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Der Facebook-Browser RockMelt im Test

RockMelt_ganz Mit RockMelt gibt es einen neuen Browser, der sich selbst als eine Art "Facebook-Browser" sieht. Doch kann er deutlich mehr als nur Facebook. Auch eine einfache Integration von Twitter, Feeds, aber auch den üblichen – von Chrome bekannten – Apps ist möglich. Führt das jetzt zu einer Überflutung und Ablenkung oder ist das das ideale Kommunikationswerkzeug für die "Generation Facebook"? Seit fünf Tagen  nutze ich RockMelt und bin damit sehr zufrieden.

Der Browser an sich sieht schick aus, basiert auf dem OpenSource-Projekt "Chromium" (auf dem auch Google's Chrome basiert) und fühlt sich dementsprechend auch zum Großteil an, wie Chrome. Der Umstieg für Google-Jünger fällt also leicht. Auch die Chrome-Erweiterungen stehen dem Nutzer zur Verfügung. Individualisieren lässt sich der Browser zur Genüge.

Die sehr gute Einbindung von Facebook unterscheidet RockMelt von anderen Browsern. Für manche ist das entscheidend, für andere nur pure Ablenkung. Was ist neu? Der Nutzer bekommt zwei Seitenleisten, eine mit seinen Facebook-Kontakten, eine andere die den schnellen Zugriff auf Facebook-Profil und -Stream, aber auch alle möglichen weiteren Apps ermöglicht.


Praktisch an der "Chatleiste": Mit Klick auf den Kontakt öffnet sich ein extra Fenster, dass sowohl die letzten Statusupdates anzeigt, als auch den Chat öffnet. Somit ist Chatten a la Skype möglich und vor allem jederzeit, ohne auf Facebook zu sein.

RockMelt_Statusnachricht In der "App-Leiste" befinden sich der Facebook-Stream, der Zugriff auf das persönliche Profil und die Apps, die man sich selbst hinzufügt. Hier lassen sich zum Beispiel auch verschiedene Twitter-Konten einbinden und der Nutzer wird jederzeit informiert, wie viele neue Tweets und Statusnachrichten herein gekommen sind. Das kann wirklich ablenken. Hier würde ich mir, gerade beim Twitter-Stream wünschen, dass zum Beispiel nur Benachrichtigungen angezeigt werden, wenn es einen neuen Reply oder eine neue Nachricht gibt. Außerdem braucht die Synchronisation mit dem Twitterkonto am Anfang recht lang. Bei mir hat es knapp einen Tag gedauert, bis das Konto auch auftauchte. Die Verbindung mit dem Twitter-Konto lohnt sich aber auf jeden Fall, weniger für die Seitenleiste (dort habe ich Twitter wieder ausgeblendet), viel mehr für eine nächste Praktische Funktion des Browsers. Statusnachrichten lassen sich direkt aus dem Browser heraus absetzen. Gut, dafür gibt es inzwischen auch schon eine Unzahl an Apps, aber wie es bei RockMelt gelöst wurde, gefällt mir. Mit einem Klick auf das eigene Profilbild links oben, lässt sich sowohl der Facebook-Status ändern, als auch ein Tweet von einem der verbundenen Konten absetzen. Möchte der Nutzer die Webseite, auf der er sich gerade befindet, mit seinen Kontakten teilen, reicht ein Klick auf "Share" rechts neben der Adressleiste – auch hier wieder für Facebook oder die Twitter-Accounts.Die App-Leiste lässt sich um beliebige Apps (wie zum Beispiel GoogleMaps, YouTube, Evernote), aber auch Feeds erweitern. Das Lieblingsblog lässt sich also stets auf neue Updates "überwachen", gibt es etwas neues, wird es durch eine kleine Zahl angezeigt, ein Klick darauf zeigt den Feed mit einer kurzen Vorschau an – so kann jeder dann entscheiden, ob er den Artikel dann lesen will oder ob's dann doch nicht so interessant ist. Es sollte jeder selbst entscheiden, wie viele Feeds hinzugefügt werden. Das ist ein großer Ablenkungsfaktort. Seit dem letzten Update lassen sich sogar Facebook-Seiten anzeigen. So behält der Nutzer jederzeit den Überblick, wenn etwas auf der Pinnwand der entsprechenden Seite veröffentlicht wurde. Das ist für Seitenbetreiber ein großes Plus.

