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Stefan Keuchel: Markenbotschafter sind die besten Vertriebsleute

In Deutschland war Stefan Keuchel das Gesicht von Google Deutschland. Zehn Jahre als Pressesprecher, das machte ihn zum bekannten Markenbotschafter des Unternehmens. Selbst als Ex-Mitarbeiter wird er aktiv in Social Media bleiben und verteidigt vermutlich weiterhin Google+ gegen die Geisterstadtvorwürfe verteidigen. Der Frischkopp auf Twitter ist bestens vernetzt und hat die Social Media Wahrnehmung hierzulande von Anfang an mitgeprägt. Wer ihn einmal erlebt hat, weiß wie leidenschaftlich er seine Themen vertritt. Künftig wird er seine Personenmarke einem neuen Hamburger Unternehmen zur Verfügung stellen. Bei mytaxi ist er seit kurzem Leiter der PR- und Social Media-Aktivitäten. Irgendwie sehr konsequent. Als ich Stefan Keuchel vor einigen Jahren bei Google besucht habe, stellte er mir ganz fasziniert die damals neue mytaxi App auf dem iPad vor und überraschte mich damit. Ein Gespräch über Personal Branding und Reputation Management.

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Wie hast Du die Reaktionen auf Deinen Wechsel von Google zu myTaxi wahrgenommen?
Ehrlich: Ich war baff erstaunt, welch positives Feedback ich dazu bekommen habe. Ich hatte im März ja zunächst meine Auszeit von Google über Google + und Twitter bekannt gegeben. Schon darauf habe unglaublich viele tolle Reaktionen bekommen. Weit über 100 Kommentare sind ein guter Beleg.

Als ich dann im Mai 2014 veröffentlicht habe, dass ich von Google zu mytaxi wechsle, gab es abermals nur Glückwünsche und virtuelles Schulterklopfen. Das hatte ich so nicht erwartet und ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut.

Dein neuer Arbeitgeber musste sich in der Vergangenheit einige an Kritik gefallen lassen. Wie wichtig ist myTaxi die Transparenz?
Ich denke, der Eindruck täuscht ein wenig, denn bis zur Einführung des Provisionsmodells für die Fahrer im Januar 2014 hatte mytaxi durch die Bank positive Presse. Die Kritik, die es für die nicht gerade optimale Kommunikation rund um das neue Provisionsmodell gab, war berechtigt. Hier wurden Fehler gemacht.

Mir gefällt jedoch, dass die Gründer von mytaxi zu diesen Fehlern stehen und nicht versucht wird, das im Nachhinein schön zu reden. Mein Chef Sven Külper (Gründer und CMO) hat dem WSJ ein Interview gegeben, indem er diese Fehler offen zugibt und Tacheles redet. Dieses Interview ist ein gutes Beispiel dafür, welch hohen Stellenwert Transparenz bei mytaxi hat.

Wie verändert sich durch Deinen neuen Job Dein persönlicher Auftritt in Social Media? Und wie siehst Du dabei Deine Rolle für myTaxi.
Das ist eine interessante Frage, denn ich habe natürlich extrem davon profitiert, dass ich der Pressesprecher von Google war. Mir ist vollkommen klar, dass mir deswegen recht viele Leute auf Twitter und Google+ gefolgt sind und nicht, weil sie Interesse an meiner Person hatten.

Erstaunlicher- und erfreulicherweise sind mir aber viele Follower treu geblieben und darum wird sich an meinem persönlichen Auftritt in Social Media auch nicht wahnsinnig viel ändern. Ich werde also auch zukünftig über „meine Themen“ berichten und posten. Das sind neben Posts rund um mytaxi sicher auch häufiger Dinge zu Google, denn natürlich habe ich nach wie vor Interesse daran, was Google macht. Wer mir folgt bekommt also weiterhin einen bunten Mix aus aktuellen Netzthemen, persönlichen Dingen, witzigen und interessanten Internet-Fundstücken und Jobthemen.

Wie wichtig ist Dir das Personal Branding?
Es mag komisch klingen, aber ich habe mir dazu nie großartig Gedanken gemacht. Soll heißen, dass ich keinem „strategischen Personal Branding Masterplan“ gefolgt bin, der festlegt, wie ich mich gebe, was ich sage oder schreibe.

Ich habe jedoch immer versucht authentisch, persönlich und ansprechbar zu sein und habe dazu tolles Feedback erhalten. Robert Basic hat dazu sogar mal einen Post verfasst und auch die geschätzte Kerstin Hoffmann hat vor ein paar Wochen etwas dazu geschrieben. Wenn Du mit Personal Branding also meinst, dass ich als offener, kompetenter und hoffentlich sympathischer Mensch rüber komme, dann ist mir das schon wichtig.

