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Glücksatlas 2015: Wie glücklich macht uns die Digitalisierung?

Glück auf in Deutschland: Das Glücksniveau der Inländer ist gemessen am Vorjahr erneut leicht gestiegen. Deutschland erlebt eine Art Glückskonjunktur. Das Land der scheinbaren Trübsalbläser und Schlechtwetter-Launen schiebt sich auf der nach oben offenen europäischen Glücksskala langsam aber stetig auf die vorderen Ränge vor. Die Gründe sind vielfältig, häufig digital und haben mehr als anderswo mit der persönlichen Arbeitssituation zu tun, wie die Studie Glücksatlas 2015 der Deutschen Post zeigt.

Glückskonjunktur: Glück ist Arbeit – und umgekehrt

Das Lebensglück der deutschen Inländer hängt mehr als bei den meisten anderen Nationen von der Arbeit ab. Arbeit und Arbeitszufriedenheit sind wichtige Faktoren für das persönliche Glück und werden generell höher bewertet, als im europäischen Durchschnitt.

Cover-Glücksatlas

Das gefühlte Glück durch Arbeit definieren die meisten Deutschen jedoch interessanter Weise nicht in erster Linie materiell: Erfüllende Aufgaben, Anerkennung der eigenen Leistungen und ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten sind für die meisten Befragten die wichtigeren Prioritäten. Arbeit scheint für uns also mehr als in vielen anderen Ländern ein sozialer Faktor zu sein, ein Lebens- und Gesellschaftsbereich, in dem wir soziale Bedürfnisse stillen. Auch das wachsende Lebensglück in Deutschland kann deshalb ein Stück weit wirtschaftlich erklärt werden: Ein Arbeitsplatz ist hierzulande selten reine Glückssache. Wir haben deshalb mehr als andere Nationen den Luxus, unser Arbeitsglück über die Arbeitsumstände zu definieren und nicht nur über die nackte Existenzsicherung und den Besitz eines Arbeitsplatzes überhaupt.

Digitalisierung: Die Glücksformel heißt Arbeitsautonomie

Die Digitalisierung ist in deutschen Unternehmen längst zum Alltagsphänomen geworden. Für fast drei Viertel aller Befragten spielt sie heute schon eine sehr große bzw. große Rolle im persönlichen Arbeitsleben. (35 bzw. 37%). Der Unterschied zwischen den Generationen ist dabei überraschend gering (meist unter 10%).

Unsere Arbeit wird durch Bildschirm, Online-Workflow und Cloud jedoch gefühlt nicht nur schneller, sondern auch intensiver. Für rund 60% aller Befragten ist das Arbeitsaufkommen im Job höher geworden. Fast die Hälfte macht die Folgen der Digitalisierung wie ständige Erreichbarkeit, Echtzeitkommunikation etc. für steigenden Stress verantwortlich (47%).

Doch für die meisten liefert die Digitalisierung auch die Tools zur Bewältigung der wachsenden Arbeitsintensität. Deshalb fällt das Urteil über die digitale Arbeit generell recht positiv aus: Für mehr als jeden Zweiten hat die Digitalisierung den Arbeitsalltag eher erleichtert, lediglich 10% der tendenziell skeptischen Deutschen sehen darin eine Erschwernis. Für die Bewertung scheint es eine Formel zu geben: Je höher der Bildungsabschluss, desto digitaler der Arbeitsplatz und desto positiver die Bewertung aller digitalen Innovationen und Disruptionen.

Besonders positiv wird sie von jenen bewertet, die das Potenzial für die eigene Lebensorganisation nutzen und in hohem Maße Zeit, Ort, Taktung und Arbeitsumstände selbst organisieren können. Für 63 % von ihnen ist die Digitalisierung ein Segen. Selbstständige führen auch hier die Statistik an, obwohl ihr Arbeitsaufkommen und die investierte Zeit meist deutlich höher liegt Für die Lebensplanung insgesamt fällt das Urteil skeptischer aus:  Eine kontinuierliche Work-Life-Balance ist für viele zur Illusion geworden, da helfen auch Familien-Apps und sonstige digitale Helferlein nicht wirklich weiter.

