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PR-Krise durch Blogs bei Jamba

Blogger heizen Jamba ein, meint Christian Stöcker auf Spiegel Online. Denn die "Blogger-Community" löste eine "Lawine von Negativ-PR für Jamba" aus.
Damit ist das BlogThema erneut in den Medien präsent und erweist sich tatsächlich als (der prophezeite) PR-Gau. Noch im ersten PR-Blogger-Beitrag zu Jamba fragten wir, ob eine PR-Krise durch Blogs möglich sei. Die Medien-Reaktionen und die Präsenz auf den ersten Google-Seiten (Jamba – Suche) zeigen, wie es bereits heute um die mediale "Macht der Blogger" steht. Öffentlichkeitsarbeiter sind dennoch nach wie vor über "die Macht des Netzes" erstaunt (Spiegel).

Ende Dezember hatte schon das Marketingmagazin w&v darüber berichtet, dass die Jamba-PR aus dem Ruder läuft. Dennoch glaubt Jamba-Sprecher
Tilo Bonow nach wie vor, dass es für Unternehmen besser wäre, nicht auf
die Blog-Kritik zu reagieren: "Oft ist am Besten: Kurz stillhalten und
ducken, bis es vorbei ist". Schließlich werde die Kritik von Bloggern  von der Öffentlichkeit vermutlich gar nicht wahrgenommen. Auch wenn er damit vermutlich in der Regel durchaus Recht haben mag, trifft das augenscheinlich nicht mehr zu, wenn die Blogger ein großes Interesse am Thema zeigen und gut vernetzte Blogger sich des Themas annehmen.

Im Gegensatz zu seiner Spiegel-Aussage hat Thilo Bonow sich durchaus um den Kontakt zu Bloggern bemüht und ist unter anderem auf den Spreeblick-Blogger Johnny Haeusler, Martin Röll und andere zugegangen. Dennoch konnte damit die PR-Krise nicht aus der Welt geschafft werden.

Heute morgen erhielt ich vor Erscheinen des Spiegel-Artikels eine E-Mail vom Jamba-Pressesprecher, in der ich gebeten worden bin, doch bitte eine Zahl im Jamba-Interview Nachgebloggt auf dem PR Blogger anzupassen: Damals hatte ich folgende Information im Interview und mir die Antwort auch von Bonow freigeben lassen:

Jamba-Pressesprecher Thilo Bonow am 20. Dezember 2004: "Wir verfolgen Foren und Newsgroups über ein umfangreiches Meinungsmonitoring der Deutschen Medienbeobachtungs Agentur. Bisher haben wir rund 12 Foren aktiv beobachtet. Künftig spielen die Weblogs eine größere Rolle beim Monitoring."

Laut Bonows E-Mail von heute Vormittag sei das "natürlich Quatsch" und es habe sich wohl ein "Fehlerteufel eingeschlichen". Tatsächlich sind es 120 Foren etc., die aktiv auf dem Radar sind. Zusätzlich werden noch 2.800 Online-Medien beobachtet." Komischerweise hat Martin Röll aber wenig später dieselbe Zahl notiert

Martin Röll am 21. Dezember 2004: "Ich hatte eben ein langes Telefonat mit Herrn Bonow, der mich auf diesen Eintrag hin angerufen hat. Ein paar Klarstellungen:
Jamba verfolgt natürlich nicht nur 12 Foren, sondern eine
Vielzahl von Quellen. Die Zahl 12 sind die als am wichtigsten
identifizierten Orte.
Viele Diskussionen sind nicht wichtig, weil sie
nichts Neues bringen und nur dieselben Punkte immer wieder aufkommen.
Hier muss Jamba nicht reagieren. Wir sprachen ausführlich darüber, ob
ein Unternehmen auf Kritik in Blogs reagieren sollte, wann es das tun
sollte und wie es das dann tun sollte."

Vielleicht wirklich nur ein Missverständnis, aber es zeigt deutlich, wie sorgfältig man generell in der PR mit Informationen umgehen sollte. Ansonsten kann es manchmal unangenehme Folgen haben. Auf jeden Fall ist Jamba für die Zukunft besser gewappnet: Jambas Pressesprecher teilte mir zudem mit, dass Jamba nicht nur die 120 Foren beobachten wolle, sondern zusätzlich auch noch ein System installiere, "welches rund 40.000 Blogs auf dem Radar haben wird und eine sowohl qualitative als auch quantitative Bewertung ermöglicht." Dazu wird Jamba ab Februar 2005 ein neues Monitoring-System einsetzen, bei dem es sich um eine von einem Blog-Experten entwickelte Software handelt. Die Ergebnisse sollen außerdem noch redaktionell ausgewertet werden. – Mich würde natürlich interessieren, worauf Jamba hierbei setzt. Leider erhielt ich auf diese Frage bislang keine Auskunft..-

Meiner Meinung nach ist der Einsatz eines Monitorings ein sehr sinnvolles Vorgehen, dem ich auf Unternehmensseite viele Nachahmer wünsche. In der PR-Krise ist das Wegducken sicherlich nicht die sinnvollste Reaktion. Das meint auch Thomas Pleil, der im Issue Management einen der wichtigsten Strategietrends des Jahres 2005 sieht:

"Hier
scheint eines der großen PR-Defizite vieler Unternehmen zu liegen.
Zahlreiche Firmen – selbst aus Branchen, die oft besonderen
Kommunikationsbedarf haben wie Pharma oder Chemie – haben dieses Thema
bisher vernachlässigt. Sie werden lernen müssen, dass das Auswerten von
Presseclippings viel zu spät ansetzt und der eigene Handlungsspielraum
bereits gefährlich eingeschränkt ist, wenn ein Thema in der Zeitung
steht. Denn Fälle wie Jamba in Deutschland oder Electronic Arts und Kryptonite
in den USA zeigen, dass Meinung verstärkt im Internet entsteht und
beispielsweise Diskussionen in Weblogs dann Einzug in die klassischen
Medien halten. Allerdings müssen sich Issue Manager besonders im
Internet auch mit Ängsten der Community auseinander setzen." (PR Blogger: Thomas Pleil: Ausblick: PR im Jahr 2005)

>> Markus Breuer: Lehren aus der Jamba-Story – werden ungern angenommen

Die Jamba-Serie im PR Blogger:

>> Jamba VIII: Sollen PR-Profis Blogger ernst nehmen?
>> Jamba VII: Nachklang
2. Nachgebloggt: Arne Trautmann, Law-Blog
3. Nachgebloggt: Johnny Haeusler, Spreeblick.de
4. Nachgebloggt: Tilo Bonow, Jamba

>> Jamba VI: Wer ist der Spreeblick-Blogger?
>> Jamba V: Juristische Lehren
>> Jamba IV: Authentischer kommentieren
>> Jamba III: Friendly fire
>> Jamba II: Krisen-Handling
>> Jamba I: PR-Krise durch Blogs?