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Status AR: Auch erweiterte Realität braucht Content-Strategie

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Vor kurzem fand die Augmented Reality Konferenz InsideAR in München statt – mit Anett Gläsel-Maslov spreche ich für PR-Blogger über Augmented Reality, Google Glass und Content. Gläsel-Maslov ist Manager für PR und Social Media bei Metaio in München, dem weltweit führenden Software-Anbieter für Augmented Reality, kurz „AR“. Seit März 2013 missioniert sie auf Konferenzen, in Workshops, in Vorträgen und überall dort, wo man mehr über „erweiterte Realität“ erfahren möchte.

Anett, Smartphone-Nutzer sind ja bekannt dafür, die QR Codes zu fotografieren, statt eine passende App dafür zu starten. Wie erlebt ihr das mit Augmented Reality?

Das Scannen von QR-Codes hat sich meiner Meinung nach nie wirklich durchgesetzt. Irgendwo im Dunklen weiß vielleicht jeder, was sie können. Es mag manchmal recht hilfreich sein, direkt auf eine Website verlinkt zu werden, aber der echte Mehrwert ist mir nie ganz klar geworden.

Mit Augmented Reality ist das anders: Hier können Unternehmen nicht nur statische Webseiten auf jedem beliebigen Objekt integrieren sondern das Kamerabild mit lebendigeren Inhalte anreichern. Vom 3D-Modell über Video bis hin zu angezeigten Points-of-Interests, die über GPS-Daten abgerufen werden und dem Betrachter direkt auf dem Bildschirm seines Endgerätes angezeigt werden. Diese Überlagerung virtueller Informationen über die reale Sicht des Betrachters macht den Mehrwert gegenüber dem QR-Code aus.

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So lassen sich mit AR Informationen einfach benutzerfreundlicher, schöner und manchmal auch spannender abrufen. Wie zum Beispiel der McDonald’s Nachhaltigkeitsreport für 2013, der mittels McMission-App Informationen zur Nachhaltigkeits-Strategie des Unternehmens spielerisch aufbereitet.

Oder die von Metaio mitentwickelte IKEA-App, die mir hilft neue Möbel per Augmented Reality direkt in mein Zuhause zu projizieren und zu testen. Unser gemeinsames Projekt mit Volkswagen, das Service-Tool MARTA für den XL1, kennzeichnet den Durchbruch für Augmented Reality im Wartungsbereich. Servicemitarbeiter erhalten via Tablet – und später sicher „handsfree“ auf Smartbrillen – detaillierte Anleitung, welcher Arbeitsschritt als nächstes zu tun ist.

Sind Datenbrillen wie Google Glass sozusagen das Drehmoment, durch das jetzt jeder erkennt, wie Augmented Reality funktioniert?

Augmented Reality ist immer noch eine Technologie, die nur sehr Wenigen bekannt ist, dabei wurden schon in den 1960er Jahren erste Entwürfe vorgelegt. Vor allem der Automobilbereich forschte in den letzten Jahrzehnten intensiv zum Thema. Mit so genannten Datenbrillen wird schon lange gearbeitet – und mit Metaio. Die ersten Modelle waren schwere Gerätschaften mit langen Kabeln und einem Kasten. Der zog jede Menge Aufmerksamkeit auf sich, als Metaio ihn in Louvre-DNP Museum Lab-Projekts ausprobierte.

Das Schicksal vieler Innovationen: Sie bleiben zunächst den Entwicklern vorbehalten. Erst mit der Einführung der Smartphones und Tablet-PCs in den letzten Jahren wurde Augmented Reality auch fürs Marketing und somit für den Endkonsumenten interessant. Leider ist es häufig immer noch so, dass AR als Gimmick betrachtet wird.

Um an dieser Stelle mal ein Buzzword fallen zu lassen: Es kommt auch hier auf den Content an. Manchmal frage ich mich bei Augmented Reality-Projekten, die Agenturen für Unternehmen umsetzen, warum nicht mehr Kreativität und Überlegtheit investiert wird. Eine Technologie kann sich in der Breite nur durchsetzen, wenn der Endkunde den Mehrwert für sich sieht. Daran müssen die Entwickler von AR-Kampagnen häufig noch arbeiten.

Welche Anregungen gibt es seitens Metaio für guten Augmented Reality-Content mit Mehrwert für die Nutzer? Bietet ihr auch kreative Unterstützung für die Konzeption an?

Die Anwendungen sollten so einfach wie möglich funktionieren und selbsterklärend sein. DieBranchen sind jedoch so vielfältig, dass es jetzt vermessen wäre, zu sagen es gibt die eine Lösung. Augmented Reality bietet alle Möglichkeiten, die nach und nach ausgetestet werden müssen. Das augmentierte Magazin kann zum Beispiel Hintergrundinformationen und zusätzliche Interviews bieten. Der Messestand punktet mit virtuellen Produktpräsentationen, und Schulungsapplikationen liefern Schritt-für-Schritt-Anweisungen. Es ist ein positiver Trend, dass Unternehmen, die schwer zu kommunizierende Produkte verkaufen, immer häufiger AR als Sales- und Vertriebsunterstützung nutzen.

