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Blogs und Wikis: die heimliche Medienrevolution?

Welchen Einfluss haben neue Internetdienste heute auf die Mediengesellschaft? Dieser Frage geht Erik Möller in seinem kürzlich im Telepolis Verlag erschienenen Buch nach: „Die heimliche Medienrevolution – Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern“.
Möller untersucht in seinem Werk neue Medienformen, die auf Basis freier Software wie Weblogs und Wikis etc. entstehen. Als freier Journalist und
studierter Informatiker hat Möller selbst lange Entwicklungserfahrung bei
Wikipedia gesammelt. Außerdem betreibt er eigene Wikis, Weblogs
und Mailing-Listen. Deshalb kennt er sich mit diesen Themen bestens aus.

Im ersten Kapitel mit dem Titel „Meme in Bewegung“ gibt Möller
einen kurzen Überblick über die Geschichte und Machtfunktionen
klassischer Medien. Dabei geht er auf Dienste wie Usenet,
Chat und die Funktionsweise von Hypertext ein. Im zweiten Kapitel „Die
Befreiung des Codes“ stellt der Autor die Open Source Bewegung vor.
Sowohl die Philosophie, die Anwendungsmöglichkeiten als auch konkrete
Statistiken zu Open Source werden umfassend präsentiert. Möller profitiert hierbei von
seiner großen Erfahrung.

Die „Blogosphäre“ bildet
das dritte Kapitel. Knapp werden hier die geschichtlichen Anfänge von
Weblogs vorgestellt. Die darauf folgende Darstellung der
explosionsartigen Entwicklung von Blogs am Beispiel von Slashdot soll
belegen, welche Bedeutung kollaborative Blogs auch für die klassische
Medien inzwischen spielen. Möller illustriert seine Ausführungen mit
zahlreichen Beispielen aus der Blogospähre. Ausführlich beschreibt es
den Einsatz eines Weblogs am Beispiel von LiveJournal und gibt dann
einen kurzen Abriss über die aktuelle Demographie von Bloggern und
Nutzungstatistiken.

Eingefleischte Blogger werden hier allerdings ein
wenig enttäuscht werden, stützt er sich doch auf die weitestgehend
bekannten Beispiele und Statistiken wie Perseus oder LiveJournal.
Sein Ausblick welche Einsatzmöglichkeiten Weblogs bspw. als
Rezensionsinstrument in der Musikbranche, als Erotik-Blog, als
Video-Blogs oder Watchblogs haben werden, bleibt hier zu kurz. Möller
leitet schließlich zu der Frage über, ob Blogs überhaupt Journalismus sind?

Im letzten Kapitel dreht sich schließlich alles um das Thema Wikis. Die durchaus
umstrittene Thematik über den Nutzen von Wikis, deren Konzeption und
interessante Beispiele werden in diesem Teil des Buches von Möller
behandelt. Insgesamt geht der Autor durchaus kritisch mit dem Thema der
technologischen Revolution um und auch in seinem Ausblick vergisst er
nicht zu erwähnen, das letztlich der Mensch im Mittelpunkt steht. Wer
allerdings hofft, Antworten auf die reißerische Ankündigung der Verlagsseite zu finden, der wird enttäuscht werden:

„Medien
bedeuten Macht. Kann das Internet Bertelsmann, Springer und Murdoch
gefährlich werden? Großunternehmen versuchen auch die neuen Medien zu
kapitalisieren, doch in der chaotischen, dezentralen Welt des Internet
gelten andere Spielregeln. Hochmotivierte Hacker basteln in ihrer
Freizeit unauffällig an Enzyklopädien, Communities und gemeinschaftlich
betriebenen News-Websites, deren Einfluss mit jedem Tag wächst. Die
Medienrevolution spielt sich leise ab — doch ihre Folgen sind bereits
jetzt unübersehbar“.

Möller hat
ein Buch geschrieben, dass über die reinen „How-to-Do“-Bücher zu den
Themen Weblogs, Wikis und Open Source hinaus, einen Blick über den
Tellerrand wirft und zum Nachdenken und Weiterspinnen anregen soll. Ein
interessanter Service zum Buches ist im übrigen, das zeitgleich zur
Erscheinung ein eigenes Weblog eingerichtet wurde, bei dem man auch die aktuelle Bewertung der Leser einsehen kann.

Rezension von Tim Fischer

Bibliografische Angaben: Erik Möller Die heimliche Medienrevolution
(Telepolis) Heise November 2004 234 Seiten, Broschur 19,00 Euro (D) /
19,60 Euro (A) / 34,00 sFr ISBN 3-936931-16-X oder bei Amazon.