Dan Brown greifen. Brown versteht es Fiction und große Mythen mit enormer Spannung zu verbinden, was in Verbindung mit einer geschickten Spannungsstruktur – Time- und Option-Locks sowie Cliffhanger – für Unterhaltung sorgen kann. Wenn man die Amazon-Leserezensionen anschaut, zeigt sich, dass Brown polarisiert. Die Mehrheit ist von der unterhaltsamen Spannung hingerissen – eine Minderheit stört die einfache Schreibe, die durchschaubare Handlung – und auch Unkenntnisse bei technischen Details. Aber irgend etwas muss ja dran sein, dass sich seine Bücher so gut verkaufen – und es eine Menge Sekundärliteratur dazu gibt. Man sollte Brown in der Kategorie kritisieren, in der er spielt: Unterhaltung. Ob das irgendwann zu den Kulturschätzen der Menschheit wird, bleibt abzuwarten. Was ich bei ihm schätze ist, dass er alle Register der Dramaturgie zieht und damit einen Sog erzeugt. Literatur erwarte ich nicht. Schade, dass erst ein US-Unterhaltungsschriftsteller kommen muss, um mit europäischen Themen und Mythen weltweit Furore zu machen, während ich bei den meisten deutschen Schreibern bei der dritten Seite wegen deren Phantasielosigkeit einschlafe und lieber zu deutschen Autoren aus dem frühen 20. Jh. greife, die wirklich etwas zu erzählen hatten.

  4. “Diabolus” von Dan Brown

    Ob’s am Übersetzer oder am Autor liegt, müsste man an Hand des amerikanischen Originals feststellen. Jedenfalls ist die deutsche Fassung an einigen Stellen sprachlich platt und bedient sich an den diesbezüglichen Tiefpunkten bei Phrasen, die sonst…

  5. “The Solomon Key” von Dan Brown

    In den USA wird schon vor dem Erscheinen viel Aufhebens um Dan Browns kommenden Roman The Solomon Key gemacht.
    Passend zum Spannungsaufbau in den Bestsellern aus den letzten Jahren wird das Marketing des neuen Romans durch Informationsschnipsel und …

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