Nehmen wir noch mal die eben kurz angesprochene IKEA-App: Hier werden die Möbel des zweidimensionalen Katalogs wunderbar in die eigene Wohnung gerückt. Das beschert dem schwedischen Möbelhaus höhere Umsätze und unterstützt Kunden, eine zufriedenstellende Einkaufsentscheidung zu treffen. Metaio ist in erster Linie ein Software-Anbieter. Wir bieten aber auch Komplettlösungen an, d.h. wir erarbeiten mit dem Kunden eine Konzeption, entwickeln Anwendungen und setzen diese dann um.

Paradebeispiele für Augmented Reality sind neben dem angesprochenen IKEA-Katalog auch Magazine wie P.M. – wird das gut angenommen?

Ich kann hier nur aus unserer Sicht sprechen und da scheint im Moment so etwas wie eine Goldgräberstimmung zu herrschen. Allein bei uns im Haus werden mehr als 15 Magazine mit Augmented Reality versehen. Monatlich (!) werden mehr als 25 Millionen Printmagazine gedruckt, die mit unserem Browser Junaio gescannt werden können, um zusätzliche Inhalte wie Videos, 3D-Modelle, Zusatztexte etc. auszuliefern. Daran sieht man schon, dass aktuell die Print-AR am ehesten am Massenmedium dran ist, das haben auch DIE WELT und der FOCUS gezeigt, die erst vor wenigen Wochen ihre Apps um Augmented Reality erweitert haben.

Warum machen das dann nicht alle Printanbieter und vor allem noch keine Buchverlage?

Diese Frage ist leicht zu beantworten: Zum einen haben die Redaktionen häufig entweder noch nie etwas von AR gehört oder sie haben enormen Respekt vor der Technologie. Dabei ist Augmented Reality mit der richtigen Software kein Hexenwerk. Zum anderen steht die Frage des Contents im Raum: Was bietet einen Zusatznutzen für unseren Leser? Wer hat die Rechte daran? Und: Welche Ressourcen bestehen in der eigenen Redaktion, um die zusätzlich Inhalte bereitzustellen?

Welche neuen Impulse für die Unternehmens- oder Produkt-Kommunikation wurden auf der insideAR letzten Monat gegeben?

Besonders im B2C-Bereich wird derzeit sehr viel ausprobiert. Die Unternehmen werden mutiger, sie merken, dass die Konsumenten großes Interesse daran haben – letztendlich auch über die Berichterstattung zu den kommenden Smartbrillen. Hier passt auch wieder das IKEA-Beispiel: Je mehr Menschen über eine Kampagne angesprochen werden, desto leichter setzt sich eine Technologie durch. Der rasante Fortschritt der Technik tut da sein Übriges. Ständig werden Hürden gemeistert, die die letzten Jahre noch viele Unternehmen davon abgehalten haben, AR zu nutzen.

Auf der InsideAR haben wir das erste Car Manual und den ersten AR-Browser für Google Glass vorgestellt. Wir sehen heute vor allem die Service- und Wartungsapplikationen als entscheidende Treiber für die wirtschaftliche Nutzung von Augmented Reality an. Wenn Kunden und Servicemitarbeiter den Mehrwert einmal entdeckt haben, wollen sie darauf in Zukunft nicht mehr verzichten. Persönlich ist es mir ein großes Anliegen, die Verlagsbranche auf Augmented Reality aufmerksam zu machen. Kaum jemand hat so viel Potenzial und Inhalte zu bieten wie sie.

Jetzt tragen wir ja beide eine Brille – wie sieht denn für uns die AR-Zukunft aus?

Wie das künftig für Brillenträger aussieht kann ich momentan auch nicht absehen. Aber es wird ganz sicher Möglichkeiten geben, die eigene Brille mit dem Datenaufsatz (oder auf andere Art und Weise) zu kombinieren. Es ist sicher noch ein langer Weg bis die „Daten-Kontaktlinse“ auf den Markt kommt. Wir beobachten mit großem Interesse, wie immer mehr Anbieter von Datenbrillen auf den Markt drängen – das ist fantastisch!

Bei aller Euphorie bleiben wir realistisch und sehen, dass alle noch mit „Kinderkrankheiten“ kämpfen. Wer auf der InsideAR die angesprochene Google Glass App im Auto austesten konnte, war auf jeden Fall beeindruckt von der Technik. Aber das Sichtfeld empfinden wir noch als enorm klein, und der Akku wird rasch entleert. Zur wirksamen Akkuschonung haben wir die zweite Generation des AREngine Prozessors entwickelt, die hoffentlich schon in naher Zukunft standardmäßig in mobile Geräte eingebaut sein wird.

Anett, herzlichen Dank für das Interview!