Sowohl Chat-, als auch App-Seitenleiste lassen sich ausblenden. Aber ehrlich gesagt, dann kann man gleich Chrome oder Firefox benutzen. Ich persönlich habe die Chatleiste ausgeblendet. Benutze den Facebook-Chat sowieso eher selten, meine wichtigen Kontakte habe ich sowieso auf Skype. Und wenn ich das unbedingte Bedürfnis habe, zu chatten, kann ich die Leiste sowieso jederzeit wieder einblenden.

RockMelt_Suche Wer die Suchleiste benutzt, bekommt danach nicht einfach Google-Ergebnisse auf einer extra Seite präsentiert, sondern erhält im Suchfenster sofort eine Vorschau auf die entsprechenden Ergebnisse. Das kann praktisch sein, aber auch stören. Denn manchmal möchte ich meine Suche noch etwas verfeinern, zum Beispiel nur Blog-Ergebnisse angezeigt bekommen. Dann muss ich noch einmal extra Google direkt ansurfen und meine Suche dort wiederholen. Hier müsste man vielleicht noch einstellen können, dass die Suchergebnisse trotzdem auf einer extra Google-Seite präsentiert werden.

Neben der Suche gibt es noch ein paar andere Punkte, die mir negativ aufgefallen sind oder noch fehlen. Zwar werde ich benachrichtigt, wenn es etwas neues auf meiner Pinnwand gibt oder irgendwo ein neuer Kommentar abgegeben wurde, wenn ich eine neue Nachricht bekomme, bleibt es im Browser "still". Die Benachrichtigungen hingen zudem manchmal etwas hinterher.

Am Anfang wird bei RockMelt der Zugriff auf sämtliche Profildaten verlangt. Die Macher versprechen zwar, die Daten nicht weiterzugeben – aber was sie letztendlich damit machen, sagen sie auch nicht. Verständlicherweise braucht der Browser den vollen Zugriff aufs Facebook-Profil, damit er darauf zurückgreifen kann. Unklar ist, wie sicher der Browser überhaupt ist. Besteht die Gefahr, dass mit einem Angriff gleich alle Facebook-Daten verlorengehen oder in falsche Hände geraten könnten?

RockMelt_AddFeed
Insgesamt ist RockMelt aber für uns der Schritt in die richtige Richtung, der besonders für Facebook-Addicts und Facebook Fanpage-Betreiber eine spannende Lösung darstellt.

Jochen Hencke (@schneeengel)

  • Geht mir ganz genauso wie dir!
    Nutze ihn seit dieser Woche. Und bin mehr als zufrieden.
    Die Nutzbarkeit ist super. Und der Mehrwert für mich als Social Media Menschen großartig. Er ersetzt vieles, was ich bisher mit Tweetdeck erledigt habe.
    Ein toller Browser.
    Ob er jedoch was für den Mainstream in Deutschland ist, weiß ich nicht. Die enge Bindung an Facebook wird viele hierzulande aktuell noch abschrecken.

  • Nutze ihn seit heute und finde ihn auch sehr gut. Bei der Google Suche habe ich oben im „Vorschaufenster“ klein in grau ein „view in tab“. Da öffnet sich dann ein Tab mit der Suche. Neu eingeben muss man es also nicht. Trotzdem ein Klick mehr, wenn ich die Ergebnisse auf der Googleseite sehen will.
    Ob ich diese Vorschau besser finde oder aber das herkömliche kann ich gerade noch nicht sagen. Erst mal Erfahrungen sammeln.

  • Das „view in tab“ erscheint bei mir gar nicht. Keine Ahnung warum, aber ja – letztendlich würde auch das einen Klick wieder mehr verursachen. Naja – ist jetzt auch eher ein kleineres Manko. Man kann die Google-Suche ja auch „auslösen“, in dem man einfach einen Begriff in die Adresszeile eingibt.

  • stefan helbing

    wie schreibe ich einen Statuseintrag aus dem Browser heraus?
    Danke.

  • stefan helbing

    hat sich erledigt…….

  • harald

    kann mir jemand sagen wo ich sehen kann ob mir wer eine persönliche nachricht gesendet hat und wie / wo ich diese abrufen kann?

  • Jochen Hencke

    Das ist eine der Schwachstellen bei RockMelt – die Nachrichten werden im Browser nicht angezeigt.

  • Habt ihr noch andere Schwachstellen entdecken können?! Denn bisher empfinde ich es als eine klare Entlastung… Super Artikel!

  • Also ich finde Rockmeld auch einen Schritt in die richtige Richtung, die Features von Rockmelt werden früher oder später auch andere Browser entweder nativ oder mittels Plugin in sich vereinen.