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Was kannst Du anderen Kommunikatoren in Sachen persönlichem Reputation Management empfehlen? Was sollten sie für ihr Personal Branding tun?
Generell gilt, dass man für ein bestimmtes Thema stehen muss, wenn man als Personal Brand wahrgenommen werden möchte. Man sollte sich also überlegen: Was sind die Themen, zu denen ich etwas zu sagen habe? Und dann muss man natürlich anfangen, dieses Thema zu besetzen und zu kommunizieren.

Wer nicht bloggt oder aktiv an Social Media teilnimmt, wird es schwer haben. Ein Tipp wäre, sich anzuschauen, was andere, die man selbst gut findet, tun. Es gibt ja einige Beispiele: Nico Lumma, Raul Krauthausen, Holger Schmidt, Jochen Mai, Richard Gutjahr, Nina Diercks um nur einige zu nennen. Und um Dich, lieber Klaus, zu zitieren: Jeder Mensch ist letztlich eine Marke, mit der er/sie pfleglich umgehen sollte. Das kann ich nur unterschreiben.

Was macht einen guten Markenbotschafter aus?
Natürlich müssen als Antwort auf diese Frage jetzt Schlagworte wie Authentizität, Aufrichtigkeit oder Dialogbereitschaft fallen. Die spannendere Frage ist, wie man es als Unternehmen schafft, dass die eigenen Mitarbeiter zu Markenbotschaftern werden. Denn es ist doch völlig klar, dass Mitarbeiter, die freiwillig darüber erzählen, wie toll ihr Produkt oder ihre Dienstleistung ist, enorm dazu beitragen, eine Marke aufzubauen und erfolgreich zu machen. Man kann viel Geld in Marketing-Kampagnen stecken, aber die glaubwürdige Empfehlung eines Markenbotschafters ist nicht nur günstiger (weil kostenlos), sondern auch nachhaltiger. Wenn man so will, sind Markenbotschafter die besten Vertriebsleute.

Dazu muss es einem Arbeitgeber gelingen, die Ziele und Werte des Unternehmens zu formulieren und intern zu vermitteln. Niemand kann ein Unternehmen so authentisch und überzeugend darstellen, wie die eigenen Mitarbeiter. Letztendlich nichts Neues, aber die Bedeutung ist insbesondere durch Social Media stark gewachsen.


Was ist Deine Rolle als Markenbotschafter bei mytaxi?
Zunächst einmal bin ich nicht als Markenbotschafter bei mytaxi eingestellt worden, sondern als Leiter der PR- und Social Media-Aktivitäten. Dennoch war meinen Chefs bestimmt klar, dass, wenn sie mich einstellen, sie einen Mitarbeiter rekrutieren, der sich auch öffentlich zu seiner Arbeit (und den Produkten) äußert. Ich kann einfach nicht anders. Mein Glück ist, dass das hier begrüßt wird. Und es ist ebenso klar, dass das eben kein selbstreferenzielles Marketing-Bla-Bla ist, sondern dass es um Inhalte und Authentizität geht. Dazu gehört beispielsweise, dass wir zu Fehlern stehen.

Ein kleines Beispiel: Anfang 2014 hat mytaxi sein Preismodell umgestellt. Das hat für eine Menge Unmut bei den Taxifahrern geführt. Dennoch versuchen wir das nicht „auszusitzen“ oder tot zu schweigen, sondern geben offen zu, dass bei der Kommunikation Fehler gemacht wurden, für die wir uns entschuldigen, weil wir sie bedauern. Ein Grund, warum Markenbotschafter so wichtig bzw. wertvoll sind, ist Vertrauen.

90 Prozent der Onlinekunden geben an, dass Empfehlungen von Freunden oder Familienangehörigen die vertrauenswürdigste Form von Werbung sind. Somit sind Markenbotschafter auch Treiber von Kaufentscheidungen und Markenwahrnehmung. Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit bei mytaxi dazu beitragen kann, dass unsere Kunden uns vertrauen, uns mögen und uns im Idealfall sogar weiterempfehlen.

Vielen Dank, Stefan.

>> Medium: Klaus Eck: Der Markenbotschafter

  • Karin Sebelin ♥‿♥

    … aber nicht wenn sie auf dem Stand von “ global #leadership “ bleiben ..
    . interkulturelle Fuehrungskompetenz ist die Zukunft ..