Die digitale Arbeit selbst macht also nicht per se glücklich, sondern die Möglichkeiten, die professionelle Digitalarbeiter daraus ziehen können: Freiheit – nicht Freizeit – scheint das Paradigma des Glücklichseins in digitalen Arbeitszeiten zu sein. Die neue digitale Glücksformel dazu heißt für viele Arbeitsautonomie, also die Fähigkeit, Arbeit möglichst selbstbestimmt zu organisieren.

Perspektiven: Glück und die andere Art, zu arbeiten

Unser Arbeitsalltag ist weitgehend digital geworden, doch gemessen an den Möglichkeiten der Digitalisierung stehen wir immer noch am Anfang einer viel größeren Transformation. Eine Umfrage wie der Glücksatlas, die heute repräsentativ ist, befragt notwendiger Weise vor allem Menschen, die nicht in hippen digitalen Workspaces, disruptiven Startups oder globalen Big Data Hyperunternehmen tätig sind, sondern zum Beispiel im deutschen Mittelstand (der im übrigen nicht weniger innovativ ist, aber das ist eine andere Geschichte), in Branchen wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau oder in nicht-digitalen Dienstleistungen. Diese Industrien digitalisieren Arbeitsplätze und Arbeitsprozesse, aber schon bei der nächsten Ebene der Digitalisierung, den Arbeitsstrukturen innerhalb und zwischen Unternehmen, dürften viele noch relativ unbedarft sein. In Deutschland erleben wir gerade, wie sich die analoge Wirtschaft digitalisiert, noch nicht, wie eine wirklich digitalisierte Wirtschaft aussieht.

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Mögliche strukturelle Veränderungen in der Zukunft wie Vernetztes Arbeiten, Open Innovation, Industrie 4.0 etc. sind eine Herausforderung anderen Kalibers, die nicht „nur“ Arbeitsplätze verändert, sondern Unternehmen. Digitalisierung ist mehr Kulturwandel und weniger Technologie. Die große Innovationswelle, die eine immer digitalere Wirtschaft braucht, ist also nicht das nächste Big Data-Software-Tool, sondern zum Beispiel die Möglichkeit zur Personalisierung von Arbeitsplätzen und –modellen, neue Führungsstile und soziale Möglichkeiten, um mit der digitalen Flexibilisierung besser umgehen zu können. Die Frage wird in Zukunft also nicht sein, ob Digitalisierung glücklich macht, sondern wie – und wie sich Unternehmen dazu verändern müssen. Interessanter Weise machen sich Silicon Valley-Größen wie google, die Vorreiter der digitalen Technologien, längst an solche Modelle einer neuen digitalen Arbeit, in der persönliche Bedürfnisse oder die Vielfalt von Lebens- und Arbeitsentwürfen im Unternehmen neu definiert werden. Die kulturelle und soziale Dimension der Digitalisierung steht uns hierzulande noch bevor. Wir dürfen also gespannt sein auf den Glücksatlas 2020.

 

Bildquellen: Glücksatlas, Shutterstock

  • Martina Sacher

    Das Team von https://www.haftpflichtversicherung-testberichte.de/debeka-test/ findet, dass die Digitalisierung Vor-und Nachteile mit sich bringt. Zum einen können innerhalb kürzester Zeit Informationen beschafft werden. Doch der Preis der Beschaffung ist Hoch. Jeder der im Internet unterwegs ist hinterlässt sichtbare Spuren…Diese werden von anderen Firmen ausgenutzt.

  • http://www.communicationmunich.de Manuela Nikui

    Guter Artikel, spannende Studie. Aus meiner Sicht liegt Glück vor allem an einem selbst: was man aus den Gegebenheiten macht, sich nicht einfach nur treiben lassen. In sich hineinhören. Gegebenenfalls auch zu neuen Ufern aufbrechen. Digitalisierung muss nicht bedeuten, dass ich mein Smartphone niemals ausschalte. Ganz im Gegenteil: sich bewusst Freiräume schaffen und die dann umso mehr genießen. Ich stimme dem Autor aber absolut zu, dass hier noch in den Bereichen neue Arbeitsplatzmodelle, neue Führungsstile, personalisierte Arbeitsplatzmodelle Nachholbedarf besteht. Das wird auch passieren, denn: die Digitalisierung ist da. Also braucht es Mittel und Wege, damit umzugehen.